Die WM-Trainer - Nigerias Lars Lagerbäck: Neues Team, neues Glück

Ein unterkühlter Schwede als Trainer der extrovertierten Super Eagles – geht das gut? Der Landesverband jedenfalls sah sich nach dem schlechten Abschneiden beim Afrika Cup gezwungen, den Posten des Übungsleiters kurz vor der WM zu überdenken.

Abuja. Damit hätte Lars Lagerbäck vor nicht allzu langer Zeit sicher nicht gerechnet. Das Schwedische Urgestein scheiterte mit seinem Heimatland an der Qualifikation zur WM 2010. Doch wenn im Sommer der Ball in Südafrika rollt, wird Lagerbäck trotzdem an der Seitenlinie stehen. Aber es gibt immer zwei Seiten der Medaille: Zuvor musste sein Vorgänger Shaibu Amodu den Posten als Nationaltrainer Nigerias räumen. Und das, obwohl Amodu die Qualifikation gepackt hatte.

Als Spieler nie erfolgreich

Aber fangen wir von vorne an. Als Spieler kam Lagerbäck nie zu großen Ehren und über die dritte Liga nicht hinaus. Nach seinem Karriereende als Aktiver wurde Kilafors IF 1977 seine erste Trainerstation. Über Arbra BK und Hudiksvalls ABK kam Lagerbäck zum Schwedischen Verband und trainierte ab 1990 diverse Jugend-Auswahlmannschaften. Damit ging er eine Ehe ein, die 22 Jahre lang halten sollte.

Starkes Duo mit Söderberg

Lagerbäck arbeitete sich in der Hierarchie immer weiter nach oben und gelangte über die B-Mannschaft 1997 zum Assistentenjob neben Tommy Söderberg. Drei Jahre später war auch diese Grenze überschritten: Lagerbäck und Söderberg bildeten ab 2000 ein gleichberechtigtes Duo. Vor allem spielerisch versuchten beide, das Team nach vorne zu bringen und schafften die Qualifikation zur WM 2002 und 2006, sowie zur EM 2004.

„Fühle mich geehrt“

„Ich liebe diesen Job, und er macht mir immer noch sehr viel Spaß. Ich bin sehr dankbar dafür und fühle mich geehrt, ihn so lange ausüben zu dürfen,“ erklärte Lagerbäck anno 2007 anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums als Trainer der schwedischen Nationalmannschaft gegenüber FIFA.com. Amtsmüde wurde Lagerbäck nie, obgleich ihm nicht immer nur Zustimmung entgegen kam. Denn trotz Spielern wie Zlatan Ibrahimovic oder Fredrik Ljungberg gelang nicht der große Wurf.

„Ich hatte noch nie einen Vertrag gebrochen“

Enttäuschung machte sich in der Heimat breit nach dem enttäuschenden Turnier 2006 in Deutschland. Gegen die Gastgeber verlor Schweden im Achtelfinale mit 0:2, doch Lagerbäck selbst zeigte sich nur wenig betroffen. Die Medien griffen seine Haltung auf und nicht wenige forderten seinen Rücktritt. „Ich hatte bereits einen Vertrag bis 2008 unterzeichnet. Bis dahin hatte ich noch nie einen Vertrag gebrochen und hatte das auch nicht vor.“ Er blieb also und qualifizierte sich mit Schweden für die EM 2008. Damit hatten die Nordeuropäer zum ersten Mal in ihrer Geschichte an fünf Turnieren in Folge teilgenommen. Die Kritik verstummte, Lagerbäck verlängerte bis 2010.

An der Qualifikation gescheitert

Als eine der größten Stärke konnte Lagerbäck immer die Konstanz in seiner Arbeit mit immer dem selben Personal nennen. „Wir müssen die Spieler in- und auswendig kennen, und das ist eben erst nach einiger Zeit möglich. Ich glaube, dass jeder davon profitiert: Spieler, Trainer und Betreuerstab. Wenn wir zusammenkommen, weiß jeder, was er vom anderen zu erwarten hat.“ Doch die Qualifikation zur WM 2010 sollte seine Letzte mit Schweden sein. Hinter Dänemark und Portugal belebten die „Tre Kronors“ nur den dritten Platz und dürfen die WM nur vom Fernsehsessel aus verfolgen.

An der Qualifikation gescheitert

Im Falle eines Scheiterns hatte Lagerbäck angekündigt, wolle er zurücktreten. Er hielt sein Versprechen und nahm nach dem letzten Spiel gegen Albanien seinen Hut. Der Name Lagerbäck ist und bleibt eng mit Schweden umschlungen, doch schon früher konnte er sich vorstellen, eine andere Nationalmannschaft als die seines Heimatlandes zu übernehmen: „Vielleicht, warum nicht? Das würde natürlich vom jeweiligen Land abhängen, aber wenn es interessant wäre, würde ich es auf jeden Fall in Erwägung ziehen.“ Da kam das Angebot Nigerias genau zur richtigen Zeit.

Super Eagles fliegen auf Lagerbäck

Die Super Eagles waren im Africa Cup im Januar im Halbfinale gescheitert. Shuaibu Amodu, der Nigeria zur WM 2010 geführt hatte, musste nur ein halbes Jahr vor dem großen Event in Südafrika gehen. Lagerbäck war auf dem Markt und neben Namen wie Guus Hiddink ein heißer Kandidat. Der Verband Nigerias entschied sich letzten Endes für den inzwischen 61-jährigen und beschert dem „ewigen Schweden“ seine dritte WM-Teilnahme nach 2002 und 2006. Doch Lagerbäck trifft bei den Super Eagles auf gänzlich unbekanntes Spielermaterial. Also eine Situation genau entgegen den Vorstellungen des Mannes, der in Schweden fast zwölf Jahre lang regierte und sein Personal lange im Vorfeld sichtete.

Eis trifft auf Feuer

Nimmt man die Kurzschluss-Entscheidung des Verbandes zum Maßstab, dann könnte die Amtszeit Lagerbäcks in Nigeria genau so schnell enden, wie sie angefangen hatte. In der Gruppe D treffen die Afrikaner auf Argentinien, Griechenland und Südkorea. Das Weiterkommen ist machbar. Und sollte sich Lagerbäck nicht wieder einen neuen Job suchen wollen, dann ist die KO-Runde sogar Pflicht. Ein Schwede im emotionalen Umfeld Nigerias? Eis trifft auf Feuer. Ob das gut geht? Wir werden es sehen.

Eure Meinung: Kann Lagerbäck mit Nigeria Großes bei der WM erreichen?