Spielbericht DFB-Pokal: Bayer 04 Leverkusen – SV Werder Bremen

Der SV Werder Bremen gewinnt der den DFB-Pokal im Jahr 2009. Mit 1:0 setzen sich die Hanseaten in einer spannenden und phasenweise sehr unterhaltsamen Partie gegen Bayer 04 Leverkusen durch. Am Ende können sich Bremer auch bei der mangelnden spielerischen Qualität der Bayer-Elf bedanken. Die Rheinländer kämpften bis zum Schluss, scheiterten aber an der fehlenden fußballerischen Linie im Spiel nach vorne.

Von Dennis WEINACHT

Berlin. Mesut Özil war letztlich der einzige Torschütze in einer unterhaltsamen Begegnung. Der SV Werder Bremen gewinnt auch dank ihm den DFB-Pokal und rettet damit eine misslungene Bundesliga-Saison. Bei Bayer 04 Leverkusen stehen die Zeichen hingegen auf Trennung. Auf Trennung von Trainer Bruno Labbadia. Das internationale Geschäft und einen Titel hat die Werkself jedenfalls verpasst.

Personal & Taktik

Nachdem Thomas Schaaf zuletzt immer wieder von seiner Raute im Mittelfeld abgewichen war, kehrte er im Finale des DFB-Pokals wieder zu dieser Variante im Mittelfeld zurück. Diego gab dabei zum letzten Mal den Spielmacher, Frank Baumann bespielte zum letzten Mal die Position vor der Abwehr. Ansonsten gab es keine wirklichen Sensationen im Team von Thomas Schaaf. Allerdings verzichtete der Trainer auf Petri Pasanen und Aaron Hunt. Dafür waren Sebastian Boenisch und Mesut Özil in den Kader gerückt. Im Angriff gaben sich Hugo Almeida und Claudio Pizarro die Ehre. Bei Bayer 04 Leverkusen gab es ebenfalls zwei Änderungen im Vergleich zur 0:3-Niederlage gegen den FC Energie Cottbus. Karim Haggui und Pirmin Schwegler waren nicht im Team. Dafür erhielten Lukas Sinkiewicz und Renato Augusto ihre Chance. Von der Mannschaft aus Leverkusen stand bei dieser Aufstellung noch nie ein Spieler im Endspiel des Pokals. Bei Bremen gaben die beiden zentralen Mittelfeldspieler Baumann und Diego ihren Abschied. Für den Kapitän auf der 6er-Position endet die Karriere nach diesem Spiel, den Brasilianer hingegen zieht es in die italienische Serie A zu Juventus Turin.

Spielverlauf: 1. Hälfte

Im Duell der deutschen National-Torhüter musste sich zunächst René Adler bewähren. Nach einem Freistoß kam Sebastian Prödl zum Kopfball. Er stand zwar im Abseits, was aber nicht geahndet wurde. Gut, dass der Leverkusener Schlussmann gut mitspielte und das Leder noch vor der Linie rettete (6.). Trotz des bemühten Beginns der Bayer-Elf war Bremen in den ersten Minuten gefährlicher. So hatte Torsten Frings eine weitere Möglichkeit, als sich seine Flanke auf die lange Ecke des Tors senkte, Adler hatte dieses Mal bei seinem Einsatz auch Glück, verletzte sich aber dabei (13.). Denn der Schlussmann prallte mit der Schulter gegen den Pfosten des Gehäuses. Er spielte zwar vorerst weiter, griff sich aber immer wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht an die verletzte Stelle. In der Anfangsphase waren die Bremer spielerisch besser drauf, fanden wesentlich schneller ihre fußballerische Linie.

Aber auch Leverkusen gab sich nicht auf. Die beste Chance hatte Patrick Helmes, als er aber aus acht Metern Torentfernung den Ball nicht richtig traf (22.). Im Gegenzug musste René Adler nach einem Schuss aus 14 Metern gegen Hugo Almeida wieder ran (24.). Bei seiner nächsten Aktion sollte er nicht gut aussehen: Einen Freistoß aus 30 Metern von Naldo klatschte er in die Mitte, wo sich drei Bremer selbst behinderten. Diego schloss ab und nahm damit dem besser postierten Frings die Chance – Adler war zur Stelle (25.). Richtig gut hielt er zudem vor dem Pausenpfiff, als Naldo nach einem Freistoß aufs Tor köpfte, aber der junge Keeper war klasse zur Stelle (45.). Damit blieb es beim torlosen Remis zur Pause. Aber es war ein Spiel ohne Treffer der besseren Art.

