Weltklasse-Trainer Guus Hiddink und die Türkei

Trotz Erreichen der Play-Off-Runde steht der Trainer der Türkei weiterhin in der Kritik.

Ankara. Als die Türkei sich bei der EM 2008 bis ins Halbfinale durchkämpfte und dort gegen Deutschland zumindest spielerisch überzeugte, sah Guus Hiddink das Potenzial der Türkei und wollte die Mannschaft bis an die Spitze führen.

Handschrift nicht zu erkennen

Drei Jahre später muss sich Hiddink, schließlich Trainer von Weltformat, von seinen Kritikern die Vorwürfe gefallen lassen, man sähe keine Spielkultur und es sei keine Handschrift von ihm zu erkennen. Oft wirkte der Niederländer eher passiv und emotionslos am Spielfeldrand und die Interviews nach den Spielen erweckten den Eindruck, dass das „Projekt Türkei“ ihn nicht mehr hundert Prozent motiviere. Pikantes Detail hierbei ist nämlich, dass Hiddink vor einiger Zeit vom FC Chelsea ein Angebot bekam, der türkische Verband allerdings keine Freigabe erteilte.

Erste Elf

Ein Großteil der Türken bemängelte zudem die Startelf in den Qualifikations-Spielen. Es wurde teilweise auf Spieler gesetzt, die in ihren Mannschaften nicht einmal Stammspieler waren. Stattdessen schmorte ein gestandener Spieler wie Mehmet Topal, der bei Valencia unter Vertrag steht und regelmäßig ordentliche Spiele abliefert, oft auf der Bank. Auch andere Spieler, die schon im Spielbetrieb waren und somit eher „im Saft“ standen, waren außen vor.

Das Spiel gegen Deutschland

Gegen Deutschland, die wie so oft erneut Anwärter auf den nächsten Titel sind, aktuell jedoch mit jungen Talenten sogar spielerisch überzeugen können, gab es trotz Heimvorteil erneut eine Niederlage (1:3) für die von Guus Hiddink trainierte Mannschaft. Während die Fußballwelt Deutschland und Joachim Löw beneidet, werden die Kritiker vom Niederländer immer lauter.

„Hilfe“ von Özil und Löw

Ein klares Konzept oder fußballerische Dominanz war auch im letzten Qualifikations-Spiel gegen Aserbaidschan nicht zu erkennen, jedoch konnte man das Spiel durch einen glanzlosen Sieg (1:0) sichern. Dank der Schützenhilfe Deutschlands im Heimspiel gegen Belgien und dem sehenswerten, wichtigen ersten Tor des „verlorenen Sohns“ Mesut Özil wurde das türkische Team auf der Zielgeraden doch noch Zweiter in der Gruppe A. Zudem kam der Türkei entgegen, dass Jogi Löw als Zielsetzung angab, alle Spiele in der Gruppe gewinnen zu wollen und somit auch das letzte Spiel gegen Belgien ernst genommen wurde. Erst durch Deutschlands Sieg konnte die Türkei von Platz drei auf zwei in der Gruppe rutschen, was zumindest die Qualifikation zu den Play-Offs bedeutete.

Erfolg auf Kosten der Attraktivität

Es gibt so einiges, das sich der Nationaltrainer der Türkei anhören muss, jedoch kann man ihm nicht vorhalten, dass die Mannschaft in der Qualifikations-Gruppe A trotz unansehnlichem Fußball zumindest den zweiten Platz sicherte. Alles wurde der erfolgreichen Qualifikation untergeordnet. Man muss nämlich bedenken; die Türkei glänzte nicht damit, wie andere Nationen, quasi einen Freifahrtschein für Turniere zu besitzen, sondern quält sich regelmäßig gegen die „Fußballmächte“ wie Moldawien oder Aserbaidschan.

Viel Luft nach oben

In den Playoff-Spielen heißt der Gegner nun Kroatien. Geht es nach den Buchmachern, so ist die kroatische Nationalmannschaft leicht im Vorteil. Allerdings muss man anmerken, dass die Türkei noch viel Luft nach oben hat. Wichtige Leistungsträger wie Hamit Altintop oder Nuri Sahin sind noch nicht fit oder haben erst vor kurzem Verletzungen auskurieren können. Fußballerisch kann es sowieso nur noch besser werden.

Erfolgreiches Turnier 2012?

Sollte man sich gegen die Kroaten durchsetzen und das Ticket für die EM 2012 in Polen und der Ukraine sichern, so hat man bei einer Steigerung der Mannschaftsleistung, der bestmöglichen Elf und mit Hiddink als Trainer, der bei aller Kritik in Turnieren auch mit schwachen Teams Erfolg hatte, die Möglichkeit, erneut ein gutes Turnier zu spielen wie bei der WM 2002, als man überraschend Dritter wurde und eben bei der EM 2008, als man im Halbfinale gegen Deutschland ausschied.

Eure Meinung: Ist Hiddink der richtige Trainer für die Türkei?

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