Christoph Daum kritisiert RB Leipzig: Wie "Scheichs und Oligarchen"

Harsche Kritik an das Projekt RB Leipzig erlaubte sich der ehemalige Trainer von Bayer Leverkusen, der fast einmal in Jena und Dresden auf der Bank gesessen hätte.

Istanbul. Der langjährige Bundesliga- und heutige Bursaspor-Coach Christoph Daum hat das Projekt RB Leipzig mit Manchester City, Paris St. Germain & Co verglichen. Den Ost-Fußball sieht er aber generell immer noch am Boden - dabei hätte er zweimal fast in den neuen Ländern angeheuert.

Das Projekt RB Leipzig sei "ja auch nix anderes als das, was andere Scheichs und Oligarchen machen", kommentierte Daum im Interview mit Bild den reißbrettartig geplanten Aufschwung des aktuellen Tabellenzweiten der 3. Liga.

Der 60-Jährige präzisierte: "Dieses Modell funktioniert, weil Geld eben doch Tore schießt. Aber mit Ralf Rangnick hat Red Bull einen hochkompetenten Mann, der dem Klub sehr gut tut. Und die Bundesliga wird Leipzig extrem gut tun."

"Ost-Fußball muss sich eigentlich selbst zerstören"

Daums Meinung zu anderen Ost-Vereinen wie den Zweitligisten Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden oder Energie Cottbus geht da schon in eine andere Richtung: "Der Ost-Fußball muss sich eigentlich erst komplett selbst zerstören, damit er danach wieder aufgebaut werden kann."

Die Klubs hätten "durch die mangelnde Wirtschaftsleistung schon einen Standort-Nachteil". Diesen allein durch gute Arbeit auszugleichen sei "schwierig".

Angebote aus Dresden und Jena

Der Stuttgarter Meistertrainer der Saison 1991/92 bekannte, nach der Wende beinahe im Osten der Bundesrepublik angeheuert zu haben. Das erste Angebot sei vom damaligen Erstligisten Dynamo Dresden gekommen: "In Dresden habe ich mit Boss Ziegenbalg gesprochen. Ich sollte eine alte Bonzen-Villa im Stadtteil Weißer Hirsch bekommen, die Dresdner Bank stand als Sponsor dahinter. Das hat sich aber zerschlagen."

Kurz zuvor hätte bereits der damalige Zweitligist Carl Zeiss Jena angefragt, erklärte Daum: "In Jena habe ich eine Bestandsanalyse gemacht. Matz Vogel war damals da, und so ein alteingesessener Partei-Hardliner als Manager. Ernst Schmidt hieß der. Wir sind aber nicht zusammengekommen. Danach bin ich nach Stuttgart gegangen."

"Besser als Braunschweig"

Nach zahlreichen Stationen, vornehmlich bei Top-Klubs in Deutschland und der Türkei, arbeitet Daum seit August beim türkischen Klub Bursaspor. Daum: "Ich kenne viele Leute aus Bursa, will helfen. Ums Geld geht es mir nicht. Ich habe hier so etwas wie den Job eines Krisen-Managers übernommen."

Seine auf Platz zehn rangierende Mannschaft, die 2010 noch Überraschungsmeister war, bezeichnete er als maximal bundesligatauglich: "Besser als Braunschweig wären wir sicher. Aber dann hört es schon auf. Wir bräuchten viel Glück, um die Liga zu halten."

Eine Rückkehr nach Deutschland sei für den 60-Jährigen aber weiterhin ein Thema. Am Geld würde es dabei nicht scheitern, beteuerte Daum: "Ich stelle keine Forderungen. Wenn ein Verein ein Konzept hat, in dem ich mich wiedererkenne, würde ich das machen."

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