Spielverlauf: 2. Hälfte

Die beste Chance der ersten Minuten hatte für Bayer Leverkusen Clemens Fritz. Nach 51 Minuten hätte er einen Klärungsversuch fast ins eigene Netz befördert. Der Ball landete aber knapp über dem Winkel auf dem Netz. Tranqullio Barnetta hatte dann eine weitere gute Möglichkeit, als er aber mit einem Weitschuss am sehr starken Tim Wiese scheiterte (54.). In dieser Phase spielte Leverkusen seine Angriffe konsequenter, zielstrebiger aus. Aber auch der SV Werder Bremen schien zu jedem Zeitpunkt gefährlich zu sein. Die Partie stand auf Messers Schneide. Aber nach wie vor wollte das Tor nicht fallen. In jedem Fall war aber zu sehen, dass sich Leverkusen trotz der Gerüchte und Spekulationen der letzten Wochen auf dem Platz zerriss. Die Mannschaft spielte gut mit, drängte auf die Führung.

Ausgerechnet in dieser Phase folgte aber der herbe Dämpfer: Diego schaffte es, drei Bayer-Verteidiger auszuspielen, leitete den Ball dann auf den freistehenden Mesut Özil weiter. Dieser ging direkt in den Strafraum, zog dann aus spitzem Winkel ab. Manuel Friedrich lenkte den Ball noch sehr unglücklich ab, René Adler sah aber dennoch schlecht aus, als sich das Leder ins Netz senkte (58.). Nun führten die Hanseaten durch den jüngsten Spieler auf dem Feld. Bayer Leverkusen schien jetzt in der Partie angekommen zu sein und wurde prompt wieder aus der Bahn gekegelt. Anschließend war Bremen wieder etwas drauf, spielte engagierter nach vorne. Was hatte die Mannschaft vom Rhein nun noch entgegenzusetzen?

Zunächst passierte nicht sonderlich viel mehr. Bremen stand in der Abwehr sehr stark. Leverkusen war zwar bemüht, wollte den Ausgleich. Aber insgesamt reichte es gegen starke Bremer nicht. Die Ideen fehlten, die Durchschlagskraft war nicht ausreichend. Insgesamt war es interessant, dass sich die Mannschaft wirklich bemühte. Aber es war ebenso interessant, wie wenig sie spielerisch aufzuzeigen hatte. Michal Kadlec hatte nach 75 Minuten mal wieder eine halbwegs gute Möglichkeit, verzog aber recht freistehend im Strafraum klar. So konnte das nichts mehr werden. Leverkusen rannte diesem Rückstand hinterher. Es schien schwer vorstellbar, dass diese Mannschaft noch einmal die Wende schaffen konnte. Dafür waren die fußballerischen Mittel schlichtweg zu limitiert.

Möglicherweise wird man in den kommenden Tagen Bruno Labbadia vorwerfen, dass er in dieser Partie erst sehr spät personelle Wechsel gegen die Ideenlosigkeit vornahm. Erst nach 85 Minuten wechselte er zweimal aus. Insgesamt war aber die Leistung seiner Mannschaft nicht ausreichend. Das Hick-Hack um seine Person darf dabei aber keineswegs ein Alibi sein!

Fazit:

Nur in der Anfangsphase konnte Bayer 04 Leverkusen spielerisch überzeugen. Ansonsten blieb die Mannschaft hinter ihren Möglichkeiten zurück. Kämpferisch kann man der Truppe von Bruno Labbadia sicherlich keinen Vorwurf machen, aber aus dem Mittelfeld kamen erst wieder in der Schlussphase brauchbare Bälle. Die bemühten Spitzen hingen oft alleine in der Luft. Bremen hingegen schaffte es, nach dem Treffer weitgehend souverän aufzutreten. Erst in den letzten fünf Minuten wurde es nochmals eng, als Stefan Kießling zwei Hereingaben knapp verpasste. Die zahlreichen Bremer Fans sahen letztlich aber einen verdienten Sieger von der Weser.

Spieler des Spiels: Naldo

Der Brasilianer klärte in der Defensive fast jeden Ball, war unglaublich kopfballstark. Aber auch in der Luft war er ein nicht zu überwindendes Hindernis. Nach vorne arbeitete er zwei, drei Mal gut mit. Seine spielerische Klasse ließ er zu keinem Zeitpunkt einem Zweifel ausgesetzt. In dieser Form ist er aus der Abwehr der Bremer kaum wegzudenken, auch wenn es Gerüchte um einen möglichen Abgang gibt. Insgesamt eine tolle Partie des Innenverteidigers.

Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Sigmertshausen)

Zuschauer: 72954 (Olympiastadion in Berlin)

Spielnote: 2, Insgesamt war es ein hochklassiges, rasantes und in jedem Fall spannendes Endspiel bis zum Schluss. Bremen war zwar spielerisch besser, musste sich aber in den letzten Minuten fast noch den Ausgleich hinnehmen. Da wurde es nochmals kribbelig, was aber dem Niveau der Begegnung nicht abträglich war.

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