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Felix Magath: "Trainer beim HSV haben keine echte Chance"

Hamburg/London. Er macht keinen Hehl daraus, dass er dem Hamburger SV gerne im Abstiegskampf geholfen hätte. Zwar sieht Felix Magaths Philosophie eine Nähe zu Vereinen und Spielern nicht vor - doch beim Thema HSV ist es irgendwie anders. Zu den Rothosen hat der gebürtige Aschaffenburger eine besondere Verbindung: Zehn Jahre lange schnürte er in Hamburg die Stiefel, traf im Finale des Europapokals der Landesmeister 1983 in Athen zum entscheidenden 1:0 und stieg an die Spitze des europäischen Fußballs auf. Beinahe hätte es in diesem Jahr ein Wiedersehen gegeben, denn vor seiner Unterschrift beim FC Fulham stand Magath kurz vor einer Rückkehr auf die Trainerbank des HSV. Warum die Verhandlungen scheiterten, was er über die Ausgliederung des Profifußballs denkt und welches abschließende Fazit er aus seiner Zeit in London zieht, lest Ihr im zweiten Teil unseres Exklusivinterviews.

Herr Magath, Sie bemängeln, dass zu wenige junge Spieler in der englischen Premier League den Durchbruch schaffen. Haben Sie Verbesserungsvorschläge?

Felix Magath: Natürlich hatte ich gehofft, dass ich noch den einen oder anderen Mitarbeiter für die Nachwuchsabteilung oder das Scouting mit deutschem Know-How mitbringen könnte, um die Ausbildung auf ein höheres Niveau zu heben. Ein großes Thema in England ist das Geld, das den Druck Richtung schnellen Erfolg erhöht. Man kauft lieber fertige ausländische Stars und baut nicht auf die eigene Jugend. Diesem Trend wollte ich eine andere Philosophie entgegensetzen, den heimischen Talenten eine Chance einräumen. Wer mit Nachwuchs arbeiten will, braucht Zeit und Mut, den in England nur wenige haben. Auch stand die Premier League einst dafür, dass der sportliche Leiter die Richtung vorgegeben hat. Das Manager-Modell bewährte sich hervorragend, Trainer in England hatten dadurch eine längere Verweildauer. Der sportlich Verantwortliche wurde länger geschützt und unterstützt. Das hat sich mittlerweile auch gewandelt. Die Premier League ist leider dabei, sich in dieser Frage der Bundesliga anzupassen.

Wie sähe für Sie die ideale Zusammenarbeit in einem Verein aus?

Magtah: Ich werde immer sehr gerne dargestellt als jemand, der alles alleine machen will. Das ist Unsinn. Wenn jemand mit mir oder für mich die Dinge erledigen würde, wäre ich doch sehr dankbar. Ich freue mich über jeden Manager, der gleichberechtigt mit mir eine Mannschaft entwickelt. Es müssen aber beide für Erfolg und Misserfolg einstehen und verantwortlich gemacht werden. Es gibt nur sehr wenige Beispiele, wo man sich vom Manager getrennt und den Trainer behalten hat. Mittlerweile ist ein Klima entstanden, in dem Trainer regelrecht zum Freiwild für Medien und Vereinsmanager werden. Seit Längerem ist es mir ein Dorn im Auge, dass die Verbände ihre Trainer nicht genügend schützen und schätzen. Als Vizepräsident des Bundes deutscher Fußballlehrer liegt mir das Berufsbild der Trainer natürlich besonders am Herzen. Ich hätte mich gefreut und mir auch gewünscht, dass sich der DFB für den Weltmeistertitel auch bei den Bundesligatrainern bedankt hätte, die diese Spieler gefördert, entwickelt und trainiert haben.

Haben Sie nach Ihrer Entlassung bei Fulham noch Spaß am Trainerjob?

