Mohamed Salah LiverpoolGetty

Darum macht der Mohamed-Salah-Transfer keinen Sinn


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Da stand er also, lächelte das obligatorische Neuzugang-Lächeln in die Kamera, hielt sein tiefrotes Trikot in die Höhe und sagte später die Neuzugang-Sätze, in denen fast immer "Herausforderung" und "nächster Schritt" vorkommen. Mohamed Salah wechselte vergangene Woche zum FC Liverpool. 42 Millionen Euro überwiesen die Reds für den Ägypter an die Roma, damit Jürgen Klopp seinen Wunschspieler für die Offensive bekommen konnte.

Sicher, Salah ist ein sehr guter Spieler, an manchen Tagen sogar weltklasse. Er hat eine formidable Spielzeit in der Ewigen Stadt hinter sich, in der ihm 28 Scorerpunkte gelangen. Sicher ist auch, dass der FC Liverpool Verstärkungen braucht, um in der nächsten Saison um den Titel mitzuspielen. Denn die Konkurrenz schläft nicht, beide Manchester-Klubs begannen bereits mit Millionen-Investitionen. Dass Salah der richtige Mann ist, um an der Anfield Road den ersehnten Ligatitel zu holen, darf aber stark bezweifelt werden.

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Denn der 25-Jährige mag zwar ein technisch beschlagener Dribbler sein, der auf engstem Raum richtige Entscheidungen trifft und Spiele alleine entscheiden kann, die Problemzonen Liverpools löst sein Spielertypus aber mitnichten. Denn in Philippe Coutinho, Sadio Mane oder auch Roberto Firmino hat Klopp bereits vergleichbare Spielertypen. Erstere beide sind sogar etwas über Salah anzusiedeln, kennen sie doch die englische Spielweise sehr gut.

Jene Spielweise, mit der der Neuzugang 2014 bei seinem halbjährigen Intermezzo beim FC Chelsea überhaupt nicht klar kam. Salah hat sich zwar inzwischen auf beeindruckende Weise weiterentwickelt, das gerade von Klopp geforderte intensive Gegenpressing, wie es ein Firmino bereits in Hoffenheimer Tagen perfekt beherrschte, ist aber mit Sicherheit keine der Komponenten in Salahs Repertoire, wegen der man ihn verpflichtete.

Mohamed Salah LiverpoolGetty

Nun fehlt Liverpool Geld für andere Verstärkungen

Nun stellt sich die Situation bei den Reds also folgendermaßen dar. 42 Millionen Euro des Transfer-Budgets sind weg. Natürlich in der finanzkräftigen englischen Beletage kein Beinbruch und keinesfalls das Ende der millionenschweren Fahnenstange, ein Pappenstiel sind 42 Millionen Euro aber selbstredend auch nicht. Und Liverpool braucht viel Geld, will man seine Stärken stärken (was man mit Salah sicherlich tut) und seine Schwächen beheben oder jedenfalls verringern.

Und Schwächen offenbarte der zusammengestellte Kader in der vergangenen Saison zuhauf. Sei es auf der Torwartposition, in der Abwehrzentrale, auf den defensiven Außenpositionen, im zentralen Mittelfeld oder im Sturmzentrum. Alle wird Klopp nicht angehen können, daher gilt es Prioritäten zu setzen. Und genau diese Muster konterkariert der Salah-Transfer ein wenig. Denn wenn etwas, sofern alle fit waren, im letzten Jahr sehr gut funktionierte, dann das Offensivspiel Coutinhos und Manes.

Gerade die Verbindung zwischen Offensive und Defensive war eine Baustelle, viel zu viele einfache Gegentore, auch gerade gegen schwächere Teams, musste Liverpool hinnehmen. Und ein Stabilisationsgeber ist Salah mitnichten. Auch in Rom war ein Grund für seine Stärke der überragende Radja Nainggolan.

Es wird sich zeigen, wie Salah sich dieses Mal auf der Insel akklimatisiert, ob er dieses Mal kräftigere Stempelabdrücke hinterlassen kann, wenn er statt Blau nun Rot trägt. Sicher ist nur: Bei der Ablöse wird er liefern müssen! Zweifellos ist er dazu auch in der Lage. Das Team um ihn herum aber ist keinesfalls bereit, die Meisterschaft zu gewinnen, gibt man nicht weitere Millionen aus. Und das ist nach dem Angreifen des Festgeldkontos für Salah nun keineswegs einfacher als davor.

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