Robbery beim FC Bayern: Die quälende Ungewissheit

Neue Saison, alte Sorgen: Riberys Gesundheit bereitet in München weiter Kopfzerbrechen. Robben kennt das Gefühl der Machtlosigkeit - er dient als Vorbild.

Langsam ist Arjen Robben beileibe nicht. Er führt ein Leben auf der Überholspur, zumindest in den Fußballstadien dieser Welt. Raffiniert bändigt er Zuspiele, um danach Fahrt aufzunehmen. Abrupt und unwiderstehlich. So hat er die Verteidiger meist bereits im Rücken, wenn er den Blinker setzt. Fern des Platzes entschleunigt der Turbo-Dribbler des FC Bayern dagegen. Im Kreise seiner Liebsten etwa, oder wenn es darum geht, seinen Körper zu hegen.

Arjen Robben beim Pressetalk: "Guardiola hat die schwierigste Aufgabe"

"Bei mir", lächelte er, "dauert es immer - und manchmal ein bisschen länger." An jenem Donnerstag besonders lang. Pep Guardiola dehnte, vom Perfektionismus getrieben, sechs Tage nach dem 5:0-Auftaktspektakel in der Bundesliga gegen Hamburg kurzerhand das Training aus. Bloß mit dem Kabinengang war für Robben die Arbeit nicht getan. "Ich habe mein eigenes Programm, mit Behandlungen und Fitnessraum."

Tipico

Gegen 14 Uhr, zwei Stunden nach dem eigentlichen Termin, spazierte er in den Presseraum. Ihm tue die Verspätung leid, aber "ich brauche diese Zeit". Sie hilft ihm, das Geschehene zu resümieren, vor allem das sportliche Kapital, seine Beine, zu pflegen. Die Vergangenheit hat ihm jene Sorgsamkeit gelehrt. Früh nämlich sah sich Robben mit Rückschlägen konfrontiert. Er wurde von zahllosen Verletzungen, mal harmlosen, mal gravierenden, ausgebremst.

Horror-Szenario Machtlosigkeit

Über Chelsea und Real Madrid landete er in München. Bei den Bayern zauberte er und stählte die störrischen Bänder, Sehnen, Muskeln. Heute, mit 31 Jahren, hat er noch Großes vor. Der Mann aus Kristall wirkt fitter denn je. Im Gegensatz zu Franck Ribery, seinem Pedant auf Links: "Es ist eine schwierige Situation für ihn", sagte Robben auf Goal-Nachfrage: "Von außen ist es kaum zu verstehen, was da in einem Profi vorgeht, wie hart das ist."

Am 11. März bestritt der Franzose sein letztes Pflichtspiel. Ein paar Tage sollte er fehlen. Wochen, ja gar Monate zogen ins Land. Im April 2015 reagierte Ribery im exklusiven Goal-Interview ratlos: "Ich wusste nicht, dass es sich derart ziehen wird." Anfang Juli folgte der Tiefpunkt: Gips, Ruhigstellung des Sprunggelenks - die erhoffte Rückkehr im Sommer dahin. "Es gibt Verletzungen, da sagt der Doktor, in drei, vier Wochen bist du fit. Und dann bist du es. Es gibt leider auch kompliziertere wie bei Franck."

Robben hatte das einst selbst miterlebt. Monatelang setzte ihn eine hartnäckige Schambeinentzündung außer Gefecht. "Plötzlich konnte keiner ein Datum nennen, wann ich zurückkomme." Für Sportler, die stets nach Höherem streben und sich ihren Antrieb daraus ziehen, ein Horror-Szenario. "Du kämpfst, willst arbeiten, kannst und darfst allerdings nicht." Eine Ungewissheit, die quälend für die Psyche ist. Hinzu gesellt sich der mediale Aufruhr.

"Als Spieler musst du da durch"

Robben: "Für Franck ist das sehr frustrierend." Zumal er in den letzten drei Jahren vom Schicksal arg gebeutelt wurde. Rücken, Patellasehne, Knöchel - Riberys Körper streikt nach einer Dekade im knochenharten Fußball-Business. Dabei hat er, wie sein Freund, längst erkannt: "Die Regeneration wird wichtiger." Mehr Massagen, mehr Stretching, mehr Schlaf benötige er. "Früher erging es mir nicht so, klar. Mit 22 denkst du weniger nach, schon gar nicht über das Karriereende."

Robbery nähern sich der Ziellinie ihrer Laufbahn. Wie unvermindert hoch ihr Wert für den FCB ist, offenbarte jedoch mitunter das verlorene Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona in der Vorsaison. Am Donnerstagnachmittag sprühte Robben deshalb regelrecht vor Tatendrang. Wann indes Ribery sein Comeback feiert, ist unklar. Obwohl die Saison läuft, muss er kürzer treten. Nichts zu überstürzen und positiv zu bleiben, ist die Krux, das Gleichgewicht zu wahren, essenziell.

"Als Spieler musste du da einfach durch", so Robben. Er kennt das. Wirklich helfen könne er trotzdem nicht. Zwar rede er mit Ribery, jeder im Verein unterstütze ihn. Aber: "Am Ende fühlt nur er seinen Körper." Manche zerbrechen daran, die wenigsten kommen stärker zurück. Robben glückte Letzteres. Er trotzte allen Widrigkeiten und führte Bayern zum Triple. Gemeinsam mit Ribery auf der Überholspur …