Arjen Robben exklusiv: "War ganz schwierig, zu Bayern zu wechseln"

Der Flügelflitzer spricht im Goal-Interview über den Robben-Move. Zudem äußert er sich zur möglichen Vertragsverlängerung beim FC Bayern und Engagements im Fußballbusiness.

EXKLUSIV


Ein paar kleine Schritte, die schnelle Bewegung nach innen, der Schuss ins lange Eck. Jeder weiß, was passiert, und doch klappt sein Move immer und immer wieder. Im Goal-Interview erklärt Arjen Robben vom FC Bayern seine weltberühmte Finte und verrät, wer den Robben-Move mit einer taktischen Umstellung einst zum Leben erweckte.

FC Bayern: Rückfall in die Schlampigkeit

Zudem spricht der Niederländer über seinen Landsmann Memphis Depay, seine Zukunft und die Zeit nach seiner aktiven Karriere.

Arjen, es soll ja Leute geben, die Ihnen vorwerfen, immer das Gleiche zu machen. Was entgegnen Sie solchen Aussagen?

Arjen Robben: (lacht) Wenn jemand immer das Gleiche macht und es nicht gelingt, dann muss man sich Sorgen machen. So lange es aber funktioniert, ist es gut.

Medienbericht: Süle und Rudy im Sommer zum FC Bayern

Wie kann es sein, dass ein Move, den jeder kennt, derart schwierig zu verteidigen ist?

Robben: Das müssen Sie vielleicht die Abwehrspieler fragen. Man muss immer eine Überraschung bleiben und die richtige Abwechslung suchen. Es sollte nicht so sein, dass du wirklich jedes Mal das Gleiche machst. Im Spiel nach vorne sind wir sehr variabel und es ist ja auch nicht so, dass ich immer nur nach innen ziehe und schieße. Manchmal kommt auch ein Pass, manchmal gehe ich außen herum. Es geht darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, sich Ihren Move patentieren zu lassen?

Robben: (lacht) Nein, eigentlich nicht. Es ist aber schön, dass die Leute sagen: Das ist dein Move, diese Bewegung trägt deinen Namen – das ist ein großes Kompliment. Wie gesagt: Es funktioniert und auf diese Weise habe ich viele Tore gemacht. Und trotzdem ist der Überraschungsmoment existentiell.

Gab es einen Punkt, an dem Sie realisiert haben, dass diese Art und Weise perfekt für Ihr Spiel ist?

Robben: Das hat sich über die Jahre so entwickelt. In der Jugend habe ich immer in der Mitte gespielt, dann bin ich zunächst auf den linken Flügel gewechselt. Erst in meinem zweiten Jahr bei Real Madrid habe ich vermehrt auf der rechten Seite gespielt, und das hat sich auch hier beim FC Bayern durchgezogen. Ich fühle mich da pudelwohl. Ganz wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Spielern um mich herum. Seit ich hier bin, spiele ich mit Philipp hinter mir, mit Thomas in der Mitte, das sind wichtige Konstanten.

Welcher Trainer kam damals bei den Königlichen auf die Idee, Sie auf die rechte Seite zu stellen?

Robben: Das war Juande Ramos, und ich kann Ihnen sagen, es hat auch bei Real schon sehr gut funktioniert.

Ramos ist also der Mitbegründer des Robben-Moves?

Robben: Das weiß ich nicht. (lacht) Ich glaube, es ist schon vielen Spielern passiert, dass sie auf eine andere Position gewechselt sind und dann sehr gut funktioniert haben. Ich sage nicht, dass es auf den anderen Positionen nicht funktioniert hat, aber wenn Sie mich jetzt fragen, spiele ich natürlich rechts am liebsten. Unter Pep Guardiola habe ich auch mal in der Zentrale oder aus dem Mittelfeld heraus gespielt, auch diese Abwechslung war sehr schön.

In den vergangenen Wochen wurde viel über das System und den Wechsel vom 4-3-3 aufs 4-2-3-1 gesprochen. Sie scheinen damit ganz glücklich zu sein.

Robben: Ich habe mich gefreut, weil es richtig Spaß gemacht hat. Wir haben uns zuletzt viel bewegt, hatten viele Chancen. Man hat gesehen, dass es sehr gut funktioniert – sowohl in den Bundesliga-Spielen gegen Mainz und Wolfsburg als auch in der Champions League gegen Atletico. Das System ist uns ja gut bekannt, so haben wir nicht nur unter Pep, sondern auch schon mit Louis van Gaal und Jupp Heynckes gespielt. Wenn wir eine zweite Spitze, eine Nummer zehn auf dem Platz haben, funktioniert das immer sehr gut. Das ist aber kein Thema für mich, ich bin Spieler, kein Trainer. Es ist so, dass wir aufgrund der Qualität unserer Spieler mehrere Systeme spielen können. In den vergangenen Jahren waren wir sehr flexibel, haben fast jede Partie variiert. Diese Überraschungen braucht man, um es dem Gegner schwer zu machen.

