FC Bayern in Überzahl souverän gegen RB Leipzig
James Rodriguez Bayern München Munich Bundesliga 28102017
Getty Images
Im zweiten Duell binnen weniger Tage sind die Sachsen - auch aufgrund einer frühen Roten Karte - bei den Bayern chancenlos. Die Analyse.

Der FC Bayern München hat erstmals in dieser Saison die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen. Am 10. Spieltag gewann der Rekordmeister zu Hause gegen RB Leipzig mit 2:0 (2:0).

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Die Bayern spielten im 4-3-3 mit Javi Martinez als alleinigem Sechser, Thiago und Rudy agierten auf den Halbpositionen davor. Aus dieser Grundausrichtung hatten die Hausherren von Beginn an leichte Vorteile, besonders die Außen Robben und James waren direkt gut im Spiel.

Der Knackpunkt der Partie war die frühe Rote Karte gegen Leipzigs Willi Orban. Die Münchner nutzten die kurze Unordnung in der neuformierten Leipziger Hintermannschaft und gingen durch einen fein herausgespielten Angriff in Führung, bevor Ralph Hasenhüttl reagierte und wieder einen zweiten gelernten Innenverteidiger ins Team brachte.

In der Folge dominierten die Gastgeber, verpassten es zunächst jedoch nachzulegen. Nach einer halben Stunde verringerte der FCB den Aufwand und zeigte kein zielstrebiges Überzahlspiel mehr. Genau in der Phase, als Leipzig daran arbeitete, durch schnelle Gegenstöße wieder ins Spiel zu finden, erhöhten die Bayern nach starkem Martinez-Pass durch Lewandowski auf 2:0 und sorgten damit bereits vor der Pause für die Vorentscheidung.

Nachdem Lewandowski aufgrund von Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden musste, besetzten Thiago und Vidal im Wechsel die Spitze. Im zweiten Durchgang taten sich die Bayern wie unter der Woche schwer, die Überzahlsituation besser auszuspielen und kamen so kaum zu zwingenden Torchancen. Da sie jedoch gut gegen den Ball arbeiteten und diesen früh eroberten, hielten sie Leipzig dennoch weit vom eigenen Tor weg. Entsprechend litt die Attraktivität des Spiels.

Die Daten zum Spiel

Tore: 1:0 James (19.), 2:0 Lewandowski (38.)

Rote Karte: Orban (13., Notbremse)

  • Bayern bezwingt Leipzig im vierten Pflichtspiel zum dritten Mal, hinzukommt der Sieg im Elfmeterschießen im Pokal (statistisch ein Remis) - Leipzig kassierte gegen kein anderes Team im Profifußball mehr Niederlagen (wie gegen Augsburg, Ingolstadt und St. Pauli).
  • Der FCB traf im 60. Pflichtspiel in der Allianz Arena in Serie, eine längere Heimserie dieser Art hatten die Bayern zuletzt von 1979 bis 1982 (77 Pflichtspiele). Zuletzt gelang im Mai 2015 gegen Augsburg kein Tor (0:1-Niederlage).
  • Lewandowski traf auch im fünften Bundesliga-Heimspiel in dieser Saison - in den ersten fünf Heimspielen zu treffen, schafften zuletzt Bas Dost für Wolfsburg und Pierre-Emerick Aubameyang für Dortmund in der Saison 2015/16.
  • RB Leipzig gab nur drei Torschüsse ab - weniger waren es für RB in der Bundesliga noch nie (wie in Dortmund im Februar 2017).

Der Star des Spiels: James Rodriguez

Klebte nicht an der Seitenauslinie, sondern interpretierte den Linksaußen eher in den Räumen zwischen Außenverteidiger und rechten Innenverteidiger. Hatte dort einen großen Einfluss auf die Partie. Schlug starke Flanken (u.a. bei Lewandowskis Kopfballchance) und sorgte mit seinen Ecken immer wieder für Gefahr. Brachte 94 Prozent seiner Pässe an den Mann. Dazu mit einem guten Laufwerk und perfekten Abschluss beim Führungstor.

Der Flop des Spiels: Willi Orban

Kurzer, aber fataler Auftritt: Führte zwei Zweikämpfe, verlor sie beide. Verursachte mit seiner Notbremse, für die er berechtigterweise die Rote Karte sah, früh einen entscheidenden Nachteil, von dem sich seine Kollegen nicht erholten.

Der Schiedsrichter: Daniel Siebert

War bereits in der Anfangsphase gefordert. Zeigte Orban für dessen Notbremse gegen Robben nach eigener Sichtung der TV-Bilder zu Recht die Rote Karte. Bei den persönlichen Strafen ansonsten zurückhaltend, zeigte etwa Thiago nach einer Grätsche keinen Karton. Kam ohne Verwarnung aus. Insgesamt mit einer angenehm zurückhaltenden Spielleitung.

Die Stimmen zum Spiel: 

Jupp Heynckes (Trainer FC Bayern München) ...

... zum Spiel: "Wir haben nach dem Pokalfight am Mittwoch sehr engagiert und motiviert begonnen. Wenn man nach 14 Minuten mit zehn Mann agieren muss, dann ist das natürlich ein Nachteil. Aber meine Mannschaft hat es sehr gut verstanden, das Spiel zu kontrollieren. Wichtig war, dass wir defensiv gut stehen und kein Gegentor zu bekommen. Natürlich hätten wir noch höheres Tempo gehen können, aber das ist primär nicht wichtig. Wir spielen am Dienstag wieder und haben schon drei Spiele in einer Woche gespielt. Die drei Punkte sind wichtig, deswegen ist es okay." 

... zur Verletzung von Robert Lewandowski: "Wir können noch nicht sagen, was er genau hat. Ich denke, dass es nicht ganz so schlimm ist. Das hat natürlich mit der Belastung der letzten Wochen zu tun. Er hat vorne auch zu wenig Unterstützung. Aber das sind Dinge, die wir uns erarbeiten müssen. Ich denke, dass die Verletzung nicht ganz so gravierend ist." 

David Alaba (FC Bayern München): "Die Rote Karte hat uns sicher in die Karten gespielt. Dann gehen wir 1:0 in Führung und sind zuhause nur ganz schwer zu schlagen. In der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen nachgelassen. Aber wir haben zu null gespielt, das war unser Ziel. Wir haben verdient gewonnen. Es war unser Ziel, dass wir wieder ganz oben stehen. In den nächsten Wochen wollen wir vorne bleiben. Unser ganz großes Ziel ist natürlich, dass wir am Ende der Saison ganz oben stehen." 

Jerome Boateng (FC Bayern München): "Wir haben sehr gut angefangen, und Leipzig hat früh eine Rote Karte bekommen. In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt und schnell zwei Tore gemacht. Damit war das Spiel fast gegessen. In der zweiten Halbzeit spielen wir ganz schlecht mit einem Mann mehr. Das müssen wir besprechen, das geht so nicht. Es ist ein toller Spieltag für uns, es ist gut für uns gelaufen. Nächste Woche haben wir ein sehr schweres Auswärtsspiel in Dortmund, da wird es gefährlich. Es ist besorgniserregend, wenn so viele Offensivspieler ausfallen. Wir hoffen, dass es bei Levy nicht so schlimm ist." 

Franck Ribery (FC Bayern München, zurzeit verletzt) ...

... zu seiner Genesung (vor dem Spiel): "Mir geht es sehr gut, ich kann schon wieder gut arbeiten. Am Montag gibt es ein neues Programm für mich. Ich hoffe, dass ich dann bald wieder laufen kann." 

... zu Trainer Jupp Heynckes (vor dem Spiel): "Wir haben mit Jupp in zwei Jahren viel gewonnen. Er gibt seinen Spielern viele Freiheiten. Es ist schön, dass er wieder bei uns ist. Alle sind glücklich." 

... zu RB Leipzig (vor dem Spiel): "Leipzig ist eine gute Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Sie sind stark im Konter und kommen schnell nach vorne." 

Ralph Hasenhüttl (Trainer RB Leipzig) ...

... zum Spiel: "In der Halbzeit hätte man eigentlich nach Hause gehen können, da war das Spiel eigentlich gelaufen. Wenn du innerhalb von vier Tagen das zweite Mal relativ schnell in Unterzahl gerätst, dann wird es irgendwann auch vom Kopf her schwer. Nach dem 2:0 war das Ding dann durch. Die Rote Karte war regelkonform, die kann er geben."

... zur Frage, was das Pokalspiel für das Ligaduell bedeute (vor dem Spiel): "Der Ärger war gar nicht so groß, das war nur sehr kurz nach dem Spiel. Heute ist es ein ganz anderes Spiel. Wir müssen wieder gegen den Ball gut stehen und dürfen keine Chancen zulassen. Je länger das Spiel geht, desto mehr wird es eine Frage des Willens werden. Hier hängen die Trauben ganz hoch, aber wir haben gezeigt, dass wir uns auch ganz schön strecken können." 
Oliver Mintzlaff (Vorstandsvorsitzender RB Leipzig) ...

... zum Rangnicks Handybeweis im Pokalspiel (vor dem Spiel): "Man kann nachvollziehen, dass wir nicht so ganz entspannt waren und Ralf Rangnick absoluten Gesprächsbedarf hatte. Ralf hat selber eingeräumt, dass es nicht richtig war auf den Platz zu gehen. Ralf sitzt auf der Tribüne und wollte den Schiri aufmerksam machen, dass wir mit den Entscheidungen in keinster Weise zufrieden sind. Im Nachgang hätte er vielleicht besser in den Katakomben gemacht. Grundsätzlich stehe ich aber hinter unserem Sportdirektor und finde es gut, dass er sich vor unsere Mannschaft stellt." 

... zur Situation vor dem Spiel (vor dem Spiel): "Wir waren zwei Tage frustriert über das Pokalaus. Natürlich wollen wir hier heute etwas mitnehmen und nicht mit null Punkten abreisen. Die Mannschaft hat Moral bewiesen und gezeigt, dass sie Mentalität hat. Das werden wir heute auch tun. Wenn wir alles auf den Platz bringen, dann kann es ein schöner Abend werden." 

... zu den Vertragssituationen von Trainer und Sportdirektor (vor dem Spiel): "Wir sind im Timing und bestimmen das auch selber. Da lassen wir uns von niemandem hetzen. Ganz klar ist, dass wir den Vertrag von Ralf Rangnick verlängern. Wir sind in guten Gesprächen. Ich gehe davon aus, dass ich das im November erledigt habe und wir Ralf Rangnick länger an uns binden werden. Irgendwann wird Ralf Rangnick dann auch mit Ralph Hasenhüttl sprechen. Es ist alles entspannt, und wir haben ein top Verhältnis. Der Trainer hat noch Vertrag bis 2019, und er fühlt sich bei uns pudelwohl. Ich mache mir keine Sorgen, dass Ralph Hasenhüttl mit einem anderen Verein flirtet." 

Diego Demme (RB Leipzig): "Wir haben uns viel vorgenommen. Nach der Roten Karte und dem Gegentor war das Spiel so gut wie entschieden. Wenn er letzter Mann ist, dann ist es regelgerecht und dann muss er die Rote Karte zeigen."