Der VfL Wolfsburg und sein Stürmerproblem

Bei den Wölfen drückt der Schuh im Angriff, die Abhängigkeit von Dost und Kruse ist zu hoch. Der eine ist verletzt, der andere außer Form. Ist Klaus Allofs schuld?

"Ein bisschen ärgerlich ist, dass ich vier Tore hätte machen müssen", scherzte Andre Schürrle  nach seiner Drei-Tore-Gala beim 4:0  des VfL Wolfsburg  im Niedersachsenderby bei Hannover 96.

Was klingt, wie die Worte eines Goalgetters, bei dem es auf den ein oder anderen Treffer auch nicht mehr ankommt, sind jedoch die Aussagen des drittteuersten Bundesliga-Einkaufs der Geschichte, der in seinem 51. Pflichtspiel für die Wölfe gerade mal seine Treffer fünf, sechs und sieben erzielt hat.

Eine überschaubare Quote für einen Offensivspieler, der rund 32 Millionen Euro gekostet hat. Dennoch ist Schürrle eigentlich gar kein klassischer Mittelstürmer - für die Treffer in der VW-Stadt sollten Bas Dost und Nicklas Bendtner verantwortlich sein.


Experiment Bendtner vorläufig gescheitert


Doch während der eine seinen Mittelfußbruch auskuriert, war der andere zuletzt bisweilen gar nicht im Kader. Und auch Max Kruse, der seit der Dost-Verletzung an vorderster Front ran durfte, ist kein klassischer Knipser und kommt eher aus der Tiefe - zumal er in der Liga seit Ende November ohne Treffer ist.

Wolfsburg hat ein Stürmerproblem - und das nicht erst seit gestern. In den letzten elf Liga-Partien erzielten die Wölfe gerade mal 13 Treffer, der Vizemeister ist in die Bedeutungslosigkeit des Mittelmaß abgerutscht und muss gar um den Einzug in das internationale Geschäft in der kommenden Saison bangen. 

Die Ansprüche sind hoch, neben den Bayern und Dortmund wollte man sich als dritte Kraft in Deutschland etablieren. Mittlerweile ist man aber auf den Boden der Realität zurückgeholt worden, was möglicherweise auch an einer fehlgeschlagenen Transferpolitik liegt.

Dass mit Dost der einzige treffsichere Stürmer langfristig ausfallen wird, war bereits im Winter bekannt. Auch, dass Bendtner eher durch sein Privatleben als durch seine Leistungen auf dem Platz auf sich aufmerksam macht. Und auch die Tatsache, dass es Kruse als alleiniger Spitze an der nötigen Durchschlagskraft fehlt, zumal da der Ex-Gladbacher die Belastung nicht alleine schultern kann.

Dennoch tat sich auf dem Transfermarkt nichts, obwohl "die finanziellen Möglichkeiten, etwas zu machen" laut Klaus Allofs gegeben gewesen wären. Doch der Manager verzichtete auf die Transferoffensive. "Wir haben auch so die Qualität, um zu den besten vier Mannschaften in Deutschland zu gehören. Das muss herausgekitzelt werden. Da ist noch eine Menge Luft."

Qualität wird nicht abgerufen

Sieben Spieltage nach der Winterpause kitzelt man in Wolfsburg weiterhin vergeblich, die Qualität wird nach wie vor nicht abgerufen - mit Schürrle tat sich am Dienstag immerhin ein Lichtblick auf. Klar ist aber auch, dass er den VfL nicht im Alleingang nach oben schießen kann.

Mit einer Rückkehr von Dost ist wohl erst Anfang April zu rechnen und auch dann wird es etwas Zeit brauchen, bis der 1,96-Meter-Hüne wieder in Form kommt. Ein Zeitpunkt, an dem es möglicherweise schon zu spät ist, die Saison noch zu retten.

Das Weiterkommen in der Champions League gegen Außenseiter Gent ist nach dem 3:2 im Hinspiel aktuell umso mehr Pflicht. Alles was danach kommt, ist wohl nicht mehr als die oftmals zitierte "Kür". Die eigentlichen Ziele droht Wolfsburg in dieser Saison aber zu verpassen.

Die Qualifikation zur Champions League als eine der vier besten Mannschaften, so lautete die Ansage von Allofs, welche angesichts von nur fünf Punkten Rückstand auf den vierten Rang und der damit verbundenen Qualifikation durchaus realistisch ist. Doch die Qualität der Konkurrenten ist groß, Wolfsburg fehlt es darüber hinaus an der nötigen Konstanz.


Verletztem Naldo droht Saisonaus


Alleine auf die Hoffnung zu setzen, dass die verletzungsgebeutelten Leverkusener oder das kriselnde Schalke noch einige Zähler liegen lässt, dürfte den Ansprüchen der Wölfe kaum genügen - im Moment wird ihnen aber nichts anderes übrig bleiben.

Immerhin hat man mit Bruno Henrique und Leandro Putaro, der erst kürzlich mit einem Profivertrag ausgestattet wurde, zwei hoffnungsvolle Stürmer in der Hinterhand. Noch fehlt es aber an der nötigen Klasse, weshalb mehr als jeweils zwei Kurzeinsätze noch nicht drin waren.

Am Ende ist Wolfsburg zu sehr von Dost und Kruse abhängig, immerhin haben sie genau ein Drittel aller Wolfsburg-Treffer erzielt. Und so ist die Verletzung des einen sowie die Formkrise des anderen ein Grund, warum man den Erwartungen in der VW-Stadt doch deutlich hinterherhinkt.