Joan Laporta, der „katalanische Kennedy“ im Porträt

Joan Laporta gilt als hochintelligent. Als einer, der sich hohe Ziele setzt, und diese auch realisiert. 2003 trat er als krasser Außenseiter zur Wahl um den Präsidentschaftsposten beim FC Barcelona an – und gewann! Im Juni 2010 muss er sich zurückziehen, doch sein neues Ziel steht schon fest: Regierungschef Kataloniens!
Barcelona. Sein Selbstbewusstsein ist durch nichts zu erschüttern. Er ist vollends überzeugt von sich und seinen Qualitäten. Der gelernte Anwalt Joan Laporta ist seit sieben Jahren der uneingeschränkte Herrscher beim FC Barcelona.

16. Juni 2003: Laporta startet durch

Dabei ging er am 16. Juni 2003 gegen den Publizisten Lluis Bassat als eindeutiger Außenseiter in die Präsidentschaftswahl der „Blaugrana“. Nicht nur die Medien waren damals der festen Überzeugung, dass Bassat beim mittlerweile 19-maligen spanischen Champion an die Macht gelangt. Mit einem Altersunterschied von 21 Jahren brachte dieser schließlich viel mehr Erfahrung und Verbindung zum Etablishment mit sich als sein weitgehend unbekannter Herausforderer. Der einflussreiche Publizist sollte es sein, der den verschuldeten Verein wieder in geordnete Bahnen lenkt, und kein anderer.

Doch die breite Öffentlichkeit machte die Rechnung ohne den als hochintelligent geltenden Laporta. Mit einem gezielten Konsolidierungskonzept schaffte es der 40-Jährige viele der stimmberechtigen Barça-Mitglieder von sich und seinen visionären Vorstellungen zu überzeugen. Vorstellungen, welche nicht lange Schall und Rauch bleiben sollten.

Unpopuläre Entscheidungen

Laporta, aufgrund seines charmanten Lächelns auch „katalonischer Kennedy“ genannt, gelang es auf beeindruckende Art und Weise den hochverschuldeten „Stolz Kataloniens“ zu sanieren. Er war zu Beginn seiner Ära ein äußerst unbequemer Präsident, einer der unpopuläre Entscheidungen zu Fällen wusste. Einer, der gezielt ohne Widerrede fokussiert an seinem Plan arbeitete. Dem Plan, den FC Barcelona wieder zu einem gesunden und in weiterer Folge erfolgreichen Klub zu formen.

So wurde der 102-köpfige Vorstand nach dem Motto „zu viele Köche verderben den Brei“, von Laporta drastisch verkleinert, neue Hierarchien strukturierten von nun an den Verein. Und auch in der sportlichen Belange bewies der „Revolutionär“ zusammen mit Sportdirektor Txiki Begiristain ein gutes Händchen, indem das Duo beispielsweise den Niederländer Frank Rijkaard als Coach des Klubs installierte. Dieser wurde gezielt nach der Philosophie des Klubs, stets offensiven Fußball zelebrieren zu wollen, ausgesucht. Zudem wurden Spieler wie der Brasilianer Ronaldinho an Land gezogen, welche dieses System zusammen mit den Eigengewächsen wie Puyol, Xavi und Iniesta in Perfektion umzusetzen wussten, und auch in Titel.

Misstrauensvotum abgeschmettert

So wurde 2006 der Champions-League-Titel nach Jahren der internationalen Tristesse wieder in die katalonische Metropole geholt. Erfolge, die das Standing des einst, aufgrund seiner unpopulären und oft teils überharten Entscheidungen, oft kritisierten Laportas erheblich zu verbessern wussten.

Doch eine Amtszeit dieser Sphären verläuft nie in Ruhe. So mischten sich in die Erfolglosigkeit der Jahre 2007 und 2008 des Öfteren Stimmen, Laporta würde den Klub zu politischen Zwecke benutzen. Doch statt dies abzustreiten, untermauerte der extrovertierte Anwalt diesen Vorwurf überraschend, nicht ohne jedoch ein Gegenargument vorzubringen: „Dies tun die Anderen auch. Katalonien darf zum Beispiel nicht mit einer eigenen Nationalelf an offiziellen Wettbewerben teilnehmen, weil Spanien diese Möglichkeit politisch mit seinem Veto blockiert.“ Der Mann, der 2008 ein Misstrauensvotum einer nicht unbedeutenden Mitgliederanzahl aufgrund des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs für eigene Interessen schadlos überstand, entgegnete weiter: „Als Barça-Präsident habe ich keine Parteipolitik betrieben. Aber ich habe den Verein immer als ein Mittel betrachtet, die Interessen und Freiheiten Kataloniens zu verteidigen.“

Vision: Katalonien von Spanien abgrenzen

Genau dies will sich Laporta nach seiner zweiten Amtszeit, die im Juni 2010 endet, zu Nutze machen. Denn der Visionär, der das Kapitel FC Barcelona als hocherfolgreich abgschlossen sieht, hat längst ein neues – keinerlei minderes Ziel – im Auge: Er will Ministerpräsident Kataloniens werden! „Ich habe bei Barça unter Beweis gestellt, dass ich eine Regierung führen kann. Ich gehe in die Politik, weil ich selbst regieren will“, gibt er die Marschrichtung vor. Und dem nicht genug, der stolze Katalane hat sich des Weiteren zur Aufgabe gemacht, Katalonien von Spanien abzutrennen. Viele belächeln ihn für dieses Vorhaben. Doch belächelt wurde Laporta auch bis zum 16. Juni 2003...

Hier gehts zum Video-Interview mit Joan Laporta

Eure Meinung: Ist Laporta der beste Präsident, den der FC Barcelona je hatte?