HINTERGRUND
"Als ich am Anfang bei Ajax war und in solchen Spielen auftauchte, habe ich mir immer den Fußball Manager gekauft und mich schnell verpflichtet", sagt Christian Eriksen, der seinen "Charakter in Computerspielen nicht gut genug" sieht. "Ich würde mich sofort zum Spielmacher und Kapitän machen."
"Ich würde mich zu Barcelona transferieren, dort eine Saison bleiben und weiter zu Real Madrid gehen, wo ich mich ebenfalls verpflichten würde", so der aktuelle Superstar von Tottenham Hotspur. "Es war egal, wo ich war, ich würde mich kaufen. Ich habe dieses Spiel geliebt und als Kind oft mit Leeds oder der Roma gespielt."
Wenn man über die besten Spielmacher der Welt spricht, fällt der Name Christian Eriksen jedoch relativ selten. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die FIFA-Macher den dänischen Nationalspieler nach eigenem Empfinden unterschätzt haben. Die Spurs zählen trotz richtig guter Arbeit nicht zur Elite in Europa, Eriksen fliegt unter dem Radar.
In Barcelona einst durchgefallen
Doch der heute 25-Jährige hat alles richtig gemacht. Mit Bescheidenheit, dem gottgegebenen Talent und den richtigen Entscheidungen hat er es von seinen fußballerischen Fähigkeiten her bis ganz nach oben geschafft, was nicht umsonst den FC Barcelona auf den Plan gerufen hat - der Klub, bei dem er vor einigen Jahren noch durchgefallen war.
"Mein Kumpel Rasmus Falk und ich gingen zum Probetraining bei Chelsea", erinnert sich Eriksen - damals 15 Jahre alt. "Ich habe drei Spiele für die U18 gemacht, wir haben mit den Profis zusammengegessen und Jose Mourinho oder Didier Drogba liefen durch die Gegend. Aber für mich als Mensch wäre der Schritt zu groß gewesen."

Die Blues boten dem offensiven Mittelfeldspieler weitere Probetrainings an, doch Eriksen schaute sich auch noch drei Tage beim AC Milan sowie fünf Tage eben bei den Katalanen um. "Bei Barca haben wir eine Partie gegen die katalanische Nationalmannschaft gespielt und ich habe den Ball in 90 Minuten vielleicht dreimal berührt", weiß Eriksen.
"Ich habe den Ball immer wieder gefordert, aber ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Das Training lief gut, doch in diesem Spiel dachte ich mir, dass ich einfach nicht gut genug sei, um überhaupt den Ball zu bekommen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass all die Jungs spanisch sprachen."
Eine reflektierte Erkenntnis eines jungen Menschen, der sich bereits mit zwei Jahren und zehn Monaten seinem ersten Fußballklub anschloss und dessen komplette Familie das Spiel mit dem runden Leder lebt und liebt. Mit 16 Jahren entschied er sich schließlich für den Sprung zu Ajax, das bekannt für seine herausragende Jugendarbeit ist.
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In der U17 lernte Eriksen vor allem von Arsenal-Legende Dennis Bergkamp, damals beim niederländischen Rekordmeister aktiv. "Er weiß, wie er mit dem Ball umgehen muss", schwärmt der Blondschopf. "Er hat das Gefühl für einen harten oder leichten Ball. Als er bei Ballbesitzübungen mit den Profis dabei war, hat er nie den Ball verloren. Das war manchmal ziemlich ärgerlich."
Heute ist er es, der kaum den Ball verliert. Der die Spurs schon gegen West Ham United (21 Uhr im LIVE-TICKER) zur sicheren Vizemeisterschaft und vielleicht sogar noch mehr schießen kann. Die Statistiken des 66-maligen Nationalspielers sind jedenfalls beeindruckend, denn bei nahezu allen relevanten offensiv Werten ist er vorne mit dabei.
Eriksen, der perfekte Premier-League-Allrounder
So gab Eriksen die fünftmeisten Torschüsse (80), die zweitmeisten Vorlagen (12) und die mit Abstand meisten Torschussvorlagen (101) aller Premier-League-Spieler in dieser Saison ab. Zudem spielte er die zehntmeisten Pässe (1817 / 55 pro Spiel) und schlug die fünftmeisten Flanken (214). Nicht unerwähnt dürfen seine acht Treffer bleiben, auch wenn er damit nicht in den Top-20 liegt.
Wenig verwunderlich, dass man ihm in Barcelona mittlerweile gerne die Bälle zuspielen würde, wenngleich sein Berater Martin Schoots gegenüber der dänischen Zeitung BT abwiegelt. "Christian will einfach nur wichtig für das Team sein, das ist alles, was für ihn zählt. Ich bevorzuge es, nicht über das zu sprechen, was die Zeitungen über seine Zukunft schreiben. Wir lassen die Gerüchte unkommentiert."
Um aber endgültig in die Weltelite der offensiven, zentralen Mittelfeldspieler aufzusteigen, ist ein Wechsel zu einem größeren Klub unerlässlich. Der Vertrag von Eriksen in London läuft noch bis 2020, ein Spieler eines solchen Kalibers muss aber regelmäßig Champions League spielen. Nun ist der ideale Zeitpunkt, den nächsten Schritt zur Vollendung zu machen.


