Giovane Elber im Goal-Interview: "Ze Roberto war ein selbstloser Spieler"

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Im Alter von 43 Jahren hat Ze Roberto seine Karriere beendet. Giovane Elber spricht über seinen Weggefährten und erklärt, was ihn so besonders macht.


EXKLUSIV

Ein Jahr lang spielte Giovane Elber gemeinsam mit Ze Roberto für den FC Bayern München. Im Exklusiv-Interview mit Goal erinnert er sich anlässlich des Karriereendes seines brasilianischen Landsmanns an diese Zeit zurück. Ein Gespräch über Bescheidenheit und besondere Momente. 

Ze Roberto: Eine Karriere endet, ein Vermächtnis bleibt

Giovane, können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Ze Roberto erinnern? 

Giovane Elber: Auf jeden Fall. Ze Roberto kam aus Leverkusen, und ich war total froh darüber. Er war ein extrem guter Fußballer und menschlich außergewöhnlich. Das wusste ich schon von der brasilianischen Nationalmannschaft. Dementsprechend war mir auch klar, dass er richtig gut zu uns passen würde. Er hatte Ulf Kirsten in Leverkusen zig Tore aufgelegt. Da habe ich mir schon gedacht: Von Ze Roberto kann ich nur profitieren. Er kam mit seiner Familie nach München. Er ist ein ganz netter, bescheidener Kerl. Es war super, mit ihm zusammenzuspielen. 

Haben Sie ihn anfangs bei den Bayern eingeführt? 

Elber: Ganz genau. Das war an der Säbener Straße. Ich habe ihm gleich gesagt, dass es hier etwas ganz anderes ist als in Leverkusen. Ich bin ja auch von einem kleineren Verein, vom VfB Stuttgart, nach München gekommen, da war es anfangs schon beeindruckend. Alles ist größer beim FC Bayern, da sollte man keine Angst haben, aber Ze Roberto war ja vorher auch schon bei Real Madrid, von daher kannte er das schon. Trotzdem: In München ist alles hochprofessionell. Alles, was man hier macht, steht am nächsten Morgen in der Presse. Von daher muss man aufpassen, was man macht und was man sagt. Da habe ich ihm schon ein paar Tipps geben können.

Hatten Sie auch abseits des Platzes Kontakt? 

Elber: Total, mit der Familie und allem drum und dran. Er war bei mir zuhause und ich bei ihm. Wir sind zusammen Essen gegangen. Er hatte zwei kleine Kinder, meine Kinder waren auch noch klein. Wir hatten ständig Kontakt. 

Rafinha schmeißt gerne mal eine Samba-Party. War das bei Ihnen ähnlich? 

Elber: (lacht) Nein, gar nicht. Bei uns war es ruhiger. Rafinha ist da schon extrem, er liebt die brasilianische Musik, er liebt es, dazu zu singen. Das war bei uns wirklich anders. Ganz, ganz ruhig. 

Sie haben 2002/03 mit Ze Roberto beim FC Bayern zusammengespielt und das Double gewonnen. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Elber: Mir ist vor allem das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach im Olympiastadion in Erinnerung geblieben. Ich hatte sechs, sieben Spiele nicht getroffen, da lastet dann schon unheimlich viel Druck auf einem. Dann kam Ze Roberto bis zur Außenlinie. Ich rief nur: Ze, ich bin da. Er spielte mich an, ich stand mit dem Rücken zum Tor und habe mit der Hacke getroffen. Das war ein super Assist von ihm. Er hätte kurz vorher auch selbst abschließen können, hat aber stattdessen mich bedient. Das war typisch für ihn. Er war ein selbstloser Spieler, der immer in alle Richtungen geschaut hat, um den Ball abzuspielen. 

Giovane Elber Ze RobertoGiovane Elber Ze RobertoGiovane Elber Ze Roberto

Solche Mitspieler hat man gerne. 

