Gladbachs Mahmoud Dahoud: Dem ersten Knick entfliehen

Das zweite Jahr nach dem Durchbruch gilt als das schwerste. Mo Dahoud kann davon derzeit ein Lied singen. Allerdings gibt es Anlass zur Hoffnung auf baldige Besserung.

HINTERGRUND
Andre Schubert ist durchaus ein analytischer Trainer und keiner, der zu impulsiven Aussagen neigt. Einer, der in Pressegesprächen bereitwillig Auskunft gibt, seine Worte aber mit Bedacht wählt. Es ist also davon auszugehen, dass er in der vergangenen Woche eine Frage zur Nichtberücksichtigung von Mahmoud Dahoud durchaus absichtlich entwaffnend ehrlich beantwortete.

Beim 1:1 von Schuberts Gladbachern gegen Leipzig hatte Dahoud 90 Minuten lang auf der Bank gesessen, sein Coach erklärte anschließend: "Ich suche immer nach der bestmöglichen Lösung für meine Mannschaft. Mo ist nicht an der Leistungsgrenze, die er in der vergangenen Saison in der Hinrunde und weitgehend auch in der Rückserie erreicht hat."


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Eine klare Ansage in Richtung des 20-Jährigen, für den es in der Vorsaison so steil bergauf ging und der nun zum Start der neuen Saison bemerkenswert häufig nur die Rolle des Ersatzspielers einnahm. Es ist der erste kleine Knick in der Karriere Dahouds.

Vom Zentrum auf die Ersatzbank

Der Junioren-Nationalspieler (vier Einsätze für Deutschlands U21) trumpfte vor einem Jahr groß auf. Er schwang sich an der Seite Granit Xhakas zum Dirigenten der Gladbacher auf, die nach dem missratenen Start durch die Liga fegten und am Ende noch die erneute Teilnahme an der Champions League eintüteten. "Mo" Dahoud war in aller Munde, weil er Eleganz mit Einsatz paarte, weil er trotz seines jungen Alters über viel Übersicht verfügte und Ruhe ins Spiel bringen konnte.

In dieser Saison saß Dahoud in drei von fünf Partien 90 Minuten lang auf der Bank. Am Wochenende gegen Ingolstadt absolvierte er das erste Spiel über die volle Distanz. Das hatte so im Vorfeld der Saison wohl niemand erwartet.

Ein Grund ist sicher die neue Rollenverteilung im Fohlen-Mittelfeld. Platzhirsch Xhaka ist nicht mehr da, dafür kehrte Christoph Kramer zurück. Jener Kramer, dessen Position Dahoud 2015/16 so formidabel ausfüllte. Kramer hat noch längst nicht wieder jene Stärke, die ihn 2014 in den WM-Kader spülte und die Erwartungen an Dahoud sind gestiegen. Zudem ist die Konkurrenz groß, denn Neuzugang Tobias Strobl schlägt sich bisher sehr gut und auch Innenverteidiger Andreas Christensen durfte schon aushilfsweise in der Zentrale ran. Es fehlen also noch die Automatismen, die Aufgaben im Maschinenraum der Fohlen müssen teilweise neu verteilt werden. Dahoud empfahl sich dafür im Training nicht ausreichend, die defensiver orientierten Konkurrenten schon.

Gut möglich außerdem, dass das Theater um einen möglichen Wechsel im Sommer nicht geholfen hat. Dahoud steht in Mönchengladbach noch bis 2018 unter Vertrag. Der Klub möchte gerne verlängern. Das Top-Talent, das seit seinem 14. Lebensjahr für die Borussia spielt, zögert noch. Es keimten Spekulationen auf, Dahoud habe für den Sommer 2017 eine Ausstiegsklausel in Höhe von schlappen zehn Millionen Euro. Es folgten Dementis, die Unruhe blieb.

Kein Wunder, denn die Liste der Interessenten ist lang. Der FC Liverpool ist scharf auf Dahoud und will im kommenden Sommer einen neuen Anlauf unternehmen. Auch Manchester City und Italiens Rekordmeister Juventus Turin sollen ein Auge auf ihn geworfen haben.

Dahoud vs. Barcelona - das passt!

Es prasselte also viel herein auf den schüchternen Edeltechniker, der nur wenig Interviews gibt und der sich einzig auf dem Platz, im Mittelpunkt des Geschehens, wohlfühlt.

Nun geht es für Dahoud und Co. gegen Barcelona (Mittwoch, 20.45 Uhr im LIVE-TICKER ). Einen Gegner, zu dessen Spiel kein Gladbacher so gut passt wie er. Unter Pep Guardiola wurde es einst perfektioniert, dieses Spiel mit einem Kontakt und dem ständigen Anbieten. Dem Nachgehen und dem perfekten Besetzen von Räumen. All das kann auch Dahoud unglaublich gut. Er verfügt über ein brillantes Spielverständnis und ist eben immer in Bewegung. Er schaltet nach einer Aktion niemals ab, sondern geht immer nach. "Wenn ich stehe, dann habe ich das Gefühl, dass ich aus dem Spiel raus bin. Ich versuche halt immer, die Lücken zu schließen, anspielbar zu sein", erklärte Dahoud vor der Sommerpause dem kicker.


Bundesliga-Top-11: Dahoud meldet sich zurück


Dieser Ansatz war dann auch gegen Ingolstadt (2:0) am Samstag erstmals wieder eindrucksvoll zu erkennen. Dahoud rutschte nur durch einen Muskelfaserriss bei Strobl in die Startelf und lieferte seine beste Leistung seit Wochen ab. Er war der Gladbacher, der die meisten Meter auf dem Spielfeld abspulte und hatte an beiden Treffern entscheidenden Anteil. Es war ein Auftritt, der Hoffnung darauf macht, dass der Rechtsfuß nach den klaren Worten seines Trainers die Wende geschafft hat und nun wieder zu alter Stärke findet.

Große Reden wollte er später nicht schwingen, sondern erklärte nur: "Ich freue mich, dass der Trainer mir wieder das Vertrauen geschenkt hat und ich wieder von Beginn an spielen durfte." Andre Schubert ergänzte: "Er hat es in der Situation auf der Position gut gemacht. Er ist ein toller Junge, aber lasst ihn einfach mal in Ruhe."

Dahoud soll also beweisen, dass das Ingolstadt-Spiel kein Ausreißer nach oben war, sondern dass er sich wieder der Form aus der vergangenen Spielzeit nähert. Dann muss Coach Schubert auch keine deutlichen Worte mehr finden.