Verkehrte Welt in Glasgow

Seit 21 Partien hatte Celtic zuhause nicht mehr verloren. Nicht einmal ManCity siegte dort. Bis die auswärtsschwachen Fohlen kamen und einen richtig abgezockten Aufritt hinlegten.

HINTERGRUND

Kein Raffael? Kein Thorgan Hazard? Kein Fabian Johnson? Kein Problem! Lars Stindl und Andre Hahn legen einen blitzsauberen Auftritt gegen Celtic Glasgow hin und besorgten Borussia Mönchengladbach einen völlig verdienten Sieg und damit eine glänzende Ausgangsposition für das Überwintern in Europa.

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Vermutlich war es das wichtigste Spiel für die Gladbacher in der Gruppenphase. Davon ausgehend, dass die Titelkandidaten Barcelona und Manchester City in der Regel ihre Hausaufgaben erledigen, war es das Duell mit Celtic um einen (entscheidenden) Vorteil im Kampf um Platz drei. Verlieren war für Gladbach verboten, zumal die Schotten zuhause gegen City schon einen Bonuspunkt geholt hatten.

Personell sah es überhaupt nicht rosig aus für die Schubert-Elf: Torjäger Raffael fehlte erneut, dazu fielen auch noch Andreas Christensen, Fabian Johnson und Eden Hazard aus. Dazu kam die Auswärtsschwäche, die seit Wochen bei Gladbach durchschlägt.

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Doch den Widrigkeiten und des Drucks zum Trotz machen die Gladbacher ihre Sache von Anfang an gut. Sie ließen sich von der imposanten Atmosphäre (O-Ton Jonas Hofmann: "Das war mit das Lauteste, was ich in meiner Karriere gehört habe") im Celtic Park nicht einschüchtern, sondern traten ruhig und besonnen auf.

"Haben uns nicht beeindrucken lassen"

"Es war ein sehr guter Auftritt unserer Mannschaft. Wir haben uns von der Stimmung nicht beeindrucken lassen", lobte Manager Max Eberl nach dem Schlusspfiff bei Sky. Mit dem Anpfiff hatten die Gäste die Partie im Griff und waren deutlich das Team mit der besseren Spielanlage. Allein: Es sprang erstmal nichts heraus dabei. Raffael-Verteter Andre Hahn hatte die erste Gelegenheit (4.), später ließen auch Traore (17.) und Hofmann (26.) gute Chancen aus.

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Es war ein wirklich reifer Auftritt der Gäste: Die neu formierte Abwehr um Jannik Vestergaard und Nico Elvedi stand mit ganz wenigen Ausnahmen sicher. In der Zentrale machte Tobias Strobl (gewann starke 73 Prozent seiner 15 Zweikämpfe) neben Ballgewinner Christoph Kramer praktisch keinen Fehler und Jonas Hofmann, der überraschend in der Startelf stand, rechtfertigte seinen Einsatz. Prädikat "geschlossene Mannschaftsleistung".

Stindl und Hahn ragen heraus

Heraus ragten aus dem Fohlen-Kollektiv am Ende Kapitän Lars Stindl und Andre Hahn. Sie legten sich die beiden Treffer nach dem Seitenwechsel jeweils gegenseitig auf. Besonders das Führungstor war sehenswert: An der Grundlinie spitzelte Hahn mit vollem Einsatz Kolo Toure das Leder vom Fuß, Stindl antizipierte richtig und knallte den Ball aus halblinker Position über die Linie. Ein Tor, triefend vor Willen und Entschlossenheit. Von Auswärtsschwäche oder dergleichen keine Spur.


Lars Stindl bejubelt das 1:0 für die Fohlenelf

Andre Schubert sagte: "Ich habe eine gute Mannschaft, auch wenn einige wichtige Spieler nicht dabei waren. Wir haben gut gespielt und es war eine reife Leistung. Die Konzentration hat mir gut gefallen und waren sehr stabil. Jetzt haben wir auch unsere ersten Sieg in der Champions League und beim nächste Mal müssen wir uns wieder neu beweisen."

Dank dieser drei Punkte sieht es für Gladbach wieder freundlicher aus. Das Polster vor dem Rückspiel gegen die Schotten beträgt zwei Punkte, ein Sieg im erneuten Duell bedeutete praktisch das Ticket für die Europa League. Und wer weiß: Aktuell ist es nur ein Zähler Rückstand auf Manchester City, das ja auch auch in den Borussia Park kommen muss.

Doch so weit wollten die rund 4.000 mitgereisten Gladbacher Fans in Glasgow noch nicht denken. Sie fassten vielmehr das kommende Wochenende ins Auge und skandierten mit Blick auf den Klassiker in der Allianz Arena am Samstag: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus."