Neuer-Vertreter beim FC Bayern: Die undankbare Aufgabe des Sven Ulreich

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Sven Ulreich wird Manuel Neuer lange vertreten. Auf Schalke hielt er gut, sehr gut sogar. Und dennoch begibt er sich auf eine Mission Impossible.


HINTERGRUND

Sicherheitshalber entschuldigte sich Sven Ulreich vorab für seine Wortwahl. "Natürlich fühlt man da mit Manu mit, wenn so eine Scheiße passiert", sagte er nach dem 3:0-Sieg des FC Bayern bei Schalke 04. Anders, meinte Ulreich, könne man das eben nicht ausdrücken. Diese Scheiße, das war eine ganz normale Aktion im Training, gefolgt von einem lauten Aufschrei Manuel Neuers und der ernüchternden Diagnose: Haarriss im linken Mittelfuß. 

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Neuer musste deshalb erneut operiert werden an seinem linken Problemfuß, in Tübingen wurde ihm von Dr. Ulrich Stöckle eine Platte eingesetzt. Der Eingriff sei gut verlaufen, ließ der deutsche Rekordmeister mitteilen, fehlen wird Manuel Neuer den Münchnern trotzdem in der kompletten Hinrunde. Im Januar soll er zurück sein. Wenn alles gut läuft. Bis dahin wird Ulreich ihn vertreten.

"Ich habe ihm eine SMS geschrieben und alles Gute für die OP gewünscht. Er hat mir wiederum ein gutes Spiel gewünscht. Wir haben Kontakt und verstehen uns gut. Es ist einfach enttäuschend, dass er so viel durchmachen muss. Das ist die menschliche Seite", sagte Ulreich in den Katakomben der Schalker Arena mit ernster Miene.

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Als er später über die andere, über die sportliche Seite sprach, darüber, dass er nun "endlich" die Möglichkeit hat, "mehr zu spielen", machte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit. Ulreich ist jetzt die Nummer eins auf Zeit. Kommende Woche wird er sich in Paris mit den Größten des Weltußballs messen, mit Neymar, Edison Cavani, Kylian Mbappe und all den anderen Hochbegabten. Dabei wollte er den Klub im vergangenen Sommer noch verlassen.

"Gibt wenige Dinge, die ich besser machen kann"

"Natürlich", erinnerte sich Ulreich, "hatte ich das ins Auge gefasst. Ich habe damals für mich entschieden, dass ich es in Erwägung ziehen muss, wenn es die Möglichkeit gibt, irgendwo zu spielen." Letztlich hat er sich zusammen mit den Verantwortlichen auf einen Verbleib geeinigt, auch weil er selbst genauso wie Neuer zu jener Zeit verletzt war. Er habe sich beim FC Bayern stets wohlgefühlt und tue das noch immer, betonte Ulreich, aber "als Spieler würde man lügen, wenn man nicht zugibt, dass es auf Dauer nicht gerade schön ist auf der Bank". Bei seinem Wechsel vom VfB Stuttgart zum FCB im Sommer 2015 hatte er sich das wohl vergnügsamer vorgestellt. Unter Wahnvorstellungen leidet Ulreich schließlich nicht. Er weiß ganz genau, wen er da vor sich hat. Und dass sein undankbarer Auftrag einer Mission Impossible gleicht.

"Es ist immer schwierig, Manu zu vertreten, er ist ja der weltbeste Torhüter. Es gibt wenige Dinge, die ich da besser machen kann", stellte der 29-Jährige fest. Sein größtes Problem: Er kann seine Sache zwar sehr gut machen, aber nie gut genug. Er muss nicht nur Torhüter sein, sondern gleichzeitig Fußballer.

Sven Ulreich FC Bayern München Sven Ulreich FC Bayern München

Bereits Ende vergangener Saison hatte Ulreich den Weltmeister-Keeper vertreten, bis er sich selbst am Ellenbogen verletzte. Er spielte teilweise ordentlich, teilweise gut. In Erinnerung blieben aber die wenigen Fehler, die er machte. Die Szenen, die mit Neuer vielleicht anders ausgesehen hätten. Ulreich dürfte sich inzwischen daran gewöhnt haben.

Zu Beginn der laufenden Spielzeit stand er wieder als Neuer-Vertreter im Tor. Im Supercup gegen Borussia Dortmund, im DFB-Pokal gegen den Chemnitzer FC und in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen. Insbesondere beim 3:1-Sieg gegen die Werkself war er gefordert - und überzeugte. Genauso am Dienstag auf Schalke.

Mehrfach musste Ulreich eingreifen, mehrfach tat er das zuverlässig. "Natürlich muss man erst wieder seinen Rhythmus finden, aber es war schön", sagte Ulreich. Zufrieden sei er mit seiner Leistung, und das konnte er auch sein "Ich war ein, zwei Mal gefordert, in denen ich für die Jungs halten konnte, sodass wir nicht unter Druck geraten sind."

"Ich weiß, was ich kann"

Er wisse, erklärte Ulreich, dass er nun im Fokus steht, hob aber positiv hervor, dass er jetzt vorerst Planungssicherheit hat. Stets im Hinterkopf, für mindestens drei Monate gefragt zu sein. Auf der Linie, aber auch in der Spieleröffnung. Was bedeutet das eigentlich, wenn man nicht gerade Manuel Neuer heißt?

"Da", erklärte Ulreich, "wächst man über die Jahre rein. Am Anfang ist es ungewohnt, wenn man von einer Mannschaft kommt, bei der eher lange Bälle gefordert werden. Hier gilt es mehr mitzuspielen, das ist auch gut und ich habe mich darin auch verbessert. Dadurch, dass unsere Spieler die Bälle fordern, ist es einfacher für den Torhüter." In Gelsenkirchen zeigte Ulreich, dass er durchaus in der Lage ist, ein Spiel im richtigen Moment schnell zu machen. Den Angriff, der zum Handelfmeter und dem daraus resultierenden Führungstreffer von Robert Lewandowski führte, leitete er gedankenschnell ein.

"Ich weiß, dass vielleicht auch mal nicht ganz so gute Spiele kommen werden, aber ich weiß auch, was ich kann. Ich weiß, dass ich Manu gut vertreten kann und das will ich zeigen", sagte er. Am Wichtigsten sei aber selbstverständlich der Erfolg der Mannschaft. Deshalb dürfe man vor dem Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg am Freitagabend (20.30 Uhr im LIVETICKER ) auch noch gar keine Gedanken an die "Herausforderung" Paris Saint-Germain verschwenden, erklärte Ulreich, ehe er sich zum Mannschaftsbus aufmachte. Die "Scheiße" war da schon fast vergessen.

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