Marokko bei der Weltmeisterschaft: Ein Erfolg "Made in Europe"
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Zum ersten Mal seit 1998 ist Marokko wieder bei einer WM dabei. Seitdem hat sich viel getan - vor allem, was die Herkunft der Spieler angeht.

Eigentlich war die Sache längst geklärt. Hakim Ziyech wollte natürlich für das Land spielen, in dem er geboren wurde. Er wollte an Europameisterschaften teilnehmen, eines Tages vielleicht sogar Weltmeister werden. Als "entscheidenden Faktor" bezeichnete er diese Aussichten - und hörte zwei Jahre später doch auf sein Herz. Auch deshalb ist Ziyech, gebürtiger Niederländer, bei der WM in Russland dabei. Mit Marokko.

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Was wie ein netter Zufall klingt, ist in Wahrheit das Musterbeispiel für eine Erfolgsgeschichte "Made in Europe". Denn 17 der 23 "Löwen vom Atlas" haben das Licht der Welt gar nicht in Marokko erblickt. Ihre Geburtsländer sind Spanien, Belgien, Frankreich. Oder eben die Niederlande, wo Ziyech bei Ajax Amsterdam unter Vertrag steht und vor seinem "Wechsel" nach Marokko bereits für die U21 der Elftal spielte.

Ähnlich verlief der Werdegang bei den Gebrüdern Nordin (31) und Sofyan Amrabat (21), vor allem der Jüngere gilt als Juwel. Auch deshalb versuchte der ehemalige Weltstar Ruud Gullit im Vorjahr während seiner Zeit als Co-Trainer der Niederlande, Sofyan zu überreden. "Aber man hat keine Chance", sagte Gullit später: "Ich denke, dass die Familie großen Druck ausübt, für Marokko zu spielen."

Aus- und Fortbildung der Spieler in Europa

Die These taugt zumindest für das Beispiel der Nordafrikaner. Denn die meisten haben (fußballerisch) kaum eine Verbindung zu ihrer Heimat - außer eben das Nationalteam. Kapitän Medhi Benatia etwa kam in Frankreich zur Welt, schaffte dort den Sprung in den Profibereich und landete unter anderem über die Zwischenstation Bayern München beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin.

Dennoch schwärmt Benatia in diesen Tagen von den Erfahrungen, die er mit seinem Team sammelt. "Das ist die fantastischste Sache meiner Karriere, es erfüllt mich mit riesigem Stolz", sagte der Abwehrspieler zuletzt im Interview mit dem Fernsehsender France24.

Auch aufgrund der guten Aus- und Fortbildung bei europäischen Vereinen - Spieler stehen bei Schalke 04, Galatasaray Istanbul oder sogar Real Madrid unter Vertrag - rechnen sich die Marokkaner einiges aus. Ein Sieg zum Auftakt am Freitag in St. Petersburg gegen den Iran (17 Uhr im LIVE-TICKER) könnte die Zuversicht für die Duelle mit Europameister Portugal und Ex-Weltmeister Spanien stärken.

GFX Hakimi Belhanda Harit

Zukunft soll im eigenen Land liegen

Dass Erfolg aber nicht unbedingt aus dem Ausland importiert werden muss, beweist die bislang letzte WM-Teilnahme der Marokkaner vor 20 Jahren. Mit vier Punkten verpassten sie in Frankreich nur knapp den Sprung in die K.o.-Runde. In der Weltrangliste stand Marokko in dieser Zeit zudem so hoch wie nie zuvor und nie mehr danach (Platz 13). Und: Im Team standen bis auf zwei Ausnahmen nur Spieler, die in Marokko geboren wurden.

Auch wenn die Momentaufnahme "wirklich wunderschön" ist, wie Verbandspräsident Fouzi Lekjaa betont, will er gemeinsam mit seinem wichtigsten Mann, Nasser Larguet, die Zukunft wieder im Inland aufbauen. "Wir besitzen das Potenzial", sagte Larguet, der schon in Frankreich als Direktor zahlreicher Trainingszentren gearbeitet hat und dies nun in Marokko tut.

Seine Zuversicht zieht er aus der afrikanischen Nationenmeisterschaft, bei der nur Akteure dabei sein dürfen, die in den nationalen Ligen ihrer Heimat spielen. Der amtierende Champion: Marokko.

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