RB-Nachwuchsleiter Schrof: "Wir werden neue Maßstäbe setzen"

Bei Goal spricht der Chef des RB-Nachwuchses über die Anfeindungen gegen Leipzig, die Zusammenarbeit mit Rangnick und langfristige Ziele.

Sami Khedira, Mario Gomez, Kevin Kuranyi - sie alle wurden unter der Leitung von Frieder Schrof groß. Fast drei Dekaden lang war er Nachwuchsleiter des VfB Stuttgart, ehe ihn Ralf Rangnick im Herbst 2012 zu RB Leipzig holte. Beide kennen sich nicht erst seit gemeinsamen Tagen beim VfB. Vor über 30 Jahren holte Schrof seinen jetzigen Chef in die Bezirksauswahl.

"Mit ihm und seinem langjährigen Mitarbeiter Thomas Albeck haben wir die bestmögliche Lösung für unseren Nachwuchs gefunden", sagte Rangnick damals über den neuen Kommandeur der RBL-Talenteschmiede. Im Interview mit Goal spricht Schrof (60) über die einheitliche Philosophie der Jugendteams, Scouting und das Fehlen von Typen heutzutage. 

Herr Schrof, neben Leipzig existieren unter dem Red-Bull-Banner in Salzburg und New York noch weitere Standorte. Wie wird in puncto Jugendarbeit zusammengearbeitet?

Frieder Schrof: Neben Salzburg, Leipzig und New York gibt es noch eine Akademie in Brasilien in Sao Paulo. Ein Austausch findet vor allem in den Bereichen Scouting, Medizin und Ausbildungsphilosophie statt. Im Januar 2014 waren wir mit unserer U17 beispielsweise in Sao Paulo zum Wintertrainingslager – in Salzburg und Leipzig führen wir zudem gemeinsame Trainerfortbildungen durch.

Gibt es ein einheitliches Konzept für alle Jugendteams, was Mentalität und Taktik angeht, oder variiert das zwischen den verschiedenen Altersklassen?

Schrof: Für alle unsere Mannschaften gibt es eine einheitliche Spiel- und Ausbildungsphilosophie, die auf die jeweilige Mannschaft altersgemäß angepasst und vermittelt wird. Aggressive, ballorientierte Vorwärtsverteidigung mit schnellem Umschaltspiel wird bei uns in allen Teams intensiv trainiert und gespielt.

RANGNICK: AB SOMMER NUR RBL
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Ist das Verschieben von Talenten zwischen den Vereinen nicht verwerflich?

Schrof: Solange es der besseren sportlichen Entwicklung des Einzelnen dient, bringt es für alle Seiten Vorteile. Diese Synergien sollten wir unbedingt weiter nutzen, denn Spieler wie auch Trainer können aus dieser Zusammenarbeit viele wichtige Erfahrungen sammeln.

Der Verein RB Leipzig ist mitunter teils starken Anfeindungen ausgesetzt. Wie ist das im Jugendbereich?

Schrof: Im Großen und Ganzen hält sich das im Nachwuchsbereich in Grenzen. Natürlich gibt es zuweilen negative Erlebnisse, jedoch lassen wir diese Dinge gar nicht so nah an uns ran. Gerade das wollen diejenigen ja bezwecken. Sie wollen, dass man darauf reagiert und sich nicht mehr auf das Wesentliche konzentriert – für uns ist und bleibt das der Fußball.

Stichwort Nachhaltigkeit: Was ist das langfristige Ziel der Jugendarbeit von RB Leipzig?

Schrof: Langfristig wollen wir eine Spitzenausbildung im Nachwuch sicherstellen und möglichst viele selbst ausgebildete Spieler in den Profibereich bringen. Auch wenn es nicht jeder nach ganz oben schaffen kann, wollen wir dafür sorgen, dass unsere Talente fußballerisch wie schulisch sehr gut ausgebildet werden, damit sie den Weg in den Fußball oder ins Berufsleben bestmöglich meistern können.

