Saisoncheck von Borussia Mönchengladbach: Die Schweizer Garde

Am kommenden Wochenende startet die neue Bundesliga-Saison 2015/2016. Vorab nimmt Goal die Top-Teams unter die Lupe. Diesmal an der Reihe: Borussia Mönchengladbach.

Mit Stürmer Max Kruse und Weltmeister Christoph Kramer verließen den Verein zwei wichtige Spieler im Sommer, doch Borussia Mönchengladbach verpflichtete in Josip Drmic und Lars Stindl gleichwertigen Ersatz. Dennoch müssen sich die Neuzugänge erst noch im Konzert der ganz Großen beweisen. Was Pep Guardiola und die Spanier bei Bayern München sind, sind Lucien Favre und die Schweizer bei Gladbach - mit Nico Elvedi und Nachwuchstalent Djibril Sow holte man zwei weitere Eidgenossen nach Nordrhein-Westfalen.

"Sofort! Denn es ist sehr gut gelaufen für uns", erklärte Favre in der Sportbild auf die Frage, ob er mit der Wiederholung des dritten Platzes zufrieden wäre. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir auch von der schwachen Hinrunde des BVB und der schwachen Rückrunde von Schalke profitiert haben. Leverkusen wird noch stärker sein, Wolfsburg sowieso. Es wird schwer für uns, dort oben zu bleiben. Aber wir sind fußballerisch sehr, sehr gut." Was ist drin für die Fohlen? Goal macht den Check!

TOR: Yann Sommer. Die Aufruhr war groß, als Marc-Andre ter Stegen den Verein zur Saison 2013/14 in Richtung FC Barcelona verließ. Sportdirektor Max Eberl und Co ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und verpflichteten mit dem 26-jährigen Sommer einen würdigen und verhältnismäßg preiswerten Ersatzmann, der in seiner Zeit beim FC Basel auch schon international auf sich aufmerksam machen konnte. Wenngleich in seiner ersten Saison für die Gladbacher noch nicht alles optimal verlief, hat sich der elfmalige Schweizer Nationalspieler im Kasten etabliert und geht als unumstrittene Nummer eins in die Saison.

ABWEHR: Martin Stranzl ist mittlerweile 35 Jahre alt und dennoch unumstrittener Leistungsträger, Abwehrchef und Spirutus Rector. "Aufgrund meiner Verletztenhistorie wusste ich schon immer, dass ich Extraschichten machen muss, um fit zu bleiben", erklärte der beste Zweikämpfer der vergangenen Saison im Interview mit 11Freunde seine Frische. "Wenn ich das als Jungprofi nicht gemacht hätte, würde ich jetzt nicht mehr spielen. Ich gehe auch heute noch jeden Tag vor dem Training eine halbe Stunde in den Kraftraum und mache Stabilitätsübungen und Krafttraining." Der Österreicher ist - insofern fit - in der Innenverteidigung gesetzt, neben ihm streiten sich Tony Jantschke und Alvaro Dominguez um einen Platz, während Julian Korb und Oscar Wendt auf den Außenpositionen spielen dürften. Mit einem Gegentorschnitt von 1,01 in den 183 Pflichtspielen unter Favre ist die Abwehr gleichzeitig das Prunkstück der Borussia.

MITTELFELD: Das Hauptaugenmerk in dieser Spielzeit wird auf Neuzugang Lars Stindl liegen, der als Ersatz für Christoph Kramer mit seinen 26 Jahren nun den nächsten Schritt in seiner Karriere machen muss und mit Granit Xhaka die Doppelsechs bilden wird. Der ehemalige Hannoveraner gilt als Allrounder und gefährlicher Torschütze und wird das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive darstellen. Auf den Außenbahnen hat sich hingegen nichts geändert - mit Patrick Herrmann, Andre Hahn, Ibrahima Traore, Thorgan Hazard und Fabian Johnson stehen Coach Favre gleich fünf gestandene Profis zur Verfügung - wohl dem, der über solche Rotationsmöglichkeiten verfügt.

STURM: Branimir Hrgota dürfte sich ärgern, mit Max Kruse ist sein ärgster Konkurrent weg - mit Josip Drmic wird ihm ein neuer vor die Nase gesetzt. Mit 22 und 23 Jahren stehen beide nicht unbedingt für die geballte Fußballerfahrung, doch auch der 30-jährige Raffael agiert meist im offensiven Zentrum und ist mehr Stürmer denn Mittelfeldspieler. Sowohl Drmic als auch Hrgota haben ihr Potenzial mehrmals andeuten können, wobei Favre schon aus so manchem jungen vielversprechenden Talent einen Top-Spieler geformt hat. Ein gewisses Risiko ist zweifelsohne vorhanden, gleichzeitig haben aber sowohl Hrgota als auch Drmic nun die Chance, ihr Können nachhaltig unter Beweis zu stellen.

