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Holger Badstuber: "Meine Entwicklung hätten mir nicht viele zugetraut"

Als Teenager aus dem schwäbischen Memmingen schloss sich Holger Badstuber einst der Nachwuchsabteilung von Bayern München an. Zunächst als "Pendler", später als Internatler wurde dem heute 25-Jährigen das Mia-san-Mia-Gen eingeimpft.

In seiner ehemaligen Heimat, dem Jugendhaus an der Säbener Straße, traf sich Badstuber zum Exklusiv-Interview mit Goal. Und blickte im ersten Teil zurück auf die Zeit, die er dort verlebte, sprach unter anderem über weit entfernte Ziele, die Schule fürs Leben, seine besondere Beziehung zu seinem Weggefährten Thomas Müller und nicht für möglich gehaltene Durchbrüche.

Herr Badstuber, wie intensiv sind Ihre Erinnerungen an die Zeit im Bayern-Internat?

Holger Badstuber: Sehr intensiv. Das war immerhin die erste Station nach Zuhause für mich - und mit 16 Jahren ein enormer Schritt, hierher zu kommen, mit anderen Jungs zusammen zu wohnen und seinen Alltag selber zu gestalten. Das sind große und wichtige Erinnerungen. Man hat Erfahrungen gemacht, die für das spätere Leben wichtig waren.

Mit welchen Ihrer Internatskollegen haben Sie sich besonders gut verstanden?

Badstuber: Ich war hier zwei Jahre lang. Im ersten Jahr hatten wir eine sehr gute Truppe mit Spielern wie Tom Schütz, der jetzt in Bielefeld spielt oder Stefano Celozzi (aktuell beim VfL Bochum unter Vertrag, Anm. d. Red.). Da hat man nach und nach seine Freundschaften geknüpft, hat lustige Abende zusammen verlebt. Letztendlich war es aber glaube ich die ganze Gruppe, die sich einfach gut verstanden hat.

Welche Rolle hat Ihre Familie trotz der Entfernung, die zwischen Ihnen lag, auf dem Weg zum Profi gespielt?

Badstuber: Ich bin jemand, der aus einer großen Familie kommt. Daher war es für mich sehr wichtig, dass sie nicht allzu weit weg waren, mich am Wochenende auch mal besucht haben oder ich an freien Tagen nach Hause fahren konnte. Auch meine Freunde dort immer mal wieder sehen zu können, hat gut getan.

Würden Sie die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten nicht nur als Schule für den Fußball, sondern grundlegend auch als Schule fürs Leben bezeichnen?

Badstuber: Absolut. Für mich ist das sogar die erste Priorität, dort fürs Leben zu lernen. Sich selber zu organisieren, in ein neues Umfeld zu kommen, neue soziale Kontakte zu knüpfen. Das ist schon ein sehr bedeutender Schritt und ungemein wichtig. Aber unmittelbar danach kommt natürlich der Fußball.

Sie hatten schon in der Bayern-Jugend große Konkurrenz in den verschiedenen Mannschaften, saßen auch mal auf der Bank. Rückt das Ziel Profi da manchmal in weite Ferne?

Badstuber: Das ist in der Jugend prinzipiell in weiter Ferne. Aber es gilt dann einfach, dranzubleiben, hart an sich zu arbeiten und speziell die schwierigen Phasen durchzustehen. Bei mir gab es diese Abschnitte vor allem in der B- und A-Jugend, als es nicht rund lief, als Verletzungen hinzu kamen und man auch mal draußen saß. Das war keine leichte Zeit für mich. Aber ich denke, ich bin damit - besonders in Anbetracht meiner erst 16, 17 Jahre - ganz gut umgegangen, habe die richtigen Schlüsse daraus gezogen und dann meine Chance genutzt.

Man lernt ja durch Turniere und Spiele auch die Talente anderer Großklubs kennen, begegnet sich oft. Gab es darunter jemanden, der sie überrascht hat, dem sie nicht zugetraut hätten, es einmal so weit zu bringen?

