Emiliano Insua beim VfB Stuttgart: Eine perfekte Symbiose

Die Beziehung zwischen dem Argentinier und Stuttgart hat Therapiecharakter mit beiderseitigem Nutzen. Während es für Insua die letzte Chance ist, will der VfB endlich Kontinuität.

Der VfB Stuttgart hat endlich wieder einen Weltmeister' könnte man sagen, wenn man es positiv sieht. 'Der VfB Stuttgart gewährt einem Gescheiterten ein neues Zuhause" könnte man sagen, wenn man es negativ sieht. Am Ende wird sich Emiliano Insua wohl irgendwo dazwischen einreihen, denn im Prinzip trifft beides zu.

Als frischgebackener Spieler des FC Liverpool gewann der Argentinier mit heutigen Weltstars wie Sergio Agüero oder Angel Di Maria die U20-Weltmeisterschaft 2007, ehe er sich in der Folge zu einem Nomadenleben in ganz Europa gezwungen sah. England, Türkei, Portugal, Spanien und Deutschland - Insua kam in seiner Karriere viel herum.

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Dabei ist der Defensivmann gerade einmal 26 Jahre alt und hat insgesamt bereits bei sieben unterschiedlichen Klubs angeheuert. Ein beachtlicher Rucksack für einen Fußballer im besten Alter. "Neues Land, neue Herausforderung - ich habe große Lust, mein neues Trikot auf dem Spielfeld zu tragen", so Insua nach seinem Stuttgart-Wechsel via Twitter.

Früher Wechsel ein Fehler?

Am Ende wohl nicht mehr als eine Floskel in der bisherigen Vereinswüste des Spielers, der seine Klubs sicherlich nicht aus dem Anlass, möglichst viele neue Kulturen kennenzulernen, so häufig gewechselt hat. Vielmehr sind nicht eingehaltene Versprechungen, verpasste Erwartungen und die Schnelllebigkeit des Geschäfts dafür verantwortlich.

Heute noch ein Star, morgen schon fast vergessen - Insua kann ein Lied davon singen und muss sich die Frage gefallen lassen, ob ein Wechsel im Alter von 18 Jahren von Argentinien nach England sinnvoll ist. "Bei Liverpool zu unterschreiben war ein fantastischer Moment und etwas, das ich in meinem jungen Alter nicht erwartet hatte. Jeder argentinische Fußballer will in Europa spielen", erklärte er damals.

Wenngleich er während seiner sechsmonatigen Ausleihe zunächst nur sporadisch zum Einsatz kam, statteten ihn die Reds und Trainer Rafael Benitez mit einem Dreijahresvertrag aus. Der Spanier galt als großer Fan von Insua, hielt ihn aber stets an der kurzen Leine. 62 Pflichtspiele in dreieinhalb Jahren an der Anfield Road sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache.

Sesshaft wurde er aber auch nicht bei Galatasaray und Sporting Club de Portugal, wobei er in eineinhalb Jahren in Lissabon immerhin zum Stammspieler reifte. Schließlich meldete sich Atletico Madrid und Insua erlag der Verlockung, sei es doch "ein Kindheitstraum" gewesen, einmal für den Hauptstadtklub aus Spanien zu spielen.

Abermals ein Fehler, wie sich nur eine Saison und sechs LaLiga-Spiele später herausstellen sollte. In Madrid gab es kein Vorbeikommen an Filipe Luis und später Christian Ansaldi sowie Guilherme Siqueira. Eine Leihe zu Nachbar Rayo Vallecano war die logische Folge, wo Insua mit 23 Partien durchaus Fuß fassen konnte.

Auf Empfehlung von Martin Demichelis landete der Linksverteidiger letztendlich im Schwabenland, wenngleich Alternativen vorhanden waren. "Es gab auch die Möglichkeit, zu Sporting oder River Plate zu gehen. Aber als Stuttgart anrief, hatte ich keinen anderen Gedanken, als hierher zu kommen", erklärte er bei seiner Vorstellung und freute sich gleichzeitig auf die Bundesliga. "Es geht sehr köperbetont zu, ähnlich wie in England. Das liegt mir, ich bin ein aggressiver Spielertyp."

Letzte Chance Stuttgart ...

Obwohl Stuttgart mittlerweile weit vom internationalen Geschäft und dem Erfolg vergangener Tage weg ist, kann der VfB seinem Neuzugang etwas bieten, was er woanders kaum bekommen hat: Spielzeit und uneingeschränkte Wertschätzung.

Insua passt wie die Faust aufs Auge in die Mannschaft von Trainer Alexander Zorniger und ist auf seiner Position endgültig gesetzt, nachdem sich dort zuletzt Gotoku Sakai, Adam Hlousek oder Konstantin Rausch mit mäßigem Erfolg versuchten. Mit seinen zehn Einsätzen in der Champions League und diversen Duellen in der Europa League bringt er zudem internationale Erfahrung mit nach Stuttgart.

Dennoch dürfte es für Insua die letzte Chance sein, sich nachhaltig zu beweisen. Immerhin spielt er in der aktuell zweitstärksten europäischen Liga und sollte in seinem Klub eine entscheidende Rolle einnehmen. Können die jeweiligen Parteien ihre Ansprüche erfüllen, könnte es eine perfekte Symbiose für alle Beteiligten werden.

"Ich wusste, dass es ein großer Klub ist, deshalb freue ich mich, dass ich jetzt hier bin. Jetzt wollen wir schauen, dass wir es in Zukunft wieder besser machen, als zuletzt", erklärte Insua. Eine Aussage, wie sie für beide Seiten nicht treffender sein könnte.