HSV: Schwere Vorwürfe gegen Ex-Vorstand Joachim Hilke

Der ehemalige Marketing-Chef steht im Verdacht, Vereinsvermögen veruntreut zu haben. Landet der Fall nun vor Gericht?

HINTERGRUND

Eigentlich klingt die Meldung völlig harmlos: Über seine Homepage verkündete der Hamburger SV gestern das Ende der Kooperation mit der Agentur Match IQ, die seit 2013 Trainingslager und Freundschaftsspiele der Rothosen organisierte. Dahinter steckt allerdings eine Geschichte, die den Bundesliga-Dino bis in seine Grundfesten erschüttern könnte. Offenbar liegen Beweise vor, wonach sich der im November 2016 ausgeschiedene Ex-Marketingvorstand Joachim Hilke mit Hilfe dieser Agentur bereichert haben soll. Der HSV kündigte sowohl Hilke (Vertrag lief noch bis Ende Juni weiter) als auch der Agentur (Vertrag bis 2018) fristlos.

Aufsichtsrat prüfte Verträge

Worum geht es? 2011 stellt Joachim Hilke seinen ehemaligen Kollegen Nicholas MacGowan vom Sportrechtevermarkter Sportfive beim HSV als Bereichsleiter Business Management ein. MacGowan kümmert sich unter anderem um die Organisation von Freundschaftsspielen und Trainingslagern - bis dato Aufgabe von Klubmanager und Vereinslegende Bernd Wehmeyer. Die neue Aufgabenverteilung sorgt von Beginn an für Irritationen, 2013 kommt es zum Bruch. MacGowan verlässt den HSV und macht sich mit "Match IQ" selbstständig. Sein erster Kunde? Der HSV.

Der damalige Aufsichtsrat bekommt von dem Vertrag mit der jungen Agentur eher zufällig mit und stellt Nachforschungen an. Ungewöhnliche Konditionen (zum Beispiel eine horrende Spesenpauschale) wecken den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten. Zudem finden einige Kontrolleure heraus, dass einer der Gesellschafter der Agentur ein guter Freund Hilkes ist. Sie verdächtigen ihn, über Umwege an der Agentur beteiligt zu sein. Dies wäre gesetzlich verboten.

Zu einem Abschluss der Nachforschungen kommt es aber nie, da der Aufsichtsrat parallel mit etlichen Indiskretionen in den eigenen Reihen zu kämpfen hat. Im Februar 2014 tritt die Hälfte des Aufsichtsrates zurück.

Hilke wollte zu Match IQ wechseln

Zwei Jahre später wird Hilkes Verbindung zu Match IQ erneut ein Thema. Diesmal allerdings auf einer öffentlichen Mitgliederversammlung. Einige Redner hinterfragen den Sinn dieser Kooperation und die wirtschaftlichen Vorteile für den HSV (mehr dazu hier). Zuvor hatte Hilke den Kontrakt zu verbesserten Konditionen für die Agentur bis 2018 verlängert. Plausible Antworten bekommen die Mitglieder nicht. Stattdessen lässt der damalige Aufsichtsratschef Karl Gernandt wissen: "Wir wollen transparent sein, aber nicht jeden Kleinkram diskutieren."

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Möglich ist, dass das Thema Match IQ und Hilke nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft wird. Seitdem vor etwa zwei Wochen bekannt wurde, dass der 49-Jährige in die Geschäftsführung der Agentur wechseln will, wurde der Vorgang intern neu aufgerollt. Hilke bestreitet zwar, über Match IQ quasi doppelt verdient zu haben. Schriftstücke sollen aber das Gegenteil belegen.

Hilke selbst dementiert im Hamburger Abendblatt: "Mir sind keine Vorteile jedweder Art aus der Agenturbeziehung zugekommen. Ich habe stets im Interesse des HSV gehandelt."

Der HSV wollte sich auf Goal-Anfrage nicht dazu äußern.