Sebastian Rode: Mentalitätsmonster ohne Lobby?

Er genießt beim FC Bayern hohe Wertschätzung, auf Einsatzzeiten wartet er dennoch seit Längerem vergeblich. Pep Guardiolas Begründung für die Lage ist vage.

"So lange ich hier bin", sagte Pep Guardiola einmal, "wird auch Sebastian Rode hier sein." Der spanische Fußballlehrer wollte mit jenem Satz seine große Wertschätzung für den Mittelfeldmann vom FC Bayern München ausdrücken. Für einen Spieler, der selten im Mittelpunkt steht, aber immer bereit ist.

Inhaltlich haben seine Worte zwar auch 2016 Gültigkeit, die Botschaft dahinter untermauerte Guardiola aber nicht. Schon in der Hinrunde spielte Rode nur eine Nebenrolle.

Einen Wechsel im Winter lehnten die Klubbosse dennoch kategorisch ab. Rode sollte bleiben. Und auch "Sebastian wollte nicht weg. Er wollte sich durchbeißen", verrät Berater Branko Panic im Gespräch mit Goal. Bloß bekam Rode dazu kaum Möglichkeiten. Lediglich zehn Minuten stand er in sieben Rückrunden-Spielen auf dem Rasen. In Turin gehörte er nicht einmal zum Kader.

"Es liegt ausschließlich an der Konkurrenz"

Hat Guardiola etwa das Vertrauen in Rode verloren? "Er arbeitet hart, seine Einstellung ist gut. Ich sehe keinen Grund, warum Sebastian nicht mehr spielt", erklärte der Spanier auf der Pressekonferenz am Freitag auf Goal-Nachfrage. 

Dann versuchte er doch, Gründe zu liefern. "Es liegt ausschließlich an der Konkurrenz, es gibt keinen anderen Grund. Das weiß er", so Guardiola. Verständlich, betrachtet man all die prominenten Namen, die sich um die Positionen im Mittelfeld zanken. Merkwürdig, bewertet man allein die Leistung. 

Schließlich ist es ja nicht so, dass sich Rodes Konkurrenten im defensiven Mittelfeld mit tadellosen Vorstellungen unverzichtbar gemacht hätten. Nicht selten performte Xabi Alonso nur durchschnittlich, Arturo Vidal machte in Turin sein erstes richtig gutes Spiel für die Münchner überhaupt.

Nur zwei Spiele von Beginn

Rode dagegen überzeugte bei seinen einzigen beiden Startelfeinsätzen. Zum 3:0-Sieg in Darmstadt steuerte der 25-Jährige ein Tor und eine Vorlage bei, in der Champions League machte er im Spiel bei Dinamo Zagreb (2:0) eine gute Figur, trat auch hier als Vorbereiter in Erscheinung. Angekommene Zuspiele: über 90 Prozent.

Matthias Sammer bezeichnete Rode nach dem Spiel in Darmstadt als "Mentalitätsmonster". Die Geschichte des FC Bayern habe gezeigt, erklärte der Sportvorstand seinerzeit, "dass es auf solche Spieler ankommt. Auch wenn die Vergleiche zu Jens Jeremies oder Hasan Salihamidzic hinken - aber solche Spieler braucht eine Mannschaft. Sie sind der Kitt zwischen den Elementen, der alles zusammenhält".

In der vergangenen Spielzeit durfte Rode noch Kitt sein, seine Leistungen wurden mit Einsatzminuten honoriert. 35 Mal stand er wettberwebsübergreifend auf dem Platz, im Hinspiel gegen Bayer Leverkusen (1:0) etwa hatte der Rechtsfuß nach seiner Einwechslung maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Ausgang. 

Plötzlich aber war Rode kein Thema mehr. Zehn Spiele, davon acht Kurzeinsätze, und nicht einmal 300 Minuten stehen für die aktuelle Saison zu Buche.

"Er verdient diese Situation nicht"

"Das Problem ist nicht die Konkurrenz. Sebastian genießt hohe Wertschätzung, er hat aber keine Lobby - dabei hat er immer seine Leistung gebracht", meint Panic. 

Eines ist klar: Rode braucht Spielzeit, um seine Entwicklung zu forcieren. Die Lage muss sich verändern, verbessern. Am liebsten, so hofft die Rode-Seite, schon am Samstag. Dann ist der deutsche Rekordmeister in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg zu Gast (15.30 Uhr im LIVE-TICKER). Bei einem von mehreren in der Champions League vertretenen Klubs, die nach Goal-Informationen in den vergangenen beiden Transferperioden am ehemaligen Jugend-Nationalspieler interessiert waren und abblitzten.

Bekommt Rode in der Autostadt die ersehnte Chance? "Vielleicht", gab sich Guardiola undurchsichtig. "Wenn einer von diesen Spielern aufäuft, dann ist es Sebastian." Mit "diesen Spielern" meinte er wohl die anderen Reservisten.

Letztendlich musste auch Guardiola einsehen: "Es ist hart für Sebastian, er verdient diese Situation nicht." Dabei liegt es doch an ihm, diese zu verändern - und die Wertschätzung, die er einst äußerte, mit Einsatzzeiten zu untermauern.

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