HINTERGRUND
Wie versteinert stand Julian Nagelsmann noch Minuten nach dem Schlusspfiff am Spielfeldrand, drehte dann wortlos ab und verschwand im Kabinengang. Erstmals in seiner noch immer jungen Trainerkarriere hatte der 31-Jährige soeben mit der TSG Hoffenheim die dritte Pflichtspiel-Niederlage in Serie kassiert. Seine Laune war nach dem 1:2 (0:1) im Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt dementsprechend schlecht.
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Zwar scherzte Nagelsmann auf der anschließenden Pressekonferenz noch, er habe nur nicht den Weg aufs Feld zu seiner Mannschaft gewagt, "weil Grasflecken aus weißen Schuhen so schlecht rausgehen". Das Zähneknirschen über die nach den Partien gegen RB Leipzig und Manchester City dritte 1:2-Heimpleite binnen neun Tagen war jedoch auch dabei nicht zu überhören. "Gerade macht es wenig Spaß", gab Nagelsmann offen zu.
In seinem letzten Jahr vor dem Wechsel nach Leipzig muss Nagelsmann nun erstmals einen Weg aus einer kleinen Krise finden. Einer Krise, die sich vor allem in den zuletzt mangelhaften Resultaten manifestiert und weniger in spielerischen Mängeln.
1899-Coach Nagelsmann fordert: "Qualität in Tore ummünzen"
"Die Leistung passt absolut nicht mit dem Ergebnis überein", klagte Nagelsmann nachdem Ante Rebic (40.) und Luka Jovic (46.) die extrem effektiven Frankfurter zum Sieg geschossen hatten. Der trotz etlicher guter Torchancen einzige Hoffenheimer Treffer durch Reiss Nelson (82.) war letztlich zu wenig, sodass Nagelsmann forderte: "Wir müssen es schaffen, die Qualität in Tore umzumünzen."
Die Gründe für die jüngsten Probleme der TSG, die mit sieben Punkten derzeit nur zwei Zähler mehr als Tabellenschlusslicht VfB Stuttgart aufweist, sind aber nicht allein in der fehlenden Kaltschnäuzigkeit zu suchen. Dazu fehlten den Kraichgauern in den vergangenen Wochen gleich sieben Spieler verletzungsbedingt, darunter zeitweise gleich vier Innenverteidiger. Gerade in einer Saison, in der erstmals die Doppelbelastung der Champions League greift, macht dies der Mannschaft spürbar zu schaffen.
Getty ImagesNagelsmann: Doppelbelastung nicht der Grund für Negativlauf
"Wir brauchen nicht drum herumreden, dass das viel zu viel ist", meinte deshalb auch Nagelsmann, nur um gleich nachzuschieben, dass auch hierin keine alleinige Erklärung für die zuletzt fehlenden Ergebnisse liege. "Man kann es sich leicht machen und es auf den internationalen Wettbewerb schieben", sagte er: "Aber den hat Frankfurt auch, den hat Dortmund auch und trotzdem haben beide gewonnen."
Nagelsmann will partout keine Ausreden für die derzeitige Situation suchen und die Probleme stattdessen offensiv angehen. Dazu passt auch, dass er trotz zweier Lattentreffer gegen Frankfurt "nicht von Glück und Pech reden" wollte, "weil man sich da schnell in die Opferrolle begibt". Der Hoffenheimer Jung-Coach, das spürt man, will die Krise unbedingt aus eigener Kraft meistern. Denn, was ein wirklich großer Trainer ist, zeigt sich schließlich erst, wenn es mal nicht so läuft.



