Juventus Turin im Umbruch – ein Zwischenfazit

Lange Zeit lief es für Juventus Turin in der Serie A (überraschend) gut, ehe zwei heftige Niederlagen gegen Parma und Napoli einen Rückschlag bedeuteten. Die Elf von Luigi del Neri musste viele Schwierigkeiten meistern, spielt aber dennoch eine überzeugende Saison des Umbruchs. Wir wagen eine Bestandsaufnahme.
Turin. Man ist bescheiden geworden bei Juventus Turin: Kein Offizieller oder Spieler gab vor der Saison das Saisonziel „Scudetto“ aus. Nach der verkorksten Vorsaison, inklusive des Verpassens der Champions League, sollte mit dem neuen Führungstrio Andrea Agnelli/Beppe Marotta/Luigi del Neri der Kader erneuert und breiter aufgestellt werden. Sportlich wurde die Qualifikation für die Königsklasse als Maxime ausgerufen. Nach einem bärenstarken Herbst mit 13 Spielen zwischen September und Dezember ohne Niederlage, träumten dann doch die ersten mehr oder weniger offen von der Meisterschaft. Das Zwischentief rund um die Jahreswende war ein Dämpfer. Nun wird sich in den kommenden vier Partien zeigen, wo die Reise hingeht.


Sportdirektor Giuseppe Marotta mit Juve-Ikone Pavel Nedved

Udinese, Palermo und Inter warten

In der Tabelle rangiert der Rekordmeister derzeit auf Rang sechs. Der Rückstand auf Spitzenreiter AC Milan beträgt neun Zähler. Das ist schon ordentlich, doch es geht eng zu im oberen Tabellendrittel. Und nun, da die Dominanz von Inter Mailand gebrochen ist, scheint im Land des vierfachen Weltmeisters nichts mehr unmöglich. Der Spielplan hält für Juven nun zunächst ein Heimspiel gegen Udinese Calcio bereit. Ein ganz gefährlicher Kontrahent, der in überragender Verfassung antritt, wie Inter am vergangenen Wochenende schmerzhaft erfahren musste. Es folgen ein nicht minder unbequemer Gegner US Palermo und eine Pflichtaufgabe auf Sardinien bei Cagliari Calcio, ehe die „Nerazzurri“ zum „Derby D’Italia“ ins Turiner Olympiastadion kommen.

„Die Königsklasse ist unser Ziel“

Zehn Punkte aus diesen Partien sind Pflicht, wenn der Blick in der Tabelle weiter nach ganz oben gerichtet werden soll. Abwehrchef Giorgio Chiellini stellte aber bereits am vergangenen Wochenende klar: „Scudetto oder der vierte Platz? Als es wirklich gut für uns lief, haben wir an den großen Wurf geglaubt, es erschien nicht unmöglich. Jetzt sind gewisse Dinge passiert und wir streben nun die Champions League an. Das sollte unser Primärziel für den Rest der Saison sein.“


Leistungsträger und Leitwolf: Innenverteidiger Giorgio Chiellini

Glücksgriff Quagliarella wird schmerzlich vermisst

Ein Faktor, der die Spielzeit der „Bianconeri“ maßgeblich beeinflusst, ist das massive Verletzungspech. Luigi del Neri konnte selten zweimal in Serie dieselbe, geschweige denn seine Wunschformation aufbieten. Aktuell stehen ihm sechs Spieler nicht zur Verfügung. Darunter Stürmer Fabio Quagliarella, der wegen einer schweren Knieverletzung bis zum Saisonende passen muss. „Q18“, der auf den letzten Drücker von Napoli geholt worden war, wurde in Turin skeptisch begrüßt. Die Fans hatten auf ein ganz großes Kaliber im Sturm gehofft, Edin Dzeko oder Karim Benzema schwebten ihnen vor. Dann wurde es doch die eher kleine Lösung, die sich aber als Volltreffer erwies: Quagliarella erzielte in 17 Spielen neun Tore und mit seiner wuseligen Spielweise war er eine Bereicherung für das Offensivspiel Juves.

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Del Neris Handschrift ist sichtbar

Eben dieses Offensivspiel, das im Vorjahr unter Ciro Ferrara und Alberto Zaccheroni so lahmte, funktioniert nun deutlich besser. Del Neri hat der Mannschaft eine Handschrift verpasst. Alberto Aquilani als Spiritus Rector im zentralen Mittelfeld und Milos Krasic als nimmermüder Flügelflitzer erwiesen sich dabei als Glücksgriffe. So stellt Juve in dieser Saison den zweitbesten Angriff der italienischen Eliteliga. Zum Vergleich: Im Vorjahr rangierten die Turiner in dieser Kategorie lediglich auf Platz fünf.


Alberto Aquilani fand in Turin zur Römer Form zurück

Das Sieger-Gen ist noch nicht komplett zurück

In den erfolgreichen Jahren vor dem Zwangsabstieg waren es aber vor allem drei Punkte, die Juve zu einer Macht machten: Disziplinierte Defensivarbeit, spielerische Finesse und eine echte Siegermentalität. Vor allem der dritte Aspekt ist nicht über Nacht zu erlernen. Auch deswegen betont Gigi del Neri stets, dass er sein Engagement in Turin als langfristige Aufgabe ansieht. Der Weg zur Rückkehr an die absolute wird gerade bereitet und mit Gianluigi Buffon, der endlich wieder fit ist, Giorgio Chiellini, Alessandro del Piero und Felipe Melo hat Juve bereits Spieler, die die richtige Richtung vorgeben.

Der Kader muss weiter aufgefrischt werden

Auf einer richtigen Tendenz darf sich allerdings Niemand ausruhen, sonst verpufft der Aufschwung schnell als Strohfeuer. Der Kader bedarf weiterhin punktueller Verstärkungen. Vor allem auf beiden Außenverteidigerpositionen, der linken Seite und im Sturmzentrum ist noch frisches Blut vonnöten.

Eure Meinung: Was ist für Juventus Turin in dieser Saison drin? Wie bewertet Ihr den bisherigen Saisonverlauf?