Elber: Und wie! Vor allem als Mittelstürmer. Da liebst du Spielerypen wie Ze Roberto, die immer für einen Assist gut sind. 

Sie haben den FC Bayern 2003 zu Olympique Lyon verlassen, Ze Roberto ging 2006, kam aber ein Jahr später wieder. Waren Sie überrascht? 

Elber: Ich war sehr überrascht von seiner Rückkehr, aber man muss sagen, dass es Ze Roberto auch in seiner zweiten Zeit sehr gut gemacht hat. Beim FC Bayern weiß man, was man hat. Es war gut, dass er zurückgekommen ist. Ich hätte das gerne auch gemacht. 

Wissen Sie, warum er den FCB damals verlassen hat? 

Elber: Nein, das weiß ich nicht. 

Ze Roberto hat seine Karriere vor wenigen Tagen im Alter von 43 Jahren beendet. In Worten: dreiundvierzig. 

Elber: Da muss man sagen: Hut ab! Er hat den Fußball gelebt - ein Leben für den Fußball. Er wusste schon als kleiner Junge, wie schwierig es ist, einmal Profi zu werden. Aber er hat es geschafft. Durch den Fußball ist für ihn alles besser geworden, etwa was die Familie und die Umgebung betrifft. Er kam ja wie die meisten brasilianischen Fußballer aus ärmlichen Verhältnissen. 

Und hat alles für den Fußball getan. 

Elber: Total. Er hat extrem professionell gelebt. Das heißt nicht, dass wir anderen unprofessionell gelebt hätten, aber Ze Roberto war da schon besonders. Er war absolut besessen vom Fußball. Er wollte immer nur spielen, spielen, spielen, und Gas geben auf dem Platz. Hinzu kommt, dass er keine schwerwiegende Verletzung hatte. Dann kann man auch ein bisschen länger spielen. (lacht) Das geht aber eben nur, wenn die körperlichen Voraussetzungen stimmen. Und wie gesagt: Ze Roberto war durch und durch professionell - weil er dementsprechend gelebt hat.

Ze Roberto

Gibt es eine schöne Anekdote aus Ihrer gemeinsamen Zeit? 

Elber: Da muss ich Sie leider enttäuschen. Diese eine besondere Geschichte gibt es nicht. Ze war nicht der große Spaßvogel in der Kabine, er war ein ganz, ganz ruhiger Typ, ein Familienmensch, Vater durch und durch. Für seine Kinder macht er alles, für seine Frau ist er immer da. Er hat eine gute familiäre Basis. Gleichzeitig hat er nie vergessen, wo er hergekommen ist. Und das, obwohl er bei Real Madrid, bei Bayer Leverkusen und bei Bayern München gespielt hat. Er hat seine Wurzeln nie vergessen. Das ist ganz wichtig, gerade im Fußballgeschäft.

Ze Roberto bleibt Palmeiras in neuer Funktion erhalten

Können Sie sich ihn in der Zukunft etwa auch als Trainer vorstellen? 

Elber: Ich habe noch nichts gehört und weiß daher auch nicht, ob er Trainer werden will. Aber ich bin mir sicher: Er wird bei uns einen Vertrag bekommen - im Legendenteam. Dafür ist er schon eingeladen worden, und wir würden uns alle freuen, wenn Ze demnächst wieder mit uns auf dem Rasen steht. Nächstes Jahr haben wir ein Spiel in Liverpool, vielleicht zwei weitere Partien in China. Jetzt geht es für Ze darum, Spaß zu haben. Nicht mehr die ständigen Trainingslager und die volle Konzentration. Jetzt kann er das Leben genießen. 

Und Ihnen wieder Vorlagen geben. 

Elber: Genau, die brauche ich auch unbedingt. Mit Paulo Sergio ist es schwierig, vorne zusammenzuspielen. Der gibt ja keinen Ball ab. Wir haben schon überlegt, einen zweiten Ball mit ins Spiel zu nehmen, nur für Paulo Sergio. (lacht)

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