Schon wieder nichts Positives: FIFA feiert ihr Anti-Doping-Programm

Die FIFA hat ihr Anti-Doping-Programm am Montag über den Klee gelobt. Natürlich gab es auch bei der WM wieder keine positive Dopingprobe. Experten schütteln darüber nur den Kopf.

Rio de Janeiro. Schon wieder nichts Positives: Der Fußball-Weltverband FIFA hat am Montag sein Anti-Doping-Programm in den höchsten Tönen gelobt - und natürlich gab es auch während der laufenden WM keinen einzigen Dopingfall.

Chefmediziner Jiri Dvorak und Michel D'Hooghe, der Vorsitzende der medizinischen Kommission der FIFA, platzten bei der Präsentation der Zahlen am Montag fast vor Stolz: Sämtliche 777 Trainingskontrollen, die seit März im Vorfeld der WM entnommen wurden, sowie die 232 Wettkampfkontrollen während der Endrunde seien negativ ausgefallen. Auch mit dem zuvor kritisch beäugten Transport der Proben ins Doping-Labor nach Lausanne habe es keinerlei Probleme gegeben.

Sollte in den Halbfinals und Finals kein positiver Test mehr auftauchen, wäre es die fünfte WM in Folge ohne Dopingfall. Für den letzten hatte Superstar Diego Maradona 1994 in den USA gesorgt.

Erst auf Nachfrage offenbarten die Bosse die erste große Schwachstelle des Systems: Es gab während der WM-Endrunde in Brasilien keine einzige unangekündigte Kontrolle abseits der Spiele. "Dabei ist das natürlich das Entscheidende", sagte Dopingexperte Fritz Sörgel: "Natürlich funktioniert Doping auch zwischen den Spieltagen. EPO in Niedrigdosierung oder geschickt gemischt, ist nur ein paar Stunden nachweisbar und damit ein gewaltiges, ungelöstes Problem."

"Es gibt keine Dopingkultur"

Das Gesamtprogramm der FIFA kann der Nürnberger Pharmakologe nicht ernst nehmen. "Es gibt kein unabhängiges Beobachterprogramm. Wenn sie alles in Eigenregie machen und keine externe Kontrolle zulassen, ist das alles hinfällig", sagte Sörgel am Montag: "Dass ausgerechnet in diesem Verband in diesem sensiblen Bereich alles mit rechten Dingen zugeht, kann mir niemand erzählen."

In der Tat halten die FIFA und ihre "Anti-Doping-Stelle", geleitet von Dvorak, alle Fäden in Brasilien fest in der Hand. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ist bei dem Turnier völlig außen vor. D'Hooghe irritierten am Montag Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Systems. "Wir machen das hier mit der größten ethischen und medizinischen Sorgfalt. Ich werde nie sagen, dass es im Fußball kein Doping gibt, aber es gibt keine Dopingkultur."

Auch Dvorak traf am Montag eine gewagte Aussage. Er betonte, im Fall des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes seien "keine Fußballer involviert". Fuentes selbst hatte das Gegenteil behauptet und schon vor seiner Verurteilung zu einem Jahr Haft auf Bewährung im April 2013 gesagt: "Man kann den Kampf gegen den Fußball nicht gewinnen, der ist zu mächtig." Bis heute kämpfte die WADA vergeblich um die Herausgabe der bei Fuentes sichergestellten Blutbeutel durch die spanische Justiz.

De Maiziere beurteilt die Thematik kritisch

Gegen Kritik verwahrte sich die FIFA am Montag vehement, vor Dvoraks Attacken war selbst der Bundesinnenminister nicht sicher. "Herr de Maizière hat mich persönlich angegriffen, das ist mir noch nie passiert", sagte Jiri Dvorak auf der täglichen Pressekonferenz der FIFA. De Maizière hatte die Kontrollen der FIFA als unglaubwürdig bezeichnet.

Der Tscheche nannte die Anmerkungen des Misters "unverantwortlich". Er könne sich die Aussagen allein dadurch erklären, dass sie "in der Hitze des Gefechts" gefallen seien. Er lade de Maizière ein, sich die "richtigen Informationen zu holen". Nach der Pressekonferenz bat Dvorak die anwesenden Journalisten, seine Worte doch bitte abzuschwächen. Das Wort "unverantwortlich" sei vielleicht ein wenig zu hart gewesen.

Thomas de Maizière hatte vor einer Woche in einem Gespräch mit dem SID die Anti-Doping-Maßnahmen der FIFA sehr kritisch beurteilt. "Es fällt auf, dass es keine positiven Dopingfälle gibt - trotz der Hitze, trotz des begeisternden Fußballs", sagte er und fügte hinzu: "Schon die Wahrscheinlichkeit und die Analogie zu großen Sportereignissen spricht dagegen." Zudem hatte er die FIFA als "insgesamt reformfähig und reformbedürftig" bezeichnet.