Francesco Acerbi und sein Kampf gegen den Krebs

2013 erhielt Francesco Acerbi die Diagnose Hodenkrebs, gut ein Jahr später debütierte er in der Squadra Azzurra. Die Geschichte eines unermüdlichen Kämpfers.

Der 18. November 2014 war der größte Tag im Leben des Francesco Acerbi. Gegen Albanien debütierte er für Italien. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, auf den zweiten aber sehr wohl. Denn Acerbi hatte Krebs. Im Juni 2013 erhielt er die Diagnose Hodenkrebs, seine Karriere als Profifußballer sei zu Ende, sagte der Arzt. 

"Wenn du krank bist, musst du unbedingt positiv bleiben. Eine andere Chance hast du nicht. Du musst eine positive Atmosphäre rund um dich und deine Familie kreieren. Das hilft dir, die Krankheit bestmöglich zu bekämpfen", sagte Acerbi im exklusiven Goal-Interview und sollte Recht behalten. Er besiegte den Krebs, ehe im Dezember 2013 die erneute Schockdiagnose gestellt wurde: der Krebs war zurück, noch aggressiver als zuvor. 

"Die schlimmste Phase erlebte ich, als ich im Krankenhaus war und die Chemotherapie bekam", erzählte der Innenvertediger von Sassuolo über seine zweite schwere Zeit der Ungewissheit. "Es war sehr schwierig. Ich konnte nicht trainieren, musste ständig ins Krankenhaus und miterleben, wie die Familie unter meinem schlechten Zustand litt. Auf der anderen Seite war ich aber immer auch zuversichtlich, dass ich mich früher oder später erhole."

Ein unermüdlicher Kämpfer

Diese Zuversichtlichkeit ist das Besondere an dem 26-Jährigen. Er ist ein Kämpfer, jemand der nicht aufgibt. Er war es, der seiner Mutter Trost spendete, obwohl es ja er selbst war, der mit der Krankheit zu kämpfen hatte. Er fightete sich zurück. Ein zweites Mal. Erst zurück ins Leben, dann zurück auf den Platz. "Zehn Tage nach meiner letzten Chemotherapie-Sitzung kehrte ich ins Training zurück. Ich war aber nicht sicher, ob ich in den professionellen Fußball zurückkehren konnte. Erstmal wollte ich nur fit bleiben", berichtete Acerbi.

"Dann, während des Sommers, änderte sich plötzlich etwas. Ich bin nicht sicher, wieso. Etwas tief in meinem Inneren gab mir die Motivation, wieder auf den Rasen zurückzukehren. Wer weiß, vielleicht lag es daran, dass ich einen ruhigen Sommer verbrachte. Keine Partys, kein Übertreiben, einfach normal sein. So verstand ich, dass ich gereift und bereit für meine Rückkehr war", beschrieb Acerbi die innere Transformation zum Kämpfer.

Großer Moment: Acerbi im Dress von Italien

Tränen und Standing Ovations beim Comeback

Im Spätsommer 2014 kehrte er dann auf den Rasen zurück. "Ich kam am dritten Spieltag gegen Sampdoria zurück. Ich war sehr fokussiert, voller Motivation, ein gutes Spiel zu zeigen. Ich erinnere mich, dass es 0:0 ausging, es war also nicht so schlecht. Nach einer Stunde bekam ich Krämpfe und wurde ausgewechselt, aber meine Leistung war gut." Bei seiner Auswechslung wurde er mit Standing Ovations verabschiedet, auf der Tribüne weinte seine Großmutter Tränen der Freude. 

Weniger als zwei Monate nach seinem Comeback klingelte sein Handy. Am anderen Ende der Leitung: Antonio Conte. Der Nationaltrainer der Squadra Azurra berief Acerbi in den Kader für das Spiel gegen Albanien. In der 82. Minute verletzte sich Juves Leonardo Bonucci und mit 26 Jahren debütierte Acerbi in der Nationalmannschaft, erfüllte sich einen Traum. Auf der Tribüne weinte wieder die Oma, nach dem Spiel konnte auch Acerbi die Tränen nicht mehr zurück halten. Spieler, Fans, Gegner und Kollegen - sie alle applaudierten.

"Heute bin ich ein anderer Mensch"

"Die Einladung zur Nationalmannschaft war die größte Belohnung für all die Anstrengungen, die ich unternommen hatte. So war es auch mit meinem ersten Tor gegen Parma. Conte sagte mir: 'Ich habe dich nicht wegen Deiner Krankheit nominiert, sondern weil Du bewiesen hast, dass Du ein harter Arbeiter und ein Junge mit gesundem Temperament bist'", erzählte Acerbi von den Momenten, die er "nie vergessen wird". 

Auch wenn es bei einem Einsatz bleibt und wohl kein weiterer dazu kommen wird, ist Acerbi einfach nur dankbar, dass er gesund ist und Fußball spielen kann. Die Krankheit hat ihn verändert. "Der Krebs hat meinen Lebensstil verändert, meinen Blick auf die Dinge. Vor meiner Krankheit war ich oberflächlich und habe mich nicht für das Morgen interessiert. Nach der Chemotherapie bin ich weiser und ich weiß, welche Sachen es zu schützen lohnt." 

Das größte Geschenk sei nicht die Einladung in die Nationalmannschaft, sondern Gesundheit für sich selbst und für seine Familie. "Ich habe früher Dinge gemacht, die man als Profi nicht tun sollte", sagte er, "heute bin ich ein anderer Mensch."