Teil 4: Die (R)Evolution der Innenverteidigung – der Verteidiger der Zukunft

In den letzten Jahren hat sich der Fußball taktisch enorm weiterentwickelt. Vorallem im Bereich der Innenverteidigung tat sich einiges. Während man früher auf Mittelläufer und Liberos zurückgriff, ist heute die Viererkette das Non-plus-Ultra. Goal.com hat sich die Entwicklung etwas genauer angesehen. Im vierten Teil wagen wir einen Ausblick in die Zukunft.
Von Ramon RAM

Innsbruck. „Was mich nervt, ist, dass heutzutage jeder über Systeme spricht. Früher bin ich zum Fußball gegangen und habe geschaut, wer gewonnen hat. Heute quatscht jeder mit, über eine „flache Vier“, eine „Raute“, die „Doppelsechs“. Uli Hoeneß ist ein Mann klarer Worte. Im Interview mit der ZEIT offenbarte er, dass Systeme für ihn eigentlich keine Bedeutung haben.

Mag sein, dass die „flache Vier“, die „Raute“ oder die „Doppelsechs“ überbewertet sind, von Bedeutung sind sie aber sehr wohl. Der Fußball hat sich in den Jahren weiterentwickelt war. Was früher der Libero war, ist heute die Viererkette. Auch die Systeme und Taktiken haben sich weiterentwickelt. Das heißt nicht, dass vermeintlich „alte“ Systeme - siehe Griechenland 2004 – nicht erfolgreich sein können. Im Gegenteil: Im Fußball ist alles möglich.

Revolutioniert der Innenverteidiger das Spiel?


Dennoch wird es auch in der Zukunft neue Wege gehen, Trainer werden neue Systeme erfinden und alte auspacken. Besonders die Position des Innenverteidigers hat sich in den letzten Jahren massiv verändert und wird in der Zukunft weitere Veränderungen vornehmen. Schon heute müssen Innenverteidiger viel stärker das Spiel antreiben. So wie der offensive Außenverteidiger das Spiel veränderte, könnte ein offensiver Innenverteidiger das Spiel revolutionieren.

In diesem Zusammenhang sprach Pep Guardiola Dmytar Chygrinsky „etwas Besonderes“ zu. Gemeint hat der Barcelona-Trainer damit die Spieleröffnung des Ukrainers, die Pässe, den Aufbau von hinten. Es genügt heute nicht mehr, dass ein Innenverteidiger den Ball nur ausputzen kann. Er ist erster Anspielpartner, dadurch das sich das Mittelfeld immer extremer zusammenzieht, ist er oft der einzige der Zeit und Platz zum spielen hat – so wie früher der Libero.

Der Spielmacher rückt immer weiter zurück

In den letzten Jahren war der erste Spielmacher oft die sogenannte Sechs. Die Pirlos und Xavis dieser Welt. Doch viele Trainer haben in den vergangenen Jahren durch konsequentes Pressing auf diese Spieler, den Spielaufbau gestört und unterbrochen. Was passiert? Es rückt einfach eine Position nach hinten. Die Innenverteidiger müssen heute und werden es in Zukunft noch viel mehr müssen, die Spielmacherrolle einnehmen. Die Folge? Die Stürmer müssen auch diese Positionen stärker unter Druck setzen – Samuel Eto'o war prädestiniert dafür, bei Barcelona war er der „erste Verteidiger“. Er übte immer viel Druck auf die gegnerische Abwehrreihe aus, so das diese nie Zeit hatte, das Spiel kontrolliert aufzubauen. Auch ein Erfolgsgeheimnis der Katalanen.

Der Innenverteidiger der Neuzeit muss also nicht nur in der Defensive stark sein, er muss nicht nur robust im Zweikampf sein und er muss nicht nur ein kompromisloser Abröumer sein. Nein, er muss auch ein begnadeter Fußballer sein, er muss stark im Spielaufbau sein und er muss die nötige Intelligenz für eine der schwersten Positionen im Weltfussball besitzen.

Neue und alte Methoden


Dadurch dass die Abwehrreihe immer weiter aufrückt – um das Spielfeld kleiner zu machen und den Aktionsradius einzuengen – wird auch die Position des Innenverteidigers immer offensiver. Ein spielender Verteidiger kann so die entscheidenden Zuspiele aus der Tiefe machen und wird so in Zukunft öfter zum Vorbereiter. Das heißt nicht, dass alte Methoden nicht auch wieder „modern“ werden. Warum sollte nicht die Manndeckung wieder Einzug in den Weltfussball finden? Schon jetzt gibt es Ansätze dafür. Hugo Sanchez, Trainer von UD Almeria, jagte zum Beispiel seinen Spieler Chico quer über den Platz um Xavi auf Schritt und Tritt zu folgen.

Bald wieder mit Libero?

Man sieht also: Nichts ist für ewig vergessen, nichts ist out. Im Fußball kann alles wieder aufkommen und daher kann man auch mit „alten“ Systemen Erfolg haben. Momentan ist halt der spielmachende Innenverteidigung in (und wird das in Zukunft auch noch viel mehr werden), es könnte aber schon bald wieder der Libero modern sein.


Dass es dazu schon erste Anzeichen gibt – ausgerechnet beim FC Barcelona – erfährt ihr am Montag im fünften Teil

Dann analysieren wir das Abwehrsystem des FC Barcelona bis ins Detail und erklären, dass Pep Guardiola schon jetzt teilweise auf einen Libero setzt! Glaubt ihr nicht? Dann freut euch auf den fünften Teil am Montag!