HSV-Stürmer unter Beobachtung: Bobby Wood weckt Begehrlichkeiten

Schon vor seinem Wechsel in die Bundesliga stand der Stürmer auf dem Zettel einiger Scouts aus der Premier League. Kann der HSV ihn über den Sommer hinaus halten?

HINTERGRUND

Eigentlich war der Talent-Sichter des FC Liverpool wegen eines anderen Spielers ins Stadion an der alten Försterei nach Berlin gekommen. Taiwo Awoniyi, vergangene Saison von den "Reds" an den FSV Frankfurt ausgeliehen, hatte sich beim letztjährigen Zweitligisten nach langer Anlaufzeit endlich in die Stammelf gekämpft und wartete am 25. Spieltag gegen Union Berlin auf seinen vierten Einsatz in Folge. Doch FSV-Trainer Tomas Oral entschied sich an diesem Tag zunächst für ein anderes Sturmduo. Der damals 18-jährige Awoniyi kam erst in der 77. Minute zum Einsatz und sah vorher genau wie der Liverpooler Scout dabei zu, wie sich ein anderer in die Notizblöcke der großen Klubs schoss: Bobby Wood.

Erlebe die Bundesliga-Highlights auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Der US-Amerikaner machte ein gutes Spiel, traf doppelt und weckte beim Scout des Premier League-Klubs aufgrund seiner Spielweise offensichtlich Interesse, wie der Berliner Kurier drei Wochen später zu berichten wusste. Ein konkretes Angebot der von Jürgen Klopp trainierten Liverpooler gab es zwar nicht, zumal die Verhandlungen mit dem Hamburger SV zu diesem Zeitpunkt bereits sehr weit fortgeschritten waren.

Hamburgs bester Torjäger

Fakt ist jedoch, dass Wood seitdem auf der Beobachtungsliste steht und auch eine Liga höher zu gefallen weiß. Für den HSV schoss der 24-Jährige in 20 Spielen bereits sieben Treffer, zuletzt im Pokal gegen den 1. FC Köln. Kein Wunder also, dass er national und international Begehrlichkeiten weckt.

Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Tore der Nationalspieler am Ende der Saison auf seinem Konto hat, sondern auch um die schnelle Anpassung an ein für einen Stürmer meist undankbares HSV-Spielsystem mit vielen langen und hohen Bällen. Doch Wood stellt sich uneigennützig in den Dienst der Mannschaft, war beim 3:0 der Rothosen in Leipzig an 18 Luftduellen beteiligt und konnte immerhin sechs davon gewinnen, um neue Spielsituationen für seine Kollegen zu schaffen.

Sich trotz schwieriger Bedingungen und widriger Umstände durchzusetzen, ist für Wood jedoch nicht neu. Schon mit 14 wagte er den Schritt von den USA in die Jugendabteilung des TSV 1860 München. Eine Erfahrung, die ihn zu der starken Persönlichkeit machte, die er heute ist. Denn Wood wurde in Deutschland alles andere als herzlich aufgenommen.

Bobby Wood USA 09062016
Bobby Wood ist fester Bestandteil des amerikanischen Nationalteams

Der New York Times erzählte er im Spätherbst des letzten Jahres von seinen Anfängen, Mobbing und Rassismus. "Hier herrscht eine andere Kultur. In Kalifornien waren wir alle beste Freunde. In Europa fragten sie nur: 'Wer ist dieser Neue?' Sie haben sich in ihrer Sprache lustig über mich gemacht", sagte Wood. Auch wegen seiner Hautfarbe sei er in München erstmals in seinem Leben mit Diskriminierung konfrontiert worden.

Vertrag bis 2020

Und selbst im Fußball habe er eine Ungleichbehandlung gespürt, wie er an einem Beispiel deutlich machte: "Wir hatten in München einmal einen Brasilianer zum Probetraining bei uns, der fürchterlich spielte. Aber nur weil er Brasilianer war, nahmen die Leute an, er sei ein großartige Spieler. Als Amerikaner hatte ich immer das Gefühl, dreimal mehr tun zu müssen als die anderen", glaubt Wood, der seinen Karriereweg anderen nicht empfehlen würde. "Doch er hat mich stark gemacht und mich als Person verändert."

Der gebürtige Hawaiianer hat beim Bundesliga-Dino einen Vertrag bis 2020 unterschrieben. Es wäre vermessen, nach nur einem Jahr in Deutschlands höchster Spielklasse den nächsten Karriereschritt anzustreben. Entwickelt er sich allerdings weiterhin in so rasantem Tempo, dürfte es für den HSV schwer werden, ihn langfristig zu halten. Ob es seit dem vergangenen Jahr noch einmal Kontakt zum FC Liverpool gab, wollte sein Management indes nicht kommentieren.

Am Samstagabend hat Wood im Duell mit dem SC Freiburg die nächste Gelegenheit, sich in Erinnerung zu rufen. Und den Bundesliga-Dino aus dem Tabellenkeller zu schießen.