Sie stehen seit 2009 bei den Bayern unter Vertrag. Hätten Sie damals schon gedacht, dass es so eine lange Beziehung wird?

Robben: Nein, das konnte man nicht wissen. Ich bin da aber immer ganz entspannt, ganz nüchtern, denn im Fußball weiß man nie, was passiert. Als ich gekommen bin, war das schon eine ganz schwierige Entscheidung. Ich war bei Real Madrid und Bayern war noch nicht auf demselben Niveau wie heute. Diese Entwicklung mit dem ganzen Verein mitgemacht zu haben, ist etwas Schönes, das macht einen auch stolz. Dass ich jetzt schon acht Jahre hier bin, sagt ja alles. Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl.

Dennoch ist Ihre Zukunft weiterhin ungeklärt. War Ihr Vater inzwischen mit Karl-Heinz Rummenigge zum Kaffeetrinken verabredet?

Robben: Nein, noch nicht. Es gibt nichts Neues. Ich konzentriere mich wirklich nur auf den Fußball. Ich weiß, das sagen Spieler oft, um diplomatisch zu sein. Wenn es aber etwas zu vermelden gäbe, würde ich das sagen, Ehrenwort. Es ist ja auch nicht so, dass ich keinen laufenden Vertrag mehr hätte. Das wird schon.

Wer soll Sie eigentlich mal ersetzen?

Robben: Keine Ahnung, aber wir sind da ganz gut besetzt, haben mit Douglas Costa und Kingsley Coman zwei sehr gute Spieler für die Außenbahnen. Für mich ist das ja auch nicht das Wichtigste. Ich versuche schließlich selber, so lange wie möglich weiterzuspielen.

Sie haben also keinen Geheimtipp für die Bayern-Bosse?

Robben: Nein, nein. Wir haben sehr gute Leute im Verein, die sich darum kümmern. Ich selbst habe noch niemanden gesehen, aber es gibt ganz sicher Kandidaten.

Wäre Ihr Landsmann Memphis Depay einer davon?

Robben: Er ist ein sehr talentierter Spieler. Es ist schade, dass es für ihn bei Manchester United noch nicht funktioniert hat. Er spielt sehr, sehr wenig. Ich erwarte, dass da in nächster Zeit etwas passiert, dass er vielleicht schon in der Winterpause einen Move macht.

Auch wenn Sie noch nicht daran denken mögen, irgendwann wird die Zeit nach der aktiven Karriere kommen. Hans Nijland, Klubboss Ihres früheren Vereins FC Groningen, wünscht sich Ihre Rückkehr. Er sei realistisch genug, um zu wissen, dass es nicht als Spieler sein wird, sagt er, aber womöglich in anderer Funktion. Vielleicht als Trainer, Sportdirektor oder Klubboss?

Robben: Ich habe immer betont, dass Groningen mein Heimatklub ist. Ich bin dort aufgewachsen, habe in der Jugend im Klub gespielt, mein Debüt im Profifußball gegeben. Ich habe Gefühle für den Verein und noch immer engen Kontakt, auch zu den Chefs. Ich weiß, dass er schon öfter gesagt hat, dass er sich wünscht, dass ich sein Nachfolger werde. Ob ich aber tatsächlich mal eine Funktion dort übernehme, weiß ich nicht. Das ist noch sehr weit weg, schauen wir mal.

Unabhängig von Groningen: Wissen Sie schon, welche Funktion für Sie infrage kommen könnte?

Robben: Nein, eigentlich nicht. Ich spiele ja aktuell selbst noch Fußball und hoffe wie gesagt, auch noch so lange wie möglich aktiv zu sein. Andererseits freue mich auf das andere Leben neben dem Fußball. Auf all die Sachen, die ich jetzt nicht machen kann. Darauf, Zeit mit meiner Familie zu genießen. Aber da wird schon etwas kommen: Die Hauptsache ist, dass es Spaß macht. Wenn ich Nachfolger vom Chef in Groningen werden würde, gäbe das nur Stress und Sorgen, das braucht man nicht. Ich muss etwas finden, das mir zu mir passt.

Folge Bayern-Reporter Niklas König auf