Henrikh Mkhitaryan: Der unverzichtbare Passkünstler

Als in den vergangenen Wochen die Offensive des BVB im Fokus stand, sprachen alle über Aubameyang. Gegen Werder zeigte Mkhitaryan abermals, wie wertvoll er jedoch inzwischen ist.

Plötzlich wurde Henrikh Mkhitaryan von einem Gegenstand am Kopf getroffen. Er schaute auf, schüttelte sich und lief weiter. Nach dem Aufwärmen war er auf dem Weg zum Spielertunnel an der Bremer Ostkurve vorbeigelaufen und wurde von einem Becherhalter am Kopf getroffen. Kein wirklicher Aufreger, zumal nichts passierte, sagten die BVB-Verantwortlichen nach dem Spiel. Mkhitaryan hätte dieser Vorfall ohnehin nicht beschäftigt.

Wie der ehemalige Schiedsrichter Bernd Heynemann am Sonntag im Doppelpass erklärte, müsse der Unparteiische in solchen Situationen aber beurteilen, ob er das Spiel wirklich anpfeifen möchte. Tobias Welz tat dies glücklicherweise. Ja, für Mkhitaryan schien es gar ein kleiner Weckruf gewesen zu sein. Ein Ansporn, es den Werder-Fans zu zeigen.

Der Mittelfeldspieler spielte nämlich eine überragende Partie. Zwei direkte Torvorbereitungen, dazu machte er einen Treffer selbst beim 3:1-Erfolg seiner Dortmunder. Starke Ausbeute. Noch stärker war sein Gesamtauftritt. Mit Ilkay Gündogan duellierte er sich im eigenen Team um die Krone des Passkünstlers. Ein Zuspiel nach dem anderen landete punktgenau bei seinem Abnehmer, ein Angriff nach dem anderen ging über ihn.

"Ein überragendes Spiel"

Beim 2:1 wurde er mit einer Außenristflanke von Mats Hummels bedient. Mkhitaryan sprang in den Ball und nickte per Flugkopfball (!) ein. Ein Treffer mit Seltenheitswert. Die Leistung allerdings nicht. Denn der Armenier spielt, seitdem Thomas Tuchel die Mannschaft im Sommer übernommen hat, auf einem sehr hohen Niveau. "Er hat heute wieder ein überragendes Spiel gemacht", lobte Marco Reus seinen formstarken Kollegen.


Henrikh Mkhitaryan (l.) jubelt mit Doppeltorschützen Marco Reus

In nun 18 Spielen traf er bereits zwölf Mal und bereitete elf Treffer vor. Dabei eilte ihm nach durchwachsener Vorsaison bereits der Ruf des Chancentodes voraus. Kein Wunder, dass Tuchel nach der Partie ins Schwärmen geriet. "Auf Micki ist Verlass", sagte er und ergänzte: "Ich bin sehr zufrieden." Die Wertschätzung des Trainers für seinen eher introvertierten Mittelfeldregisseur ist bekannt.

Mkhitaryan rechtfertigt langsam die Ablöse

Im Sommer hatten die beiden ein langes Gespräch, Tuchel überzeugte Mkhitaryan von seinen Ideen. Er sprach ihm Vertrauen aus. Und der 26-Jährige zahlt es zurück. In dieser Saison lässt er nun endlich erkennen, warum der BVB im Sommer 2013 27,5 Millionen Euro an Schachtjor Donezk überwies.

Tuchel weiß genau, was er an Mkhitaryan hat: "Er ist ein absoluter Wettkämpfer mit unglaublicher Effektivität. Er hat den nächsten Schritt gemacht." Im neuen System kommen dessen Qualitäten besser zu Geltung als noch unter Jürgen Klopp. Er fand nie die ideale Rolle für den sensiblen Mkhitaryan.

Die offensive Last verteilt sich unter Tuchel auf mehrere Schultern. So kann Micki seine Passfähigkeiten, die Schnelligkeit und seine Übersicht besser ausspielen. "Mkhitaryan spielt mit einer Körperlichkeit im Passspiel, in den Tacklings und in den Dribblings, die beeindruckend ist", so der Coach nach der Partie gegen Bremen.

Bereits vor Monaten sagte Tuchel, dass er stolz sei, mit Mkhitaryan arbeiten zu dürfen: "Ihn zeichnet der Trainingsfleiß, seine Offenheit und seine Herzlichkeit aus." Die Mitspieler sind ebenfalls begeistert. "Ich bin ein großer Fan vom Menschen und Fußballer Mkhitaryan. Er ist ein Profi, der alles mitbringt, um ein Topspieler zu sein. Ich hoffe, dass dieses Jahr das beste hier wird", erklärte BVB-Kapitän Mats Hummels einmal.

So wie es aktuell aussieht, könnte es tatsächlich die Saison des Henrikh Mkhitaryan werden. In Bremen hat er jedenfalls eindrucksvoll bewiesen, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringt.