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Ermittler von Europol decken den wohl weltweit größten Wettbetrug auf

Champions League, WM- und EM-Qualifikation – die Fußballwelt ist erschüttert und wankt, denn Europol hat nach eigenem Bekunden den weltweit größten Wettbetrug aufgedeckt.

Den Haag.Und wieder wird die Fußballwelt in ihren Grundfesten erschüttert. Aktuell sind es Nachrichten aus Den Haag, die wohl für ein Erdbeben in der Fußballbranche sorgen werden. Die Ermittler von Europol wollen den weltweit größten Wettskandal aufgedeckt haben, in dem 380 Spiele verschoben sein sollen – bis hin zur Champions League, zur EM-Qualifikation und der WM-Qualifikation.

380 Spiele in der Schweiz, in Deutschland, der Türkei, der Champions League und der WM/EM-Qualifikation

Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben den weltweit größten Wettskandal der Fußball-Geschichte aufgedeckt. Europol gab am Montag in Den Haag bekannt, dass es sich um 380 manipulierte Spiele handeln soll - auch Deutschland soll betroffen sein. Dazu sollen Partien aus der Türkei, der Schweiz, aus Spanien, Großbritannien, den Niederlanden, der Champions League sowie der WM- und EM-Qualifikation gehören. „Für uns steht fest, dass es sich um den größten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt“, sagte Europol-Direktor Rob Wainwright. In den Fokus geraten sind diverse Spiele der WM- und EM-Qualifikation, zwei Partien der Champions League und diverse Spiele der Europa League. Der Großteil von 300 Spielen soll außerhalb Europas in Asien, Afrika, Süd- und Zentral-Amerika verschoben worden sein.

425 Spieler, Schiedsrichter und Offizielle in Betrug verwickelt

Insgesamt sollen 425 Spieler, Schiedsrichter und weitere Offizielle involviert sein. Durch die Manipulationen in 15 Ländern sollen die Betrüger acht Millionen Euro verdient haben. Diese Summe sowie zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern wurden von den Behörden sichergestellt. Europol geht davon aus, dass es sich dabei aber nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Das kriminelle Netzwerk soll laut Europol von Singapur aus gesteuert werden.

Das ist das Ergebnis der Ermittlungen von Polizeiteams aus 13 Ländern, die gemeinsam an diesem Fall arbeiten. Dabei wurden bisher unter anderem 13.000 Telefongespräche und E-Mails untersucht, auch V-Leute wurden eingesetzt.

50 Personen bereits in Haft und kein Ende in Sicht

Die vermuteten Wettmanipulationen, sagte Rob Wainwright, werden nur die Spitze eines riesigen Betrugs-Eisberges sein. Im Zuge der Manipulationen wurden weltweit bereits mehr als 50 Personen inhaftiert, die Mitglieder eines gigantischen kriminellen Netzwerkes sein sollen. Man darf also gespannt sein, was in den kommenden Tag noch geschieht.

Wainwright entsetzt und traurig über die Erkenntnisse

„Dies ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball! Es gibt gesicherte Erkenntnisse, dass es erneut starke Einflussnahmen der organisierten Kriminalität auf den Fußball gab. Trotzdem zeigt der Fall auch auf, dass die Kooperation der europäischen Behörden intakt ist und wir erfolgreich gegen die Kriminalität kämpfen. Die Aufgabe von Europol ist, grenzüberschreitend Kriminalität da zu bekämpfen, wo sie auftaucht. Leider umfasst das auch den Bereich des Fußball, wo auf illegale Weise Profite erzeugt werden sollen“, sagte der Direktor von Europol, Rob Wainwright, der Presse. Er teilte ebenso mit, dass Michel Platini, Präsident der UEFA, über die Ermittlungsergebnisse unterrichtet werde.

Die Untersuchungen laufen weiter

Der vom Bochumer Landgericht abgehandelte Skandal um den Wettpaten Ante Sapina, bei dem es sich um 51 manipulierte Spiele gehandelt hat, ist in den Zahlen von Europol bereits enthalten. „Aus deutscher Sicht war das zum Großteil ein Fazit unserer Ermittlungen. Von neuen Fällen weiß ich derzeit nichts", sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek dem Sport-Informations-Dienst (SID). Bienioßeks Kollege Andreas Bachmann, der in Den Haag vor Ort war, wies allerdings darauf hin, dass bei den derzeit untersuchten Fällen unter anderem deutsche Sportler „die Leidtragenden" seien.

Es wird schlimmer

„Das Problem wird immer größer, weil immer mehr kriminell veranlagte Leute erkennen, dass sie mit geringem Risiko viel Geld verdienen können. Es gibt mittlerweile Täter, die wechseln vom Drogenhandel zu den Manipulationen", sagte der für Deutschland zuständige Bochumer Kriminalhauptkommissar Friedhelm Althans: „Bei den 300 Spielen, die derzeit untersucht werden, geht es zu 90 Prozent um Spiele außerhalb Europas. Dazu gehören zwei WM-Qualifikationsspiele in Afrika und eines in Mittelamerika."

Laut Althans setzen die Kriminellen bis zu 100.000 Euro für die Bestechung von Spielern und Schiedsrichtern pro Partie ein. „In 150 Fällen haben wir dafür Beweise", sagte der Beamte: „An einer Manipulation waren beispielsweise 50 Leute aus 10 Ländern beteiligt. Legale Fußballwetten kommen niemals an den Umsatz, wie ihn die Kriminellen aus Asien organisieren, heran. Die Spieler sind dabei nur die Hilfsarbeiter."

Reaktion von Bierhoff

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte am Montag zunächst zurückhaltend auf die Meldungen aus Den Haag. „Im ersten Moment ist es schockierend, aber es sind noch keine offiziellen Zahlen. Für mich als Offizieller ist es wichtig, diese zu erhalten", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff: „Wenn die Zahl echt wäre, wäre es natürlich beängstigend."

Die UEFA erklärte, dass sie sich über das Manipulations-Problem „im Klaren" sei und den Bericht von Europol in den kommenden Tagen erwarte. „Im Kampf gegen Manipulationen arbeitet die UEFA bereits mit den verschiedenen Behörden zusammen. Das ist Teil unsere Null-Toleranz-Politik in diesem Bereich", hieß es in einer Mitteilung: „Wenn wir die Details des Berichts erhalten, werden unsere zuständigen Disziplinar-Organe die notwendigen Schritte prüfen."

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