Spielverlagerung: Darum kam Bremen in Schalke unter die Räder

Schalkes 5:0-Sieg im Spitzenspiel der Bundesliga offenbarte die Bremer Probleme. Gegen Top-Teams scheint Thomas Schaafs Mittelfeldraute an ihre Grenzen zu stoßen.

Die Taktikseite Spielverlagerung.de analysiert jede Woche exklusiv ein Bundesligaspiel für Goal.com. Diese Woche zeigen sie auf, wieso Leverkusen mit zwei Stürmern starke Probleme gegen Hannover 96 hatte – und wie das glückliche Unentschieden viele grundlegende Probleme der Werkself offenlegte.

Bremen. Werder Bremen befindet sich in einem Dilemma: Trotz einer guten Rückrunde, bei der am Ende der fünfte Platz heraussprang, ist die Stimmung an der Weser gedrückt. Die 0:5-Niederlage im Topspiel auf Schalke war der Schlusspunkt einer traurigen Auswärtsserie: Zuletzt gab es ein 0:5 in Gladbach, ein 1:4 in München und nun diese Schlappe. Bremen ist zwar punktetechnisch nahe an der Spitzengruppe, doch im direkten Vergleich scheinen sie meilenweit entfernt von der Konkurrenz.

Die Probleme der Mittelfeldraute

Das Bremer Problem ist vor allem ein taktisches: Thomas Schaafs 4-4-2 System mit Mittelfeldraute stößt gegen die Top-Teams an seine Grenzen. Das Gastspiel in Gelsenkirchen legte dies wieder einmal offen. Gegen Teams, die ein Fünfermittelfeld aufbieten, haben die Bremer mit ihrem Vier-Mann-Mittelfeld ein numerisches Defizit. Gerade in Punkto Ballkontrolle können sie gegen große Teams nicht mithalten.

Die größte Schwächen zeigt das Bremer System auf den Außen: Da die Mittelfeldspieler allesamt zentral stehen, muss die Breite im Offensivspiel durch aufrückende Außenverteidiger erzielt werden. Gegen München und Gladbach rückten diese oft auf und hinterließen hinter sich eine lückenhafte Dreierkette. Die Gegner bedankten sich dafür mit pfeilschnellen Kontern über die Außen.

Gegen Schalke wollte Schaaf es offensichtlich besser machen und schickte mit Prödl einen defensiv orientierten Rechtsverteidiger auf das Feld. Doch auch diese Taktik ging nach hinten los: Die Außenverteidiger Schalkes hatten durch diese tiefe Rolle keinen natürlichen Gegenspieler. Dieses Loch ist schön auf der Spielfeldgrafik zu erkennen. So fand speziell Linksverteidiger Fuchs direkt hinter der Mittellinie Freiräume für Flanken aus dem Halbfeld vor, von denen er sonst nur nachts träumt. Nach Flanken waren die Bremer im Zentrum anfällig, und so fiel das 1:0 nach einer Hereingabe Jurados. Bereits zuvor hatte Schalke zwei große Möglichkeiten nach Flanken.

Bremer im Mittelfeld immer in Unterzahl

In der Folge änderte Bremen ihre Spielweise: Die zwei Halbspieler in der Raute rückten weiter nach außen, um die Schalker Außenverteidiger zu decken. Hierdurch blieb aber oft Raul, der zusammen mit Pukki leicht hängend hinter Raul agierte, im Halbraum frei, er fand besser und besser ins Spiel. Der Angriff, den er zum 2:0 einnetzte, wurde von ihm selbst aus dem Zentrum eingeleitet. Die Glanzleistung des Spaniers war in erster Linie Bremer Verschulden, sie ließen ihn im Zentrum zu oft ungedeckt. Zuerst die Außenverteidiger ungedeckt, dann Raul – egal, wie Bremen ihre Strategie im Mittelfeld drehte, die numerische Überzahl des Schalker Tannenbaum-Systems (4-3-2-1 mit fünf Mittelfeldspielern) konnten sie nicht kontern.

Auch offensiv machte sich diese Unterzahl bemerkbar: Bremens Spiel war durch die fehlende Breite darauf ausgelegt, den Spielaufbau durch die Zentrale zu suchen. Hier hatte Schalke mit drei Spielern vor der Abwehr, inklusive dem tiefstehenden Jones, die totale Kontrolle. Der nominelle Zehner Trinks fand so überhaupt nicht statt, auch Pizarro und Rosenberg waren aus dem Spiel genommen. Werder hatte so praktisch keine Anspielmöglichkeiten im letzten Drittel.

Schalke kontert eiskalt

In der zweiten Halbzeit waren es dann drei Konter, die eine normale Auswärtsniederlage zu einer Demontage werden ließen. Bremens Verteidiger agierten nicht flink genug gegen Schalkes brutal-effektive Konter. Sobald in den letzten Auswärtspartien die Abwehrreihe nach einem Rückstand aufrückte, öffnete dies Tür und Tor für gegnerische Gegenstöße.

Trotz einer guten Ausgangslage für die Rückrunde kann bei Bremen von Festtagsstimmung keine Rede sein. Die Mittelfeldraute, an der Thomas Schaaf eisern festhält, offenbarte große Schwächen gegen Top-Teams. Gegen Gegner aus dem Tabellenkeller sind die Vorteile der Mittelfeldraute ersichtlich (zwei Anspielmöglichkeiten in der Spitze, vier Spieler im Zentrum plus zwei aufrückende Außenverteidiger, effektives Pressing möglich), in Spitzenspielen kommen vor allem die defensiven Probleme zum Tragen. Mit dieser Formation, so scheint es, kann der Angriff auf die Champions-League-Ränge nicht gelingen.

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