News Spiele

Einwurf: In München gehen die Lichter aus

Ein Kommentar
von Dennis WEINACHT

München. Bixente Lizarazu sagte einst sinngemäß über Oliver Kahn: „Selbst wenn du mal einen Fehler machst kannst du dir immer sicher sein, dass der Oli noch hinter dir steht.“ Eine Selbstverständlichkeit, die man in diesen Tagen wieder an der Isar vermissen wird. Kahn ist weg. Seit über einem Jahr. Nur ersetzt hat ihn keiner. Sportlich nicht und menschlich erst recht nicht. Wenn man Michael Rensing gegen den FSV Mainz 05 spielen sah, musste man mit Erschrecken einmal mehr erkennen: Das hochgelobte Bayern-Talent verfügt momentan nicht einmal über Bundesliga-Qualität. Nach wie vor fordern sie an der Säbener Straß, dass der junge Keeper bald zur Nationalmannschaft muss. Entweder ist das bitterer Galgenhumor oder einfach nur Hohn und Spott für so ziemlich jeden Torhüter bis zur dritten Liga runter.

Schwache Transferpolitik

Aber nun alles nur am Schlussmann festzumachen, wäre ebenfalls nicht richtig. Er ist wahrlich nicht der einzige, der in den letzten Wochen seine Tauglichkeit vermissen ließ. Die Herren Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben sich einmal mehr in der Vorbereitung zur Saison verzockt. Über 50 Millionen Euro wurden ausgegeben für eine Mannschaft, die nun zum Trümmerhaufen wird. Mario Gomez ist derzeit nicht einmal im Ansatz seine 30 Millionen wert. Ganz im Gegenteil: Einen Luca Toni von vor zwei Jahren, oder gar Spieler wie Roy Makaay kann er (noch) nicht ersetzen. Die Frage sei zudem erlaubt, warum man einen alternden Anatoliy Tymoshchuk verpflichtet, wenn man mit Mark van Bommel den einzigen Führungsspieler auf dieser Position hat.

Dilettantisch fast schon, dass man in einer entscheidenden Phase der Saisonvorbereitung zudem einen Lucio gehen ließ, der nicht ersetzt wurde und stattdessen nun von einem lernenden Holger Badstuber vertreten wird. Der Junge hat sicher Potenzial und Talent, keineswegs aber jetzt schon die notwendige Qualität um über eine gesamte Saison hinweg bravourös zu agieren. Obwohl die Baustellen im Team bereits vor der Saison klar waren, wurde weder ein Torhüter, noch ein Spielmacher, noch ein rechter Verteidiger oder einer für die zentrale Defensive geholt. Die Bayern strotzen nur so vor Arroganz, wenn sie Spieler wie Rafael van der Vaart öffentlich ablehnen und dann mit Miroslav Klose einen Spielmacher erfinden wollen. Der Niederländer, der früher beim HSV unter Vertrag stand, wäre eine starke Option für den deutschen Rekordmeister. Interessant wird sein, ob man in der kommenden Woche möglicherweise doch noch einmal bei Real Madrid anfragen wird.


Keine Qualität mehr vorhanden

Ein solcher Transfer wäre aber vorerst nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn beim deutschen Rekordmeister ist die Qualität absolut verloren gegangen. Bereits mit der Entlassung von Felix Magath wurde die Wende zum Schlechten hin eingeleitet. Der Trainer konnte zweimal das Double gewinnen. Solche Erfolge sind derzeit Utopie in München. Mit Jürgen Klinsmann wurde ein Revolutionär geholt, der sich aber nur als scheiternder und mitunter fast schon naiver Trainer-Lehrling zusammen mit dem Klub ins Verderben stürzte. In diesem Jahr wäre das Finden des richtigen Weges nur allzu wichtig gewesen. Es blieb aus. Ganz im Gegenteil: Die Führungsspieler der letzten Jahre konnten immer noch nicht ersetzt werden. Der Mannschaft fehlt es an einem klaren Konzept, das auch Trainer Louis van Gaal nicht durchsetzen konnte. Auch er wollte vieles verändern, auch er ist bisher gescheitert.

Van Gaals Käse-Taktik

Denn seine Umstellungen greifen nicht, die Spieler geben öffentlich zu, dass sie seine Anweisungen nicht verstehen. Auch das sollte den Bayern-Oberen zu denken geben. Fast schon resigniert trat der niederländische Trainer nach der Mainz-Pleite vor die Kameras. Auch er gestand ein, dass Fehler gemacht wurden, die er aber bisher noch nicht finden kann. Dabei muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Mannschaft für das Titelrennen in Deutschland schlichtweg zu schlecht aufgestellt ist. Von Europa mal ganz abzusehen. Genau darin liegt auch eine schwerwiegende Problematik: Denn unabhängig davon, ob man denn nun Freund oder Feind des FCB ist, so braucht Fußball-Deutschland doch einen starken FC Bayern München in Europa. Nur ist dieser derzeit weit und breit nicht zu sehen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die Verantwortlichen einmal mehr die Reißleine ziehen.

In München wird es dunkel

Denn die Stimmung ist gefährlich: Rummenigge verwehrt dem Trainer schon jetzt die Rückendeckung, Hoeneß schweigt, was meistens zu einer Trainerentlassung geführt hatte. Doch gerade jetzt wäre es auch so wichtig, dass er spricht. Die Konkurrenz wird immer stärker und breiter, während an der Isar ein Schritt zurück auf den nächsten folgt. Solange nicht wieder Spieler auf dem Feld stehen, die „Eier“ fordern. Solange nicht wieder im Management und auf der Trainerbank Leute einen gradlinigen Weg gehen. Solange nicht wieder Qualität an der Isar zum wichtigsten Kriterium wird – solange wird es in München keinen Titel mehr zu bejubeln werden. Und der Weg nach unten ist oft schneller eingeschlagen, als man denkt. Der „Stern des Südens“ mutiert zur Sparlampe der Bundesliga. Nein, ganz erloschen ist das Licht beim FC Bayern München noch nicht. Aber es wird von Woche zu Woche ein Stück schwächer...

Eure Meinung: Wie kann der freie Fall beim deutschen Rekordmeister gestoppt werden?



var pollId = 'n2147481609';