Badstuber: Marco Reus. Ich kenne ihn schon sehr lange von Turnieren, bei denen er mit Borussia Dortmund auch dabei war. Er war damals ein zierlicher Junge. Dann hat man sich eine Zeit lang nicht mehr so oft gesehen. Und auf einmal ist er wieder aufgetaucht, erst bei Ahlen in der 2. Liga, dann bei Gladbach und schließlich wieder in Dortmund. Im Nachhinein war das für mich schön zu sehen, weil er zwischendurch von der Bildfläche verschwunden war. Solch ein Beispiel zeigt eben auch, dass manche Spieler sich erst später entwickeln und erst später den großen Sprung machen. Bei mir war das ja ähnlich. Oder anders gesagt: Mir hätten meine Entwicklung früher auch nicht viele zugetraut.

Können sie sich an den umgekehrten Fall erinnern? Sprich Spieler, die in der Jugend besonders talentiert waren und gehypt wurden, später aber nicht die große Karriere gemacht haben.

Badstuber: Davon gab es viele. Gerade bei Hallenturnieren hat man untereinander geschaut und war sicher: Der wird es schaffen, der auch. Letztlich sind sie dann aber nicht mehr aufgetaucht. Im Nachwuchs sind sie aufgefallen, weil sie vielleicht damals körperlich weiter, viel präsenter waren als andere Spieler. Das hat sich mit der Zeit jedoch relativiert.

Gibt es ein besonderes Spiel mit den Nachwuchsmannschaften, an das Sie sich heute noch gerne erinnern?

Badstuber: Wir hatten in der U15 damals eine sehr gute Mannschaft mit großem Potenzial. Die B-Jugendzeit war allerdings nicht so erfolgreich. In der A-Jugend lief es dafür wieder besser, da standen wir im Finale um die Deutsche Meisterschaft, haben es aber in Leverkusen gegen Bayer verloren. Trotz der Niederlage war das sicherlich ein Highlight, das erste Mal in einem richtigen Stadion vor über 20.000 Zuschauern zu spielen.

Thomas Müller und Sie haben seit der U14/U15 die Bayern-Jugend durchlaufen. Hat man da heute noch eine besondere Beziehung zueinander?

Badstuber: Würde ich schon sagen, Thomas und ich kennen uns jetzt inzwischen seit über zehn Jahren. Da kennt der eine den anderen in- und auswendig. Wir sind hier bei Bayern zusammen groß geworden, haben den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. Das verbindet. Wir sind beide immer noch hier und hatten über die Jahre einen sehr, sehr guten Draht zueinander. Dennoch ist am Ende jeder für sich selbst verantwortlich. Thomas ist seinen Weg gegangen, ich bin meinen Weg gegangen.

Wie lange hat es nach dem Sprung zu den Profis gedauert, bis Training und Spiele an der Seite von Leuten wie Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger Alltag waren?

Badstuber: Wenn man sich zu Beginn gut unterordnen kann und sich clever anstellt, dann geht der Integrationsprozess recht schnell. Ob es jetzt im zwischenmenschlichen Bereich ist oder auf dem Platz. Sportlich passt man sich eben an, lernt mit jeder Trainingseinheit dazu und merkt irgendwann, dass man mithalten kann. Für mich waren es natürlich glückliche Umstände, dass unser damaliger Trainer Louis van Gaal derart auf mich gebaut hat.

War es in der ersten Zeit bei den Profis wichtig, inmitten der ganzen Stars mit Thomas Müller stets eine vertraute Bezugsperson zu haben?

Badstuber: Ja durchaus, für uns beide war das alles ja Neuland. Es war hilfreich, sich austauschen zu können und man hat sich leichter getan, weil ein langjähriger Mitspieler den Sprung zur gleichen Zeit geschafft hat.

Den Sprung in die Nationalmannschaft haben Sie seinerzeit auch gemeinsam mit Müller geschafft. Ist die Rückkehr dorthin etwas, was Sie sich als ganz klares Ziel gesteckt haben?

Badstuber: Absolut. Für mich zählt nur, mich weiter zu entwickeln, alles aus mir heraus zu holen. Und wenn man schon mal in der Nationalmannschaft war, dann will man dahin auch sehr gerne wieder zurück, ganz klar.

Im zweiten Teil des Interviews lest Ihr, wie Holger Badstuber mit seinen schweren Verletzungen umging, was er daraus lernen konnte, warum die Liebe zum Fußball unerschütterlich ist - und welch ehrgeiziges Ziel der FC Bayern erreichen will.

 

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