Die Helden der WM-Teilnehmer – Kameruns Roger Milla: Der älteste WM-Spieler und Torschütze

Jede Nationalmannschaft hat ihre Helden. Spieler, bei denen man sich an besondere Situationen erinnert. Spieler, die für den Nachwuchs ihres Landes zu Vorbildern wurden. Spieler, die durch besondere Leistungen auch nach ihrem Karriereende nicht in Vergessenheit geraten sind. Bis zur WM in Südafrika ist es nun nicht mehr weit und Goal.com stellt Euch die Helden der Teilnehmer vor. Kein Spieler prägte die WM-Geschichte von Kamerun so sehr wie Roger Milla.
Montpellier. Roger Milla war der Star des afrikanischen Fußballs in den 80er und 90er Jahren. Obwohl er während seiner Zeit in Frankreich phasenweise nur schwer Fuß fassen konnte, war er für Kamerun das Um und Auf und verhalf den „unbezähmbaren Löwen“ zu  zahlreichen Erfolgen. Vor allem bei den Weltmeisterschaften verzückte er die Zuseher mit seinen atemberaubenden Dribblings und wurde weltweit zum Superstar des „schwarzen Kontinents“.

Afrikas bester Fußballer der letzten 50 Jahre

Nachdem Roger Milla 1973 zum Fußballer des Jahres in Afrika gekürt wurde, versuchte er sein Glück in Europa. Doch Verletzungen und mangelnde Disziplin waren mitunter Gründe, warum ihm in seinen Anfangsjahren der Durchbruch nicht gelingen konnte. In der Ligue Un konnte er sich nie so richtig durchsetzen, aber mit seinen wichtigen Toren verhalf er sowohl AS Saint Etienne wie HSC Montpellier zum Aufstieg, kehrte er noch einmal in die höchste Spielklasse zurück und beendete dann aber seine Vereinskarriere. In der Nationalmannschaft sollten seine größten Momente noch folgen und nachdem er Kamerun zu ungewohnten Erfolgen verhelfen konnte, wurde er von der CAF zum besten afrikanischen Spieler der letzten 50 Jahre gewählt.

Millas Kamerun als erstes afrikanisches Team im Viertelfinale

Die Länderspielkarriere des Stürmers begann 1978, doch wie schon vorher erwähnt, sollten seine erfolgreichsten Auftritte erst nach seinem eigentlichen Karriereende folgen. Die WM 1990 in Italien sollte nicht nur für Milla und Kamerun ein erfolgreiches Turnier werden, denn auch für Afrika war es ein Riesenerfolg, dass eine Mannschaft es erstmals ins Viertelfinale schaffte. Milla beendete seine Karriere ein Jahr zuvor und wurde gebeten sein Land noch einmal bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten. Der 38-Jährige stimmte zu und wurde zum Helden der ganzen Nation. Zwar fungierte er meistens als Einwechselspieler, schoss aber dennoch im Verlauf des Turniers vier Tore und wurde damit zum ältesten Torschützen einer Weltmeisterschaft. Beim 2:1 Sieg gegen Kolumbien im Achtelfinale wurde er dann zum großen Star, als er mit seinen zwei Treffern das Spiel beinahe im Alleingang entschied und er Kamerun als erstes afrikanisches Team ins Viertelfinale führte. Gegenüber Rund bestätigte Milla, dass dieses Spiel das wichtigste seiner Karriere war: „Das bedeutendste Spiel meines Lebens? Da muss ich wirklich nicht lange überlegen, es ist auch mein bekanntestes gewesen. An das Match mit meiner Nationalelf bei der Weltmeisterschaft 1990 im Achtelfinale gegen Kolumbien wird man sich immer erinnern, wenn mein Name fällt.“ Im Viertelfinale gab es eine knappe 2:3 Niederlage gegen England, aber dennoch überwiegt die Freude nach dieser einzigartigen Errungenschaft. Milla wurde zu Afrikas Fußballer des Jahres gekürt und die Leistungen von Kamerun, genauso wie die der ägyptischen Nationalelf bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, veranlassten die FIFA dazu, bei zukünftigen Endrunden drei afrikanische Nationalteams teilnehmen zu lassen.

Mit 42 bei einer WM-Endrunde

Kamerun konnte sich erneut für die kommende WM qualifizieren und Roger Milla war wieder im Team und dieses Mal bereits 42 Jahre alt. Der „alte Mann“, der auch durch seinen Makossa-Tanz um die Eckfahne für Aufsehen sorgte, sollte diesen auch noch  bei der Weltmeisterschaft in den U.S.A. aufführen. Kamerun konnte den Erfolg der letzten WM nicht wiederholen und musste sich bereits in der Vorrunde verabschieden, doch der Stürmer konnte erneut einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Beim 1:6 Debakel gegen Russland konnte er zwei neue Rekorde aufstellen, indem er neben dem ältesten Spieler auch zum ältesten Torschützen einer Weltmeisterschaft wurde.

Botschafter für Kamerun

Milla, der zur FIFA 100, einer zum hundertjährigen Geburtstag der FIFA herausgegebenen Liste mit den 125 besten beim Jubiläum noch lebenden Fußballspielern, zählt, zeichnete sich immer durch seine Großzügigkeit und Menschlichkeit aus und widmet seine Zeit nun afrikanischen Belangen. Als Botschafter für sein Land Kamerun und die Vereinigung UNAIDS, ist er auch sehr bemüht, dass sein geliebter Kontinent in diesem Jahr bereit ist, der Welt zu zeigen, dass man in der Lage ist eine WM auszurichten. „In meiner Rolle als Botschafter ist es mein Ziel zu zeigen, dass Afrika dazu in der Lage ist, eine Weltmeisterschaft zu organisieren, die genau so schön wie die vorherigen ist“, so die Legende Kameruns gegenüber fifa.com. Diesen Worten kann man sich nur anschließen und man kann hoffen, dass vielleicht wieder ein Spieler wie damals Rogar Milla die Fußballwelt verzaubert.