Thorgan Hazard: Der Schritt aus dem Schatten

Ein erfolgreicher Bruder kann Fluch und Segen zugleich sein. Der Gladbacher hat nun die Gelegenheit, die eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben und die Vergleiche abzuschütteln.

Vier Brüder gab es früher bei den Hazards – und man kann sich nur ungefähr vorstellen, wie es im Haus in La Louviere in Belgien zugegangen ist, als das Quartett dort aufwuchs. Drei der vier Söhne haben es inzwischen zum Fußball-Profi gebracht, der jüngste, Ethan, spielt mit zwölf Jahren ebenfalls schon im Nachwuchsleistungszentrum eines Zweitligisten.


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Talent und Ehrgeiz haben die Hazards allesamt mitgebracht, beide Eltern waren ebenfalls erfolgreiche Fußballer. Doch niemand konnte im familieninternen Wettstreit die Messlatte so hochlegen, wie es Eden Hazard, der älteste Sohn, inzwischen gemacht hat. Mit seinen 25 Jahren ist er nicht nur der Star in Belgiens Nationalteam, sondern er wurde mit Chelsea auch schon englischer Meister sowie zum besten Spieler der Premier League gewählt.

"Die Jungs haben sich untereinander nie verglichen. Es gab nie Neid", stellte Thierry Hazard, Vater der Vier, gegenüber dem Spiegel fest. Doch der Schatten, den Eden mit seinen Erfolgen geworfen hat, ist lang. Und um selbst glänzen zu können, müssen die anderen Drei irgendwann aus diesem Schatten heraustreten.

Schritt zur Emanzipation

Thorgan Hazard ist zwei Jahre jünger als Eden und inzwischen in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach angekommen. Im vergangenen Sommer wurde er von den Fohlen für acht Millionen Euro von Chelsea verpflichtet, das ihn geholt hatte, weil die Blues auf einen ähnlichen Karriereverlauf wie bei ihrem Eden hofften. Das Versprechen, das sein Nachname abgegeben hatte, konnte er nicht ganz einlösen. Doch bei Borussia Mönchengladbach hat sich der 23-Jährige inzwischen in den Vordergrund gespielt – und arbeitet daran, dass nicht immer die Formulierung "der Bruder von" fällt, wenn über ihn gesprochen wird.

Einen wichtigen Schritt bei der Emanzipation vom allgegenwärtigen großen Bruder könnte Thorgan Hazard am Mittwoch unternehmen. Dann geht es für die Gladbacher in der Qualifikation zur Champions League gegen die Young Boys aus Bern (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) – und nach dem 3:1-Auswärtserfolg im ersten Duell hat der Bundesligist hervorragende Karten, um den Sprung in die Königsklasse zu schaffen.

Damit wäre immerhin ein Hazard in der Champions League mit dabei und würde die Familienehre retten. Denn weil Chelsea nach der vergangenen schlechten Saison international zum Zuschauen verurteilt ist, käme diese Aufgabe nun Thorgan zu. "Mein fußballerisches Niveau hat sich durch die internationalen Spiele gesteigert", bekannte der Gladbacher zuletzt bei bundesliga.de. Während Eden Hazard schon ganz früh ganz oben war, ist sein jüngerer Bruder im Vergleich eher ein Spätstarter.

Thorgan, der Fleißigste

Einer, der schon in der vergangenen Saison nach einem wackligen Beginn mit vielen Kurzeinsätzen den Vereinsverantwortlichen am Niederrhein gezeigt hat, dass noch viel mehr in ihm steckt. "Technisch gesehen ist Eden der beste, aber was den Fleiß angeht, ist Thorgan vorne", sagte Vater Thierry. Dieser Fleiß hat sich in der Rückrunde ausgezahlt, als ihm acht seiner neun Bundesliga-Scorerpunkte gelangen. Und auch im Hinspiel gegen die Young Boys stand er nun wie selbstverständlich in der Startelf und lieferte beim 3:1 eine Vorlage.

"Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren sehr gut bei Borussia eingelebt. Ich kann mich jetzt voll darauf konzentrieren, im Training Gas zu geben, sodass ich für den Trainer so oft wie möglich eine Option bin", sagte Thorgan Hazard bei bundesliga.de. Die Option, sich im Schatten seines großen Bruders zu verstecken, gibt es für den Gladbacher nun nicht mehr. Er will auf der großen Bühne selbst glänzen.