Robert Huth fordert den Titel: „Es ist Zeit, dass Deutschland was gewinnt!“

EXKLUSIV – Robert Huth steht Goal.com Frage und Antwort zur kommenden EM. Wer ist der beste deutsche Verteidiger? Wie groß ist der Druck?
Stoke-on-Trent. Im Juni 2009 bestritt Robert Huth von Stoke City sein letztes Spiel für die deutsche Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land war er einer „unserer Jungs“. Exklusiv gegenüber Goal.com berichtet der Abwehrmann der Potters, was so kurz vor einem Turnier in den Nationalspielern vorgeht, welche Viererkette er bei der EM sehen möchte und warum Joachim Löw mit ihm nicht mehr plant.

Sie stehen nicht im vorläufigen Kader zur Europameisterschaft, bei Twitter äußerten Sie sich im ersten Moment enttäuscht. Wie realistisch sahen Sie die Chancen, nominiert zu werden?

Huth: Ach, gar nicht! Man weiß ja, wie Twitter funktioniert. Da möchte man ja auch unterhalten. Ich hab nicht damit gerechnet. Seit drei Jahren war ich nicht mehr dabei.

Besteht denn noch Kontakt zu Löw & Co.?

Huth: Wenn du nicht im dreißigköpfigen Kader bist, dann macht es ja auch keinen Sinn. Das wäre ja auch Stress für den Herrn Löw, jeden anzurufen und zu fragen: „Wie geht’s? Wie fühlst du dich?“ Da ist auch Verständnis da, dass er nicht jeden Spieler, der mal für die Nationalmannschaft gespielt hat, einmal im Monat anruft. Er hat andere Dinge, auf die er sich konzentrieren muss. Die EM zum Beispiel.

Spielt es für die Nationalmannschaft eine Rolle, wenn man nicht in Deutschland spielt? Haben Sie für sich einmal Nachteile gesehen?

Huth: Ich denke, der Grund ist einfach, dass Herr Löw andere Spieler mag, von denen er denkt, dass sie ihm mehr helfen. Ich denke, es ist egal, ob du in England, Spanien oder sonstwo spielst. Er hat eben seine Spielertypen, mit denen er auch großen Erfolg gehabt hat. Zweiter bei der EM 2008, Dritter bei der WM, und mit ein bisschen mehr Glück gegen Spanien hätten wir auch ins Finale gehen können. Aber dass ich hier bin, hat nie eine Rolle gespielt.

 Robert Huths Abwehrwahl: Lahm, Badstuber, Hummels, Boateng

Welche Abwehr würden Sie bei der EM spielen lassen?

Huth: Badstuber! Ich hab viele Spiele der Bayern in der Champions League gesehen. Es macht Sinn bei Badstuber, weil er auch ein Linksfuß ist. Und dann natürlich Mats Hummels! Sie haben beide eine sehr gute Saison gespielt. Boateng spielte bei den Bayern zuletzt innen, das dürfte für ihn wieder eine Umstellung sein, bei der letzten WM hat er links gespielt. Aber es ist ja gut, dass er alle drei Positionen spielt, wenn bei so einem Turnier mal jemand eine Gelbe Karte bekommt oder sich verletzt. Lahm – ob rechts oder links – ist gesetzt. Also Lahm, Badstuber, Hummels, Boateng.

Wer ist der beste deutsche Innenverteidiger aktuell?

Huth: Badstuber und Hummels, ganz klar. Dabei spielt ja auch immer das Alter eine Rolle. Hummels ist jetzt 23, ist schon zweimal Meister mit einer super Mannschaft geworden. Badstuber ist sogar noch jünger. Das ist Wahnsinn!

Aktuell sind die Spieler zur Vorbereitung im Trainingslager. Herrscht dort bereits großer Druck, oder stellt sich der erst zum eigentlichen Turnier ein?

Huth: Es geht ja schon um die Stammplätze, wenn man sich trifft. Der Druck ist da! Du willst dich ja nicht zu sehr entspannen und Urlaub machen. Deinen Platz möchtest du ja auch nicht deinem Kollegen überlassen. Sie haben eine Riesenchance, Europameister zu werden, was sie 2008 knapp verpasst haben. Der Druck wird sich erhöhen, wenn es zu den ersten Freundschaftsspielen geht, wo die Spieler erkennen werden, ob sie in der Startelf sind oder nicht.

Was pusht die Spieler am meisten? Bekommt das Team viel vom Hype in Deutschland mit?

Huth: Das kommt auf den Spieler selbst an. Manche lesen Zeitung oder die Berichte im Internet, andere nicht. Jeder entscheidet für sich, ob er wissen will, wie er gespielt hat, was die Zeitungen schreiben. Mich hat das nie so interessiert.

 „Joachim Löw ist ein wahrer Fußballfachmann!“

Was ist Joachim Löw für ein Typ als Trainer?

Huth: Er ist ein wahrer Fußballfachmann! Er weiß alles über Fußball, Taktik. Aber er hat auch seine Erwartungen an die Spieler, wenn diese nicht erfüllt werden, hat er keine Angst, Wechsel durchzuziehen, um zu gewinnen. Er ist ein toller Trainer und hat natürlich auch eine harte Seite.

Wie weit kommt Deutschland bei der Europameisterschaft?

Huth: Hoffentlich kommen wir ins Finale und hoffentlich gibt es einen Sieg der Deutschen! Es ist Zeit, dass Deutschland etwas gewinnt!

England als Wundertüte

Während die deutschen Fans schon Panini-Orgien feiern und die ersten Fahnen wieder aus dem Keller geholt werden, sieht die englische Nationalmannschaft noch einer ungewissen Zukunft entgegen. Robert Huth bekommt vor Ort in England hautnah mit, was für eine Wundertüte die Mannschaft aktuell darstellt: „Sie haben einen neuen Trainer und wer weiß? Kann sein, dass sie komplett durcheinander zum Turnier fahren und jedes Spiel verlieren. Oder sie raufen sich zusammen wie Dänemark '92 und gewinnen auf einmal.“

Es ist Zeit, dass Deutschland etwas gewinnt,“ fordert Robert Huth. Am 29. Mai wird der endgültige Kader für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine vorgestellt. Noch bangen die Wackelkandidaten, ob sie nach Danzig ins EM-Quartier der DFB-Elf mitgenommen werden. „Hoffentlich kommen wir ins Finale und hoffentlich gibt es einen Sieg der Deutschen!“ Kaum ein anderer Satz hätte es mehr verdient, am Ende der großen Goal.com-Interviewserie mit Robert Huth zu stehen.

Eure Meinung: Schafft die deutsche Nationalmannschaft erneut den Durchmarsch ins Finale? Wer sind die härtesten Konkurrenten um den Titel?


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