Schalke-Neuzugang Konoplyanka: Der Mann mit den zwei Gesichtern

Kurz vor Toreschluss gab es auf Schalke noch einen Kracher zu vermelden. Doch passt der Sane-Ersatz nach Gelsenkirchen? Goal nimmt den Ukrainer unter die Lupe.

Gibt man bei Youtube den Namen Yevhen Konoplyanka ein, werden sofort die Zusätze "Skills" und "Speed" vorgeschlagen. Spätestens, nachdem man dann die erste Minute eines solchen Highlightvideos über den Linksaußen gesehen hat, wird klar: Der Junge hat wirklich was drauf. In Diensten des FC Sevilla vernaschte er mit seinem unglaublichen Tempo unter anderem die Stars von Real Madrid und dem FC Barcelona .

Doch nicht nur die Spanier können ein Lied von der Klasse des 26-Jährigen singen. Auch in der Champions League machte sich Konoplyanka in der vergangenen Saison einen Namen. Gegen Borussia Mönchengladbach stach er im Hinspiel als Joker und verwandelte eine Eckenvariante frech zum 3:0. Ein weiterer Treffer gegen Manchester City (1:2) und die entscheidende Torvorlage gegen Juventus Turin (1:0) machen die gute CL-Bilanz des Ukrainers perfekt. 

Kurz vor Transferschluss überraschte der FC Schalke mit der Verpflichtung des Flügelflitzers. "Wir hatten Konoplyanka schon seit einiger Zeit im Fokus und sind froh, dass der Wechsel nun geklappt hat", freute sich Sportvorstand Christian Heidel bei der Bekanntgabe des Transfers. "Wir freuen uns auf einen torgefährlichen und schnellen Mittelfeldspieler, der auf beiden Außenbahnen eingesetzt werden kann", schwärmt auch Cheftrainer Markus Weinzierl.

Mehr Torbeteiligungen als Vorgänger Sane

Der Ukrainer, der von seinen Mitspielern nur "Kono" gerufen wird, wechselt zunächst für eine Spielzeit auf Leihbasis ins Ruhrgebiet. Während die Bild von einer anschließenden "Kaufpflicht" in Höhe von 12,5 Millionen Euro spricht, berichten andere Medien von einer Kaufoption in Höhe von rund 16 Millionen.

Auf Schalke hat Konoplyanka nun die Aufgabe, in die Fußstapfen von Leroy Sane zu treten, der in der vergangenen Saison noch einer der Top-Scorer der Gelsenkirchener war. Neun Treffer und sieben Vorlagen steuerte Sane in der abgelaufenen Spielzeit bei (42 Einsätze).

Vergleicht man Sanes Bilanz mit Konoplyanka, muss sich der Ukrainer keineswegs verstecken. 52 Mal trug der 26-Jährige das Trikot der Andalusier. Dabei erzielte er acht Tore und bereitete neun weitere vor – unter dem Strich also mehr direkte Torbeteiligungen als sein Schalker Vorgänger. Warum also gibt Sevilla einen solchen Spieler für verhältnismäßig wenig Geld nach nur einem Jahr direkt wieder ab, werden sich viele Fans der Schalker fragen.

"Erwartungen in Sevilla nicht erfüllt"

Die Gründe dafür liegen tiefer, als ein schneller Blick auf die reinen Statistiken erahnen lässt. Im Sommer 2015 kam Konoplyanka ablösefrei vom ukrainischen Top-Klub Dnipro Dnipropetrovsk nach Spanien und sollte einer der Stars der Mannschaft sein. Entsprechend machte man ihn gleich zum Spitzenverdiener im Team (rund fünf Millionen Euro Jahresgehalt). Mit dem hohen Gehalt gingen beim Europa-League-Sieger auch sehr hohe Erwartungen einher.

Nach verheißungsvollem Beginn fühlte sich der Ukrainer in der spanischen Metropole allerdings zunehmend unwohl, weiß Goals Sevilla-Korrespondent Francisco Rico: "Er wurde nie so richtig warm mit der Mentalität der Spanier und der Spielweise in der Primera Division. Zudem hatte er massive Sprachprobleme und war immer auf seinen Übersetzer angewiesen."

Auf Grund derartiger Anpassungsschwierigkeiten fand sich Konoplyanka in Sevilla häufig auf der Bank wieder (nur 19 von 52 Einsätzen über 90 Minuten) – ein neues Gefühl für den Ukrainer, der sowohl in der Nationalmannschaft als auch in der heimischen Liga immer als der große Star galt und stets zum Stammpersonal gehörte.

"Unter dem Strich hat er die hohen Erwartungen der Klubbosse in Sevilla nicht erfüllt. Nach dem Abgang von Cheftrainer Unai Emery hat man in Sevilla gehofft, dass Konoplyanka unter Jorge Sampaoli endlich durchstartet, doch auch unter Sampaoli hatte er einen schweren Stand", beschreibt Rico seine Sicht auf das Geschehen in Sevilla.

Vorne top – hinten flop?

Spätestens nach dem Spiel um den UEFA-Super-Cup gegen Real Madrid (2:3 n.V) standen die Zeichen in Causa Konoplyanka klar auf Trennung. Hier zeigte er einmal mehr seine zwei Gesichter: Als Einwechselspieler erzielte der Rechtsfuß zwar die zwischenzeitliche 2:1-Führung für sein Team, in der Verlängerung ließ er Real-Rechtsverteidiger Daniel Carvajal jedoch alle Freiheiten und trägt somit Mitschuld an der Niederlage.

"Die Verteidigung ist seine größte Schwäche. Es scheint, als mag er es einfach nicht. Ohne Frage ist er offensiv ein phänomenaler Spieler, doch defensiv ist noch viel Luft nach oben", erklärt Rico. Nach massiver medialer Kritik entschloss sich der 56-malige Nationalspieler schließlich für einen Wechsel in die Bundesliga.

Ob Konoplyanka Deutschland in den kommenden Monaten mit seiner Finesse, seinen Dribblings und Toren begeistert, oder ob er häufiger sein zweites Gesicht zeigt, bleibt abzuwarten. Der Spieler selbst blickt jedenfalls optimistisch in die Zukunft: "Es ist genial, bei einem solchen Verein mit solchen Fans uns solch einem Stadion spielen zu dürfen. Ich hoffe, dass ich dem Klub helfen kann, die gesteckten Ziele erreichen zu können."

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