Energie Cottbus: Scharfe Kritik nach dem Abstieg mit Ansage

Nach 17 Jahren ist Cottbus wieder in die Drittklassigkeit abgestürzt. Der Abstieg sei hausgemacht, finden diejenigen, die einst für die Glanzzeiten im Verein gesorgt hatten.

Cottbus/Berlin. Als der schleichende Niedergang des FC Energie Cottbus in die 3. Liga auch auf dem Papier perfekt war, rechneten die Erfolgsväter früherer Jahre mit der aktuellen Klubführung ab. Ex-Trainer Eduard Geyer und Ex-Präsident Dieter Krein, die die Lausitzer einst gemeinsam mit Manager Klaus Stabach von der Drittklassigkeit in die Bundesliga geführt hatten, kritisierten vor allem den scheidenden Präsidenten Ulrich Lepsch scharf.

"Er hat den Verein über Jahre ins sportliche Nichts geführt. Sein Führungsstil war fast schon diktatorisch", sagte Krein dem SID. Auch Geyer ließ kein gutes Haar an den wichtigen Entscheidungen in der Horror-Saison: "Um den Sportdirektor-Posten gab es immer wieder Querelen. Da ist vieles schiefgelaufen, genau wie bei der Trainerwahl."

"Ede Gnadenlos", wie der Coach wegen seiner Vorliebe für intensive Trainingsarbeit früher genannt wurde, kritisierte auch die fehlende Mentalität im Team: "Es gibt ein paar gute Einzelspieler, aber kaum einer hat sich den Arsch aufgerissen. Sie wollten Fußball spielen, aber der unbedingte Wille zum Sieg hat gefehlt."

Interimstrainer bittet um Verzeihung

Das war zumindest bei der bitteren und völlig verdienten 1:3 (0:2)-Niederlage am Samstag beim FSV Frankfurt der Fall. Interimstrainer Jörg Böhme entschuldigte sich daher auch bei den Anhängern: "Sorry an alle mitgereisten und daheimgebliebenen Fans, wir haben das Wunder von der Lausitz leider nicht geschafft. Das ist verdammt bitter."

Als Böhme dann in der Pressekonferenz auf seine persönliche Zukunft bei Energie angesprochen wurde, reagierte der Ex-Nationalspieler dünnhäutig. "Du erwartest doch nicht nach so einem Spiel, nach so einem Ausgang, dass ich mir jetzt Gedanken über meine Person mache", raunzte Böhme einen Journalisten an: "Hast du mal Sport gemacht? Denk mal drüber nach! Das ist ja ein Wahnsinn!"

"Es war furchtbar"

Es gilt als wahrscheinlich, dass Böhme, der die Mannschaft als Nachfolger des völlig glücklosen Stephan Schmidt zumindest etwas wachrütteln konnte, durch einen neuen Cheftrainer ersetzt wird. Als Wunschkandidat gilt Peter Vollmann, der über reichlich Trainererfahrung in der 3. Liga verfügt. Zuvor soll aber der neue Sportdirektor vorgestellt werden, der aller Voraussicht nach Roland Benschneider heißt.

Der Ex-Profi saß am Samstag in Frankfurt im Stadion und dürfte spätestens jetzt wissen, dass da eine schwere Aufgabe auf ihn wartet. "Es war furchtbar, was die sich in Frankfurt zusammengestochert haben", wetterte Krein: "Eigentlich hätten sie sechs Stück kassieren müssen." Energie-Kapitän Uwe Möhrle konnte den Abstieg angesichts der durchaus vorhandenen Qualität im Kader nicht fassen: "Das hätten wir uns nie träumen lassen, umso peinlicher ist es für uns."

Das Ziel ist der sofortige Wiederaufstieg, doch Leistungsträger wie die Stürmer Boubacar Sanogo oder Marco Stiepermann sind nur schwer zu halten. Die Drittligalizenz bekamen die Cottbuser zwar ohne Auflagen, doch drastische Einschnitte sind unumgänglich. So wird der Spieleretat in der kommenden Spielzeit mehr als halbiert (von 8,5 auf 4 Millionen Euro).