ANN-KATRIN BERGER Getty Images
16. Juli 2025
Europameisterschaft der Frauen
Deutschland
A. Berger

"Ich brauche nicht von jemandem, der nie im Tor stand, Kritik zu hören": Ann-Katrin Berger wurde von der Olympia-Heldin zum Dauerthema

Auf dem Weg zu Olympia-Bronze war Ann-Katrin Berger im Vorjahr die gefeierte Heldin, bei der EM ist die Nationaltorhüterin eines der größten Diskussionsthemen.

Im vergangenen Jahr lag Ann-Katrin Berger die Fußballwelt zu Füßen. Erst die gefeierte Olympia-Heldin, dann die Auszeichnung als Fußballerin des Jahres - die Nationaltorhüterin erlebte märchenhafte Monate. Einen Sommer später ist die 34-Jährige mit dem Hang zum Risiko die am meisten diskutierte deutsche EM-Spielerin - vor dem Viertelfinale gegen Frankreich erhält Berger aber prominente Rückendeckung.
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    "Sie hat eine Routine und Automatismen drin, die schwer zu adaptieren sind für andere Torhüterinnen, die reinkommen. Ich sehe da jetzt keine riesengroße Diskussion", sagte Almuth Schult im SZ-Podcast "Und nun zum Sport". Die frühere DFB-Keeperin hält große Stücke auf Bergers "unheimliche Erfahrung und Ausstrahlung" und Qualitäten im Spielaufbau.

    Wer viel mitspielt, bei dem springen die Fehler mehr ins Auge, betonte Schult nach Deutschlands 1:4-Pleite gegen Schweden. "Sie leitet durch ihre Art und Weise auch Chancen ein. Das würden andere Torhüterinnen, die nicht in den Spielaufbau eingebunden sind und nicht diesen Blick für das Spiel haben, gar nicht schaffen", führte die 66-malige Nationalspielerin aus und gab zu: "Ich weiß nicht, ob in meiner Statistik in den ganzen Länderspielen ein Assist drinsteht. Das ist schon herausragend."

    Nach Bergers riskanten Dribblings im zweiten EM-Spiel gegen Dänemark (2:1) hatte Christian Wück öffentlich Redebedarf mit seiner Nummer eins angekündigt - das Thema bekam der Bundestrainer seither nicht eingefangen. Bei der allgemeinen deutschen Verunsicherung gegen Schweden leistete sich die Torhüterin von Gotham FC dann weitere Aussetzer.

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    "Ich habe mich nicht verunsichern lassen - wovon denn auch?", gab Berger danach zu Protokoll und betonte: "Manche Bälle würde ich wahrscheinlich auch wieder spielen, aber da war vielleicht die Kommunikation zwischen den Abwehrspielerinnen und mir nicht so gut."

    Auch Nia Künzer empfindet das Thema als aufgebauscht. "Wir schätzen Anne sehr. Bei uns intern gibt es keine Torwartdiskussion", sagte die DFB-Sportdirektorin vor dem ersten K.o.-Duell am Samstag (21 Uhr) gegen die starken Französinnen in Basel. "Wir bleiben ganz bei uns, wollen Ruhe bewahren und das ist das Wichtigste in der Spielvorbereitung."

    Die Kämpfernatur Berger, die zwei Erkrankungen an Schilddrüsenkrebs überstanden hat, hatte da den Blick schon längst nach vorne gerichtet. "Wir müssen das Spiel abhaken, gucken, was unsere Fehler waren und wo wir uns verbessern müssen", sagte die gebürtige Schwäbin: "Und egal, was kommt, ich bin immer noch überzeugt von der Mannschaft."

    Und überhaupt - mit Kritik an ihren Leistungen kann sie sehr gelassen umgehen. "Um es auf eine nette Art und Weise zu sagen, interessiert mich eigentlich nicht, wer irgendwie außerhalb vom Fußballrand kritisiert", erklärte Berger: "Ich bin von Natur aus ein sehr kritischer Mensch, deshalb brauche ich nicht wirklich von jemandem, der nie im Tor stand, Kritik zu hören."