Peter Bosz Borussia DortmundGetty

Borussia Dortmund: Mit einer Systemumstellung zum Erfolg?


HINTERGRUND

Nach dem Derby soll es geknallt haben bei Borussia Dortmund! Nach dem Spiel gegen den FC Schalke 04, als der BVB eine 4:0-Führung noch aus der Hand gab, hat es eine Krisensitzung gegeben. Dabei soll es zu einer richtigen Aussprache zwischen Trainer Peter Bosz und seinen Spielern gekommen sein. Auch laut sei es geworden. Das berichtet zumindest die Bild. Bestätigen wollte das der Niederländer am Freitag nicht so richtig, immerhin sagte er, er würde mit seinen Spielern immer wieder in Konferenzen sitzen. Auffällig allerdings: Seitdem ist der Trainer von seinem 4-3-3-System auf ein 3-4-3-System umgestiegen.

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Nuri Sahin gewährte nach der 2:3-Pleite in der Champions League gegen Real Madrid allerdings tiefe Einblicke. "Es wurden einige Sachen deutlich angesprochen. Es hat sich seitdem bei uns einiges geändert", sagte er. Immerhin kam der BVB nach einem 0:2-Rückstand in Madrid noch einmal zurück. "Ich glaube, wenn wir da nicht so deutlich geworden wären und so ehrlich, dann hätten wir heute auch nicht das 2:2 gemacht", sagte Sahin. Auch Neven Subotic, der in der Aussprache wohl auch Thema gewesen ist und seitdem beide Spiele von Beginn an bestritt, gestand: "Die Sitzung war wichtig für uns. Wir wissen, dass es Dinge gibt, die nicht akzeptabel sind."

Bosz oder die Spieler: Wer setzte Umstellung durch?

In dieser Sitzung nach dem Derby sollen die Spieler Bosz sogar aufgefordert haben, das System zu ändern - was er schlussendlich auch machte. Doch davon will Bosz nichts wissen. "Ich habe keine Ahnung, von welcher Sitzung wir jetzt reden", sagte er. Auf eine Sache bestand er dann aber doch: "Kein Spieler hat gesagt 'Wir müssen auf eine Dreierkette umstellen‘. Ich bin derjenige, der entscheidet." Zwar tausche er sich immer wieder mit seinen Spielern darüber aus, wie er ein Spiel angehen wolle. Doch wie es wirklich umgesetzt wird - diese Entscheidung obliege ihm.

Wer auch immer diese Entscheidung nun maßgeblich beeinflusst hat - zum Nachteil der Borussia war es nicht. Zwar war der BVB in Leverkusen bei Elf gegen Elf immer noch deutlich unterlegen und verlor auch unter der Woche gegen Madrid. Aber immerhin: Die Mannschaft fühlt sich "im Moment" (Sahin) in dem alten System wohler. Denn schon unter Thomas Tuchel wurde in ähnlicher Weise gespielt.

Bosz hingegen wollte die Umstellung nicht überbewerten. "Unsere Spielweise hat sich nicht geändert. Wir haben eine Philosophie, wollen offensiven Fußball spielen. Das geht mit Dreier- und Viererkette. Es kommt drauf an, wie die Positionen besetzt sind", sagte er am Freitag. Genau da lag in den vergangenen Wochen das Problem. Oftmals wussten die Spieler scheinbar nicht so recht, wie sie in bestimmten Situationen zu agieren haben. Julian Weigl etwa beschwerte sich zuletzt öffentlich, dass er sich mit der neuen Rolle noch nicht so anfreunden kann.

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Im defensiven Mittelfeld stand er im 4-3-3-System von Bosz nämlich oft auf verlorenen Posten, hatte keinen Spieler direkt neben sich und agierte etwas offensiver als unter Tuchel. Unter dem alten Trainer war Weigl der Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Unter Bosz spielte er oftmals kaum eine Rolle im Passspiel. Stattdessen übernahmen die Innenverteidiger den Spielaufbau - mit überschaubarem Erfolg. Nach der Umstellung auf das 3-4-3 sollen wieder mehr Impulse aus dem Mittelfeld kommen. Zudem erhoffen sich Trainer, Verantwortliche und Spieler mehr defensive Stabilität, weil in der Rückwärtsbewegung gleich fünf Spieler auf einer Reihe stehen.

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Allerdings klappt das nicht immer. Das weiß auch Florian Kohlfeldt, Trainer des nächsten Gegners Werder Bremen. "Wir werden Räume kriegen", sagte er. Denn auch nach der Umstellung auf eine Dreierkette "laufen sie mit ihren Defensivspielern hoch an." Diese Räume wollen die Bremer am Samstag im Signal-Iduna-Park nutzen.

In Dortmund hoffen sie aber darauf, dass die Umstellung auf das "alte" System wieder zur nötigen Stabilität führt - und es Selbstvertrauen zurückgibt. Zwar waren die Auftritte in Leverkusen und Madrid immer noch mangelhaft in der Defensive. Doch immerhin waren kleine Steigerungen zu erkennen. Diese gilt es nun, über längere Zeit auf das Feld zu bringen. "Wir warten auf die Wende", sagte Bosz am Freitag. Vielleicht gelingt sie nach sieben Spielen ohne Sieg ja gegen Bremen. Die Statistik könnte jedenfalls Hoffnung machen: Die letzten zehn Spiele gegen Werder gewann der BVB.

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