Gerald Asamoah: „Was haben Kahn oder Effenberg mit dem Nationalteam gewonnen?“

EXKLUSIV - Gerald Asamoah hat alles gesehen. Meisterduelle, Nationalmannschaft und nun auch Abstiegskampf. Für Goal.com nahm er sich nach dem Spiel gegen Bremen extra Zeit.
Fürth. Gerald Asamoah tat an diesem Tag alles für die drei Punkte seines Vereins gegen Werder Bremen. Doch Greuther Fürth kam am Samstag erneut nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. Nach der Partie sprach der heimliche Anführer des Aufsteigers exklusiv mit Goal.com und beantwortete Fragen zu seiner derzeitigen Situation, dem FC Schalke und der Nationalmannschaft.

Herr Asamoah, Ihr Team hat heute ihr erstes Tor im heimischen Stadion erzielt. Wie groß war die Erleichterung?

Gerald Asamoah: „Natürlich sehr groß. Wenn man ständig gesagt bekommt und lesen muss, dass man zu Hause nicht trifft und als Deppen bezeichnet wird. Wichtig war einfach, dass wir heute nicht verlieren.“

Ihre eigene Rolle hat sich auch schon verändert. Nachdem Sie zu Beginn als Joker auftraten, stehen sie nun in der Startformation und nehmen auch eine gewisse Führungsrolle ein. Wie bewerten sie die Konkurrenzsituation im Sturm?

Gerald Asamoah: „Der Trainer weiß, was er an mir hat. Ich bin Teil dieser Mannschaft, egal, ob ich spiele oder nicht spiele. Ich versuche immer, der Mannschaft Tipps zu geben. Jetzt habe ich drei Spiele in Folge gespielt – wir müssen abwarten, wie es weitergeht.“

Sie sagen immer, Ihre Heimat ist blau und in Gelsenkirchen. Heute hat der FC Schalke den Club besiegt – für sie gleich doppelt schön?

Gerald Asamoah: „Natürlich guckt man immer rüber, weil ich immer noch Schalker bin. Ob die gegen den Club gewonnen haben, ist mir eigentlich scheißegal. Mir ist nur wichtig, dass Schalke gewonnen hat. Wir müssen nur auf uns schauen und unsere Punkte holen.“

Glauben Sie, die Spielvereinigung hat genug Qualität, um sich im ersten Jahr in der Liga zu halten?

Gerald Asamoah: „Was für eine Antwort erwarten sie von mir? Nein?“

Vielleicht können Sie erläutern, warum es reicht…

Gerald Asamoah: „Klar, weil wir eine gute Mannschaft haben. Wenn man sieht, wie engagiert wir zu Werke gehen. Heute hätte ein Elfmeter für uns gepfiffen müssen. Wenn wir das Glück noch mehr auf unsere Seite bringen, haben wir eine sehr gute Chance, in der Liga zu bleiben.“

Zur Nationalmannschaft: Sie waren mehrere Jahre Teil des Teams. Verfolgen Sie die aktuelle Diskussion um Bundestrainer Joachim Löw?

Gerald Asamoah: „Ja, natürlich. Wenn du Fußballer bist, versuchst du, jedes Spiel mitzubekommen. Wenn du jahrelang im Nationalteam dabei warst, kennst du die meisten Spieler, da guckt man schon rüber. Natürlich ist es schade, dass ein Trainer, der das Team seit Jahren aufgebaut hat, so in Frage gestellt wird. Die Jungs spielen sehr, sehr guten Fußball. Die ganze Arbeit wird sich irgendwann auszahlen und die Titel werden dann auch rausspringen.“

Wird für Sie zu viel an Titeln gemessen, gerade in der Nationalmannschaft?

Gerald Asamoah: „Deutschland will natürlich den Titel holen. Man kann sich nicht mit dem Finale oder dem Halbfinale zufriedengeben. Wenn du dein Leben lebst und keine Ziele hast, dann wirst du nicht viel erreichen. Es ist klar, dass sich ein Land wie Deutschland solche Ziele setzen muss. Und ich glaube auch, dass sie irgendwann ihren Titel holen werden.“

Es gab immer wieder die Diskussion um die flache Hierarchie und fehlende Typen wie früher Oliver Kahn oder Stefan Effenberg, die nun wohl so nicht mehr existieren sollen. Sie kennen die meisten aktuellen Nationalspieler – würden Sie dies bestätigen?

Gerald Asamoah: „Das ist eine Generationenfrage. Es kommt auf den Charakter an. Ein Mesut Özil muss nicht unbedingt rumschreien, er versucht, auf dem Platz sein Spiel zu machen. Man kann einen Typ wie Effenberg oder Kahn nicht schnitzen. Jeder Mensch ist anders und darum sollte man auch die aktuellen Charaktere zur Entfaltung kommen lassen.“

   „Es ist klar, dass sich ein Land wie Deutschland solche Ziele setzen muss. Und ich glaube auch, dass sie irgendwann ihren Titel holen werden.“

Gerald Asamoah zur Situation der Deutschen Nationalmannschaft

Also Sie glauben, dass die deutsche Titellosigkeit der letzten Jahre nicht an fehlenden Charakteren hängt?

Gerald Asamoah: „Hier frage ich mich: Was haben ein Kahn oder ein Effenberg denn mit der Nationalmannschaft gewonnen? Klar hat Oliver Kahn mit dem FC Bayern viel erreicht, aber mit dem DFB haben wir damals auch nie einen Titel geholt, auch wenn wir nah dran waren. Die Jungs jetzt haben eine gute Chance und eine gute Mannschaft und ich glaube fest daran, dass sie ihren Titel holen werden.“

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