So fördert Bayern München Wunderkind Toni Trograncic

Mit Martin Ödegaard klappte es nicht. Dafür haben die Bayern bei Toni Trograncic Erfolg gehabt. Goal sprach mit dem Vater des neuen Supertalents.

EXKLUSIV
Von Ante Buskulic

Am ersten Tag des neuen Jahrtausends geboren zu sein, ist für den kroatischen U-14-Nationalspieler Toni Trograncic nicht nur wegen des Datums etwas besonderes. Er teilt seinen Geburtstag zudem mit der kroatischen Fußballlegende Davor Suker. Ob er aber auch ähnliche Erfolge mit der kroatischen Nationalmannschaft erleben wird?

Trograncic ist nicht in Kroatien, sondern etwa 50 Kilometer entfernt von München in Bad Aibling geboren und könnte später für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen. Letzte Woche trainierte die 15 Jahre alte Nachwuchshoffnung erstmals mit den Profis des FC Bayern München unter Pep Guardiola.

Tipico

Zu Hause wurde Trograncic zuerst die kroatische Sprache beigebracht, seine Mutter stammt aus Kroatien. Sein Vater ist dagegen Bosnier - und um die Multi-Kulti-Erziehung perfekt zu machen: Seine ersten Erfahrungen im professionellen Fußball sammelte Trograncic in Österreich an der Jugendakademie von Red Bull Salzburg.

Wegen Ante Coric nicht zu Bayern

Er hat also in jungen Jahren bereits viele Einflüsse mit auf den Weg bekommen. Nun dürfte München für die nächsten Jahre seinen Lebensmittelpunkt darstellen. 2013 wechselte er nämlich von Red Bull an die Isar. Goal sprach darüber bereits vor einem Jahr mit seinem Vater Dario. Dieser verriet: "Bayern München und RB Salzburg wollten ihn 2010 verpflichten. Er spielte damals in Rosenheim und er wollte schon zu Bayern gehen, bis Salzburg eine entscheidende Karte ausspielte: Der Verein schickte Ante Coric, um meinen Sohn zu überzeugen."

Zu der Zeit wurde der Kroate Coric als DAS Mega-Talent gehandelt und spielte bereits in Salzburg. Inzwischen kickt der 17-Jährige aber wieder in der Heimat. Nicht weil er zu schwach ist, sondern, um in seiner Heimatstadt für die Profis von Dinamo Zagreb zu spielen. Erst kürzlich ging er als jüngster Torschütze der Europa League in die Geschichte ein, als er beim 5:1-Sieg gegen Astra Giurgiu traf. Zum Zeitpunkt des Treffers war er gerade einmal 17 Jahre und 157 Tage alt.

Für Trograncic, der Fan von Dinamo Zagreb ist, war Coric immer das große Vorbild. Darum entschied er sich, trotz seiner ersten Überlegungen pro Bayern, nach Österreich zu wechseln. Mit dem Abschied von Coric setzte auch er sich neue Ziele und schloss sich schließlich mit drei Jahren Verspätung der Jugendabteilung des deutschen Rekordmeisters an.

Hermann Gerland hat wieder zugeschlagen

"Er hat die drei Jahre in Salzburg voll genossen. Auch der Jugendchef Percy van Lierop half ihm mit seinem großartigen Wissen über Fußball weiter. Er war auch eine tolle Persönlichkeit. Außerdem war Niko Kovac zu der Zeit dort", erklärte Dario Trograncic weiter. Kovac ist inzwischen Trainer der kroatischen Nationalmannschaft und man kennt sich gut.

Seine beiden Förderer waren unglaublich wichtig für den jungen Toni, aber beide verließen den Verein. Glück für ihn, dass sich der FCB erneut meldete. "Es gab eine wirklich große Umstrukturierung in Salzburg", erinnerte sich sein Vater. "Genau als Van Lierop und Kovac weggingen, haben Scouts von Bayern ihn zum Training eingeladen."

Keine Angst vor großen Namen: Toni Trograncic (2.v.r.) hinterließ beim Profi-Training des FCB einen guten Eindruck.

Als er dann bei Bayern in der U15 trainierte, sah ihn Hermann Gerland. Der Co-Trainer der Profis war so beeindruckt, dass er Pep Guardiola bat, das Talent in einem Training zu testen. Der beidfüßige zentrale oder offensive Mittelfeldspieler nutzte seine Chance während der Länderspielpause und zeigte keine Furcht vor großen Namen. Ob als Spielmacher oder hinter den Spitzen eingesetzt, Trograncic hat vielfältige Anlagen. Zunächst war er aber dafür zuständig, Torwart Pepe Reina einzuschießen, danach absolvierte er gemeinsam mit Philipp Lahm und Co. die Einheiten.

"Bring beim nächsten mal die richtigen Schuhe mit"

Beim obligatorischen Abschlussspiel der öffentlichen Trainingseinheit vor 200 Zuschauern zeigte der Jungspund keinen großen Respekt und sorgte mit einigen harten Tacklings für Aufsehen. Nach Trainingsschluss nahm ihn Guardiola kurz an die Seite. Der als Perfektionist bekannte Startrainer lobte Trograncic, bemängelte aber im gleichen Atemzug auch dessen Stollenwahl an seinem Schuhwerk: "Alles war klasse, Junge. Aber bring beim nächsten mal die richtigen Schuhe mit."

Seine Eltern schauten bei der Einheit ebenfalls zu. Und als alle anderen Profis sich zum Autogrammeschreiben aufmachten, ging es für das Talent in die Kabine. Von den Medien wurde er abgeschirmt.

Vor ein paar Wochen geisterte noch der Name eines anderen Talents an der Säbener Straße herum: Martin Ödegaard. Der Norweger spielt auf derselben Position, wechselte aber dann zu Real Madrid. Während der Länderspielpause spielte Ödegaard für Norwegen und verlor, ausgerechnet gegen Kroatien, deutlich. Die Königlichen sind derweil bemüht, den Youngster genauso abzuschirmen, wie die Bayern es bei Trograncic machen.

Für welches Land Trograncic später auflaufen wird, ist noch nicht klar. "Wir haben Kontakt zu der Familie und werden uns nächste Woche wieder treffen", verkündete der kroatische Verbandschef Romeo Jozak kürzlich. "Wir sind uns sicher, dass er für Kroatien spielen wird." Eine selbstbewusste Aussage. Das letzte Wort hat im Fall der Fälle aber der Spieler selbst. "Die Entscheidung liegt ganz alleine bei Toni", stellte sein Vater klar. "Er hat aber noch Zeit, sich Gedanken zu machen, es eilt nicht."

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