Spielverlagerung: Bayern ist aus taktischer Sicht der Verlierer der letzten Wochen, Leverkusen der Gewinner

An diesem Wochenende musste sich der deutsche Rekordmeister auch aus taktischen Gründen gegen Leverkusen geschlagen geben.
Beim 2:0-Erfolg über die großen Bayern zeigte Leverkusen, wozu sie taktisch in der Lage sind. Langsam macht sich bezahlt, dass Völler und Holzhäuser dem umstrittenen Coach genug Zeit gegeben haben, seine Idee umzusetzen. Heynckes‘ Team hingegeben offenbarte erneut taktische Defizite.

Das Leben des Robin Dutts ist im Moment ein Wechselbad der Gefühle: Noch keine vier Wochen ist es her, da wollten die Fans in Leverkusen den pragmatisch-distanzierten Coach am liebsten zurück nach Freiburg jagen. Nach dem Derby-Sieg über Köln am letzten Wochenende und dem Triumph vom Samstag sitzt er fester denn je im Sattel. Nach und nach kommen immer mehr die Stärken des gebürtigen Kölners zur Geltung: Als gewiefter Taktiker weiß er, wie er sein Team im Vorfeld einzustellen hat. Dazu kommt bei ihm die Fähigkeit, auch während dem Spiel Probleme zu erkennen und zu beheben. Im Duell mit den Bayern war es seine Umstellung auf zwei Stürmer, die sein Team auf die Siegesstraße brachte.

Zwei unterschiedliche Halbzeiten

In Halbzeit eins mussten sich die Leverkusener einige Male bei Keeper Leno bedanken, dass sie nicht zurück lagen. Mit ihrer 4-2-3-1/4-1-4-1-Mischformation hatten sie in den ersten 45 Minuten große Probleme, ihr anvisiertes Offensivpressing effektiv zu gestalten. Dutt erkannte vor dem Spiel richtigerweise, dass die Bayern-Verteidiger im Spielaufbau unter hohem Druck anfällig sind. Aus diesem Grund stießen die Mittelfeldspieler oft in die Spitze, um neben Kießling die Innenverteidiger zu attackieren. Jedoch fehlte es im Pressing an Abstimmung und an Aggressivität, so dass Boateng und Badstuber die erste Pressingreihe der Leverkusener einfach umspielen konnte. Da diese aus bis zu fünf Spielern bestand, hatten die Bayern Räume für schnelle Gegenstöße, die sie ab und an zu Chancen ummünzen konnten.

Nach der Pause verbesserte sich das Leverkusener Pressing enorm. Durch die Einwechslung Derdiyoks konnten die Attacken mit zwei echten Stürmern gefahren werden, das Mittelfeld musste nicht mehr derart aggressiv aufrücken wie noch in Halbzeit eins. Durch das stärkere Pressing konnten die Münchener spätestens ab der 60. Minute kaum noch Gegenstöße fahren. Die Leverkusener ihrerseits konnten mit der zweiten Anspielstation vorne schneller und direkter den vertikalen Pass in die Spitze suchen. Zudem können sie sich bei Neuer bedanken, der nach einigen starken Paraden beim ersten Gegentreffer nicht gut aussah.

Bayern fehlt klares Offensivkonzept

Spätestens nach dem Führungstreffer der Leverkusener wurde eine seit Wochen diskutierte Bayern-Schwäche deutlich: Es fehlte erneut an Mechanismen, um die nun tief stehende Leverkusener Abwehr zu knacken. Jupp Heynckes probierte personell alles, nahm sogar Gomez raus und brachte Müller für kurze Zeit in der Spitze – nichts half. Ohne Geistesblitze der Flügelflitzer Robben und Ribery können die Bayern im Moment nicht hinter eine Defensivreihe kommen.

Besonders die Raumaufteilung stimmt nicht: Die Bayern verpassten es, gegen das gegnerische 4-4-2 die Räume zwischen gegnerischer Abwehr und Mittelfeld zu besetzen. Auch schnelle Spielverlagerungen von einer auf die anderen Flanken fehlten fast völlig. Die Bayern sind dabei, die tolle Hinrunde durch ihre schwachen Auftritte komplett zu versauen. Die Entscheidung, wie es mit dem Seelenfrieden in München weitergeht, wird in 10 Tagen in Basel getroffen.