Benjamin Pavard: Stuttgart? "In Frankreich unter ersten Fünf"

Der neue Innenverteidiger des VfB gilt als große Hoffnung der Schwaben. Bei Goal spricht er über die Entscheidung für Stuttgart, die 2. Liga und den deutschen Fußball.

Benjamin Pavard ist der teuerste Neuzugang des Transfersommers beim VfB Stuttgart. Fünf Millionen Euro überwiesen die Schwaben auf das Konto des OSC Lille für die Dienste des französischen U-Nationalspielers.

Der 20-Jährige braucht noch Zeit, ist langfristig aber als Abwehrchef vorgesehen. Goal traf ihn zum Interview und sprach mit ihm über den vermeintlichen Rückschritt, seine Ambitionen und er verriet, mit welchem alten Bekannten er sich bezüglich eines Wechsels beriet.

Als französischer U-Nationalspieler erscheint ein Wechsel in die 2. Bundesliga wie ein Rückschritt. Warum diese Entscheidung?

Benjamin Pavard: Eigentlich sollte ich verliehen werden, um Spielpraxis zu sammeln. Es gab mehrere Angebote (von Nizza und Valenciennes unter anderem, Anm. d. Red.), aber Lille wollte mich nicht innerhalb von Frankreich verleihen. Dann kam das Angebot aus Stuttgart und alles ging sehr schnell. Der VfB ist ein sehr guter Klub, der noch vor kurzer Zeit in Europa gespielt hat. Eine Aneinanderreihung von Fehlern führte in der vergangenen Saison zum Abstieg. In diesem Jahr soll das korrigiert werden und der direkte Wiederaufstieg gelingen. Die Infrastruktur hier ist herausragend, die Fans sind fantastisch, das Stadion ist auch in der 2. Liga voll. Es ist eine neue Herausforderung in meiner Karriere. Auch wenn Lille mein Herzensverein ist, musste ich an mich denken, als die Trainer mir nicht das Vertrauen schenkten.

Hatten Sie keine Angst, in die 2. Liga zu gehen?

Pavard: Nein, überhaupt nicht. Obwohl ich Fremder hier bin und das jetzt meine neue Heimat ist. Das ist aber nicht so schlimm, denn meine Eltern besuchen mich bald, mein Berater ist mit mir hier und meine Freunde kommen auch demnächst. Schwieriger ist es da schon mit der Sprache. (lacht) Stuttgart war der Verein, der mich am meisten wollte. Sie kamen extra nach Lille, um mich spielen zu sehen. Der ganze Verein gab mir zu verstehen, dass man mich auf jeden Fall wollte. Die fünf Millionen Euro, die letztendlich gezahlt wurden, sind dafür ein schöner Beweis.

War das für Sie kein Rückschritt?

Pavard: Stuttgart würde meiner Meinung nach in der Ligue 1 unter den ersten Fünf landen. Ich habe mich vor meinem Wechsel auch mit Matthieu Delpierre unterhalten, der hier acht Jahre gespielt hat und sogar in der Champions League mit dem VfB war. Er hat mir viel über den Verein erzählt und ist damals auch von Lille hierher gewechselt.

Und doch hat man den Eindruck, dass sie auch bei einem Erstligisten eine gute Rolle hätten spielen können.

Pavard: Ich will spielen! Wenn ich auf der Bank sitze, interessiert mich überhaupt nicht, wie gut der Verein ist. Ich ziehe eine Saison in der deutschen 2. Liga einer bei einem größeren Klub vor. Nur so kann ich mich entwickeln, genau das brauche ich jetzt.

Welche Anforderungen hat Stuttgart an Sie?

Pavard: Man gab mir zu verstehen, dass man mir vertraut, dass ich Fehler machen darf, auch wenn man sich natürlich schon eine Menge von mir erwartet. Ich bin 20 und habe keine 100 Ligue-1-Spiele absolviert, also ist es für den VfB auch eine Investition in die Zukunft. Jan Schindelmeiser kam zu mir und ich habe wirklich gespürt, dass man auf mich setzen wird und der Verein mich braucht. Er sagte mir, dass ich die Zukunft repräsentiere und dass ich Spielzeit bekommen werde. Das ist mir sehr wichtig.

Haben sie auch vorher schon deutschen Fußball verfolgt?

Pavard: Von der Atmosphäre und dem Stellenwert für die Menschen her gibt es keinen besseren Fußball als den deutschen. Die Meisterschaft hier ist für die Fans gemacht. Man versucht, schönen Fußball zu spielen, den Ball auf dem Boden zu lassen. In Stuttgart zum Beispiel sollen lange Bälle nur in Ausnahmefällen gespielt werden. Sie haben mich geholt, weil man mir zutraut, dass ich in diesem Fußball eine wichtige Rolle einnehmen kann, weil mir dieser Fußball liegt. Ich weiß, dass ich Innenverteidiger spielen werde – auch wenn ich erst an die neue Intensität gewöhnen muss - und hoffe, mich schnell zurechtzufinden.

Warum haben Sie Lille verlassen?

Pavard: Ich habe das Vertrauen des Trainers nicht gespürt und wurde auf allen Positionen eingesetzt außer meiner, die des Innenverteidigers. Es gab keine Kommunikation und ich glaube ich habe nie eine echte Chance erhalten, weil ich noch so jung bin. Es hat mich viel Kraft gekostet, die Entscheidung gegen Lille zu treffen und ich möchte Jean-Michel Vandamme (Sportdirektor LOSC) danken, weil er alles in seiner Macht stehende getan hat, um mir den nächsten Schritt meiner Karriere zu ermöglichen.