Mögliche Startelf: Viel dürfte sich im Vergleich zur vergangenen Saison nicht ändern in der ersten Elf der Fohlen. Kramer und Kruse wurden mehr oder weniger Eins-zu-eins durch Stindl und Drmic ersetzt, die entsprechend die Positionen ihrer Vorgänger einnehmen. Raffael wird wohl auch in der kommenden Spielzeit zwischen hängender Spitze und zweitem Stürmer rochieren. Stindl könnte im Vergleich zu Kramer nach Bedarf auch etwas offensiver agieren. Auf den offensiven Außenbahnen hat Favre die Qual der Wahl. Der Rotation sind mit Hazard, Herrmann, Hahn, Traore und Johnson keine Grenzen gesetzt. Realtaktisch dürfte sich das System also irgendwo im Modus zwischen 4-4-2, 4-2-3-1 und 4-1-2-1-2 bewegen.

FINANZEN: Gladbach spielt finanziell zwar nicht in der Königklasse mit, hat in den vergangenen Jahren aber eine grundsolide Arbeit geleistet und sich kontinuierlich gesteigert. In den letzten drei Transferperioden weist der fünfmalige deutscher Meister gerade mal ein Transferminus von zehn Millionen Euro auf und hat seinen Kader dabei sowohl quantitativ als auch qualitativ verstärkt. "Wir haben uns entwickelt. Wir sind eigenständig und unabhängig, haben keine Rechte verkauft. Wir haben uns so aufgestellt, dass wir seit zehn Jahren positive Zahlen schreiben", erklärte Finanzboss Stephan Schippers Anfang des Jahres im Express. "Wir müssen keine Löcher stopfen und können in den Kader investieren - ohne die Zukunft zu riskieren. Wir bekommen Fett auf die Rippen und sind kerngesund." Die regelmäßige Teilnahme am internationalen Geschäft tut ihr Übriges für eine insgesamt erfreuliche Bilanz.

PLAYER TO WATCH: Josip Drmic. Nürnberg, Leverkusen, Gladbach lauteten die Ziele in den letzten drei Wechselperioden des ehemaligen Stürmers vom FC Zürich. Das spricht nicht unbedingt für Kontinuität, obwohl der Schweizer Nationalspieler in seiner ersten Saison beim FCN auf Anhieb überzeugen konnte. In der abgelaufenen Spielzeit bei der Werkself stagnierte die Entwicklung des mittlerweile 23-Jährigen, hinter Stefan Kießling war er nur zweite Wahl. Bei der Borussia kann Drmic sich als vemutlich gesetzter Mittelstürmer nun - auch international - beweisen. Ein wichtiger Punkt seiner Laufbahn, der zeigen wird, wie weit es für ihn mittel- und langfristig gehen kann.

TRAINER: Lucien Favre. Der 57-Jährige trainiert die Gladbacher seit 2011 und gilt mittlerweile als Institution im Borussia-Park. Zu Beginn seiner Amtszeit in der Relagtion gegen den VfL Bochum noch knapp dem Abstieg entkommen, führte der Taktikfuchs den Klub auf Anhieb ins obere Tabellendrittel und etablierte ihn in den letzten vier Jahren mit einem vierten, achten, sechsten und dritten Platz. Der perfektionistische Schweizer hat in der 250.000-Einwohner-Stadt einen attraktiven, auf Ballbesitz und Kombinationsschnelligkeit basierenden Spielstil entwickelt und nebenbei den ein oder anderen Star geformt. Der Vertrag läuft noch bis 2017 und in der Schnelllebigkeit des heutigen Fußballgeschäfts spricht die Dauer seiner Amtszeit ohnehin für sich. 

GOAL-PROGNOSE: Wie Favre schon gesagt hat, eine Wiederholung des dritten Rangs aus der Vorsaison dürfte schwierig werden, nachdem die Gladbacher von vielen Ausrutschern der Konkurrenz profitiert haben. Dies soll aber keineswegs die starke Leistung der Mannschaft und die gute Arbeit des Trainers schmälern. Sollten die Neuzugänge wie erhofft einschlagen, ist ein Platz unter den Top-5 für die Schweizer Garde der Gladbacher absolut realistisch.

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