Wie kann man den Ruf aufpolieren und woher kommt der tiefe Hass gegen das Projekt RB?

Schrof: Pauschalisierte Urteile in der Öffentlichkeit wird es immer wieder geben. Aber es kostet nur Zeit und Mühe, sich darüber aufzuregen. Wer sich tatsächlich mit der Arbeit auseinandersetzt, wird schnell erkennen, mit welcher Seriosität, mit welcher Hingabe und Leidenschaft hier im Verein gearbeitet wird. Daher werden wir unseren Weg weiter nachhaltig und professionell fortsetzen. Alles andere können wir sowieso nicht wirklich beeinflussen.

Tipico

Wie sieht das Zusammenspiel zwischen Ihnen, den einzelnen Trainern und Rangnick aus?

Schrof: Es findet ein täglicher Austausch statt. Zudem führen wir fest terminierte Meetings in regelmäßigen Abständen durch, in denen sich die jeweiligen Verantwortlichen der verschiedenen Bereiche zusammensetzen, um Punkte für die tägliche Arbeit, aber auch für eine grundsätzliche Ausrichtung zu besprechen. Überdies herrscht bei uns eine "Open-Door-Policy".

Was verspricht sich RB vom Nachwuchszentrum, das für 35 Millionen bis Mitte 2015 fertiggestellt werden soll?

Schrof: Es wird uns einen weiteren Schub geben und uns infrastrukturell noch bessere Möglichkeiten bieten. Wir werden in puncto Unterbringung, Versorgung, schulische Betreuung und Trainingsmöglichkeiten neue Maßstäbe setzen.

Seit 2012 ist Rangnick für RB Leipzig zuständig, Im Herbst installierte er das Gespann Schrof/Albeck für die Nachwuchsabteilung. Zuvor hatte das Duo den Nachwuchs des VfB groß gemacht.

Stichwort Scouting: Wie weit ist Leipzig und welches Spielerprofil wird gesucht?

Schrof: Wir sind in allen Scoutingbereichen schon sehr gut aufgestellt. Spieler, die zu uns kommen, müssen unserer Philosophie entsprechen: Balljäger, gedanklich schnell, sprintstark – je älter sie sind, desto mehr müssen die Talente diese Anforderungen bereits verinnerlicht haben.

Die U17 ist Erster, die U19 Dritter. Ist RB in der Jugend schon auf einem Level mit dem VfB Stuttgart oder der TSG 1899 Hoffenheim?

Schrof: Von den aktuellen Platzierungen ja, bei der Ausgeglichenheit der jeweiligen Kader noch nicht. Gerade mit der Fertigstellung unseres Trainingszentrums werden wir in diesem Punkt sicherlich auch weitere Schritte nach vorne machen.

Wie kann man Erfolge im Jugendfußball überhaupt festmachen?

Schrof: Objektiv betrachtet natürlich an den Tabellen-Positionen, den Titeln, der Anzahl der Spieler, die in den nächsten Jahrgang übernommen werden und an der Anzahl jener, die es in den Profi-Kader schaffen. Jedoch steht vor allem die Entwicklung eines jeden Talents im Vordergrund, die man nicht immer nur an Ergebnissen oder Erfolgen festmachen kann. Sie sollen vor allem Spaß und Freude am Fußball haben – gepaart mit einem gesunden Ehrgeiz und der nötigen Professionalität kommen dann mannschaftliche wie auch individuelle Erfolge von ganz alleine.

Mehr und mehr wird der Mangel an Typen bemängelt. Verläuft die Ausbildung zu linear?

Schrof: Leadertypen und Führungsspieler braucht jede Mannschaft. Ohne einen verlängerten Arm des Trainers funktioniert kein Team. Es ist Aufgabe der Trainer, solche Spieler zu formen. Jedoch bilden sich die sogenannten Führungsspieler im Laufe der Zeit auch selbst heraus, denn sie reifen bei uns ja nicht nur als Fußballer, sondern auch als Menschen.