Magath: Ja. Ich bin nach wie vor von meiner Arbeit überzeugt. Es ist aber klar, dass ich nur in einem Verein arbeiten kann, der hinter meiner Arbeitsweise steht und mich deshalb auch unterstützt. Ich weiß, dass ich in meinem Bestreben viel zu erreichen sehr fordernd bin. Aber dass dies auch zu überraschend großen Erfolgen geführt hat, findet in der Beurteilung meiner Arbeit keinen Widerhall. Als Spieler des HSV habe ich einen Erfolgsweg erlebt, der den Hamburger Sportverein bis an die Spitze Europas führte, zu zwei Europapokalsiegen und zu drei Meisterschaften. Dieser Weg ist natürlich steinig, weil er auf Ordnung, Disziplin und körperlicher Fitness basiert. Natürlich erwarte ich, dass meine Spieler professionell arbeiten. Das sind Grundvoraussetzungen, um im Mannschaftssport Erfolg zu haben und verlangt von den Spielern eine hohe Professionalität.

Können sich vorstellen, weiterhin im Ausland zu arbeiten?

Magath: Das kann ich. Ich glaube, dass ich auch einem Verein im Ausland Impulse geben kann. Natürlich gibt es im Ausland genügend Vereine, die vom deutschen Fußballfachwissen profitieren könnten. Immerhin stellen wir den aktuellen Weltmeister und haben eine der stärksten Ligen der Welt.

Vor Ihrer Unterschrift in London haben Sie lange mit dem Hamburger SV verhandelt. Viele Fans des Vereins haben Ihnen den plötzlichen Schritt zum FC Fulham nicht verziehen. Wie lief es damals ab?

Magath: Mitglieder des Aufsichtsrates des HSV haben mich in der Rückserie der vergangenen Saison nach der Niederlage in Hoffenheim kontaktiert. Ich habe klargestellt, dass ich dem Verein sehr gerne helfen möchte. Allerdings nicht nur als Retter bis zum Ende der Saison.

Teil eins: "Die Situation war schon zu verfahren" - Felix Magath über die Zeit bei Fulham

Wie hat man auf Ihren Vorschlag reagiert?

Magath: Der damals in sich völlig zerstrittene Aufsichtsrat hat wochenlang getagt und konnte oder wollte sich zu keiner Entscheidung durchringen. Als ich dann eine Einladung zu Gesprächen von Fulham bekam, habe ich die Gesprächspartner beim HSV umgehend vom Angebot eines anderen Vereins informiert. Seit Jahren krankt der HSV daran, dass er nicht gut geführt ist und eine Perspektive für die Zukunft braucht. Deshalb habe ich mir eine andere Rolle vorgestellt, als die des Feuerwehrmannes.

Der HSV hat im Sommer seine Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert. War das ein richtiger Schritt?

Magath: Der HSV musste etwas verändern. Wenn Sie mich fragen: Ausgliederung? Ja. Es gibt für alles im Leben einen richtigen Zeitpunkt. Aber es war im Januar der verkehrte Zeitpunkt dieses Thema anzustoßen und sich darauf zu stürzen. Es wurde nur über die Ausgliederung diskutiert, obwohl die sportliche Führung des Vereins die schwerste Krise seiner Geschichte zu bewältigen hatte.

Wie bewerten Sie den "Neustart" des HSV nach der Ausgliederung?

Magath: Ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist, jedes Jahr die Trainer auszuwechseln. Man hat die Trainer in den vergangenen Jahren so schwach gemacht, dass niemand mehr eine echte Chance hat. Wenn Sie viel Geld haben, können Sie sich alles kaufen und einen starken Verein aufbauen. Top-Klubs wie Real Madrid, Barcelona oder der FC Bayern sind den anderen Vereinen finanziell aber meilenweit voraus. Deshalb muss man es anders machen als sie. Denken Sie an die Fohlen-Elf von Borussia Mönchengladbach oder die jungen Wilden vom VfB Stuttgart. Da konnte man die Lücke zum FC Bayern noch etwas schließen, das Geld mit harter Arbeit schlagen.

Bedauern Sie die Entwicklung im Profifußball?

Magath: Nein. Ich bin einer der wenigen, der seit 1974 bis heute dabei ist, die gesamte Entwicklung miterlebt und mitgestaltet hat. Ich würde mir heutzutage einfach mehr Ehrlichkeit wünschen. Fußball hat sich zu einem Geschäft entwickelt, bei dem der Sport eine immer kleinere Rolle spielt. Ich bin auch Teil des Geschäfts und habe gut verdient, das stelle ich überhaupt nicht in Abrede. Aber ich habe den Sport immer hochgehalten. Die Entwicklung im Fußball, weg vom Sport hin zur Show, haben nicht alle Vereine verkraftet.