Werder 2.0 - Das Skripnik-Update

Mit Viktor Skripnik ist auch die Spielfreude an die Weser zurückgekommen. Dass Werder jedoch auch anders kann, bewies die Partie auf Schalke.

Werder Bremen hat unter Viktor Skripnik zurück in die Erfolgsspur gefunden und ist seit sieben Partien in der Bundesliga ungeschlagen. Beim Spiel auf Schalke am Samstag gab es dabei diesmal keinen Kampf mit offenem Visier, sondern eine disziplinierte Vorstellung der Hanseaten. Das ändert aber nichts daran, dass der neue Trainer seiner Mannschaft eine neue Handschrift verpasst hat.

In der 85. Minute war auf Schalke die Zeit für schwerere Geschütze gekommen: Viktor Skripnik brachte den 1,92 Meter großen Sebastian Prödl für den eher schmächtigen Fin Bartels in die Partie. Mit nur noch wenigen Minuten auf der Uhr und einem Rückstand im Nacken hieß es nur noch: hoch und weit. Prödl gab den dritten Mittelstürmer und sollte in der Schlussphase für die nötige Lufthoheit im gegnerischen Strafraum sorgen - mit Erfolg: In der zweiten Minute der Nachspielzeit köpfte der Österreicher nach einem Freistoß von Zlatko Junuzovic zum 1:1-Ausgleich ein und sicherte Werder das Remis (zum Spielbericht).

Viktor Skripnik (l.) bedankt sich bei Joker Sebastian Prödl für den Ausgleich gegen Schalke

Die Spielkultur ist zurück

Ein Tor, das zum aktuellen Lauf der Bremer, nicht jedoch zu deren Spielstil passt. Die Serie von mittlerweile sieben ungeschlagenen Spielen in Folge ist nämlich hauptsächlich das Resultat einer veränderten Spielweise. Seit dem Amtsantritt von Skripnik am 10. Spieltag in Mainz kommen die Anhänger des Weser-Klubs wieder in den Genuss von Spielkultur. Dem Ukrainer ist es gelungen, defensive Stabilität mit kreativem Offensivspiel zu vereinen. Dazu verordnete Skripnik seinem Team die Rückkehr zum 4-3-1-2, der Mittelfeldraute.

"Wir genießen diese Zeit", sagte der 45-Jährige Trainer am Sonntag im "Doppelpass" von Sport1. Dies spiegelt sich auch auf dem Platz wieder. Mit schnellem Kurzpassspiel mit starken Technikern wie Bartels, Felix Kroos oder Junuzovic kombiniert sich Werder durch das Mittelfeld - und das trotz weniger Ballbesitzes.

An den ersten neun Spieltagen unter Robin Dutt betrug der Ballbesitz noch 44,7 Prozent, in den 13 Spielen unter Skripnik lag er nur noch bei 41,2 Prozent (nach Herthas 39,8% der niedrigste Wert in diesem Zeitraum, Daten von Opta). Und trotzdem kommt Werder zu Chancen. Seitdem Skripnik im Amt ist, geben die Grün-Weißen 13,5 Torschüsse pro Spiel ab - drei mehr als noch unter Dutt (10,6). Der Lohn: 26 Tore und ebenso viele Punkte.

Tipico

Gegen das 5-3-2 der Schalker hatte Skripnik die Flügel als potenzielle Schwachstellen der Königsblauen ausgemacht. Weil Roberto di Matteo im Zentrum mit drei Innenverteidigern und drei zentralen Mittelfeldspielern Beton anrührte, waren es vor allem Santiago Garcia und Theodor Gebre Selassie, die für offensive Impulse sorgen sollten. So ging nur gut jeder vierte Angriff der Bremer durchs Zentrum.

So verteilten sich die Bremer Angriffe auf Schalke

Hurra-Stil? Von wegen!

Obwohl Werder unter Skripnik 21 Gegentore kassierte, kann man nicht von einer schwachen Defensive sprechen. Mehr als die Hälfte der Gegentreffer fiel in drei Spielen. Die Klatschen in Gladbach (1:4) und in Frankfurt (2:5) dürfen getrost als Ausreißer gesehen werden, das 3:3 gegen Hannover war schlichtweg kurios. Abgesehen von diesen drei Partien musste Werder unter dem neuen Trainer nur zweimal mehr als einen Gegentreffer hinnehmen.

Die Spieler auf den Halbpositionen der Raute lassen sich bei Ballbesitz als zusätzliche Sechser zurückfallen und versperren so das zu Saisonbeginn äußerst anfällige Zentrum. Auch gegen Schalke griffen die Grün-Weißen zu dieser taktischen Maßnahme und leiteten Schalke auf den Flügel.

So vertelten sich die Schalker Angriffe gegen Werder

Dorthin verschoben die Bremer kompakt und isolierten so Fuchs bzw. Barnetta von ihren Mitspielern. Die Folge: Rückpässe und Flanken aus ungünstigen Positionen. Letztere konnte Winterneuzugang Jannik Vestergaard in der Regel problemlos abfangen.

Unter Skripnik auf Platz drei

Nach dem Spiel zeigte sich der Werder-Trainer bescheiden. "Wir haben eine echt gute Partie abgeliefert, schauen aber nach wie vor nach unten", sagte Skripnik. Ein Blick in die Statistik verrät jedoch, dass Bremen seit der Amtsübernahme des Ukrainers zu den Topteams der Liga gehört - nur der FC Bayern und der VfL Wolfsburg holten seit dem 10. Spieltag mehr Punkte als die Hanseaten.

Die "Skripnik-Tabelle"

Besser hätte die bisherige Amtszeit von Skripnik kaum laufen können, doch es warten noch einige schwere Gegner auf die Bremer, darunter Bayern, Wolfsburg, Gladbach und Dortmund. Dennoch dürfte man sich an der Weser keine Sorgen um die Zukunft machen. Die Offensivpower aus erfolgreichen Zeiten ist zurück, dazu entwickelt man Stück für Stück ein stabiles defensives Konzept. Viktor Skripnik arbeitet an Werder 2.0.