EM-Qualifikation: Irland überrumpelt die DFB-Elf

Die DFB-Elf findet gegen defensive Iren keinen Weg, die durch das Joker-Tor von Shane Long nun plötzlich wieder gute Chancen auf die EM in Frankreich haben. Die Analyse.

Die deutsche Nationalmannschaft hat das EM-Qualifikationsspiel gegen Irland überraschend mit 0:1 (0:0) verloren. Das Tor des Abends erzielte der eingewechselte Shane Long in der 70. Minute, der damit auch den ersten Pflichtspielsieg der Iren in der Geschichte gegen den amtierenden Weltmeister sicherte.

Die 50.604 Zuschauer im Aviva Stadium in Dublin sahen lange Zeit eine ereignisarme Partie, in der Deutschland trotz Spielkontrolle kaum zu Torchancen kam. Eine Unachtsamkeit der deutschen Defensive nutzte der eingewechselte Shane Long zum Siegtreffer (70.). Für Deutschland war es im 20. Duell mit Irland die sechste Niederlage, die erste seit Mai 1994.

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Zu allem Überfluss musste Mario Götze nach etwas mehr als einer halben Stunde mit einer schweren Adduktorenverletzung ausgewechselt werden.

Im abschließenden Gruppenspiel empfängt Deutschland am Sonntag in Leipzig Georgien (20.45 Uhr im LIVE-TICKER ), Irland reist nach Polen und spielt dort um die direkt Qualifikation, hat Platz drei aber schon sicher.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Irland mit einigen Personalproblemen. Coleman, Clark, Wilson und Quinn sind verletzt, Whelan und McClean gesperrt. Trotzdem sitzt Altstar Robbie Keane nur auf der Bank.

Bundestrainer Löw muss kurzfristig auf den verletzten Bastian Schweinsteiger (Verhärtung an einem linken Adduktorenmuskel) verzichten. Podolski war aufgrund einer Blessur gar nicht mitgereist. Durch Schweinsteigers Ausfall rückt Reus ins Team, Neuer ist Kapitän. Als Rechtsverteidiger beginnt Ginter.

8.: Ecke durch Kroos von der rechten Seite. Boateng ist acht Meter zentral vor dem Tor völlig frei, setzt den Kopfball aber deutlich drüber. Da muss er mehr draus machen.

13.: Götze zieht von links in den Strafraum und legt zurück an die Strafraumkante. Reus lässt durch, aber Gündogans Abschluss grätscht O'Shea über die Latte.

35.: Götze muss nach einem unglücklichen Zweikampf verletzt ausgewechselt werden, für ihn kommt Schürrle.

40.: Ginter steckt auf rechts in den Lauf von Müller durch, der von der Grundlinie einen Pass in den Rücken der Abwehr spielt. Özil kommt am langen Pfosten aus elf Metern zum Abschluss, knapp am linken Pfosten vorbei.

43.: Given hat sich bei einem Abschlag verletzt und Irland muss den Torhüter tauschen. Randolph kommt.

55.: Nach einem Standard der Iren geht's schnell. Neuer mit dem Abschlag auf Reus. Der lässt auf links Christie aussteigen und flankt auf den mitgelaufenen Schürrle. Dessen Direktabnahme aus sieben Metern geht deutlich drüber.

70., 1:0, Long: Deutschland passt bei einem langen Ball nicht auf und Long startet aus der Tiefe. Er ist schneller als Hummels und Hector und lässt Neuer aus sieben Metern von halbrechts keine Chance - links oben schlägt's ein.

78.:  Hector kommt auf links bis zur Grundlinie. Reus rutscht am ersten Fünfereck an der flachen Hereingabe vorbei und Müller setzt den Ball aus elf Metern knapp neben den linken Pfosten.

Fazit: Deutschland gibt das Spiel leichtfertig aus der Hand und wird von eiskalten Iren bestraft.

Galerie: Gebrauchter Abend für die DFB-Elf

Der Star des Spiels: Shane Long. Stand nicht lange auf dem Platz, war dann vor dem Tor aber eiskalt und nutzte die sich bietende Chance. Dank ihm macht Irland einen großen Schritt Richtung Frankreich. Stark im defensiven Mittelfeld: McCarthy.

Der Flop des Spiels: Andre Schürrle. War nach seiner Einwechslung kaum ein Faktor und agierte erneut sehr unglücklich. Hätte die Riesenchance aufs 1:0 nutzen müssen, dann wäre die Partie anders gelaufen und der eine Fehler der Defensive nicht spielentscheidend.

Noten: Schürrle und Özil blass

Der Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien). Mit manch komischer Zweikampfbewertung, aber insgesamt ohne großen Fehler. Richtig, Özils Treffer (19.) wegen Abseits abzupfeifen.

Das fiel auf:

  • Deutschland wie schon in den vorangegangen Spielen ohne Außenstürmer, aus einer 4-2-2-2-Grundordnung sollten die aufrückenden Außenverteidiger für Breite sorgen. Durch diese Ausrichtung hatte die DFB-Elf schnell viele Mann vor dem Ball, kam aber dann nicht mehr ins Tempo. Das lag auch an der zu wenig und teilweise schlecht ausgeführten Spielverlagerung, um die irische Defensive ans Laufen zu bringen.
  • Irland agierte nicht komplett tief in der eigenen Hälfte, sondern versuchte im 4-3-1-2 die Deutschen schon im Spielaufbau zuzustellen. Vor allem Kroos und Gündogan wurden eng verteidigt. Deutschland konnte sich meistens problemlos spielerisch befreien und kam auch zu langen Ballbesitzphasen. Dann zogen sich die Iren weit zurück, verteidigten teilweise mit sechs Mann auf einer Linie und machten die Räume gut zu.
  • Nach knapp einer Stunde wirkte die DFB-Elf etwas genervt vom Geduldsspiel, ließ die Iren so in die Partie kommen und weckte das zuvor recht ruhige Publikum auf. Das Defensivverhalten war in dieser Phase sehr lasch, so dass die Iren ihrerseits zu ersten gefährlichen Angriffen kamen. Die Konsequenz war das 0:1, das sinnbildlich dafür stand, wie schläfrig Deutschland agierte.
  • Löw ließ sich einige Minuten Zeit nach dem Rückstand und löste dann mit Ginter einen Verteidiger für einen zusätzlichen Angreifer mit Bellarabi auf. Der Druck auf das irische Tor wurde wieder deutlich höher und Deutschland kam zu Abschlüssen, aber am Ende lief die Zeit davon.