Effenberg: Stoke? "Shaqiri ist dermaßen schlecht beraten"

Der "Tiger" spricht über den Titelkampf in der Bundesliga, Kevin De Bruyne, den BVB, Thomas Tuchel und erklärt, warum er Shaqiri nicht verstehen kann.

Früher spielte Stefan Effenberg in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach, Bayern München und den VfL Wolfsburg, heute arbeitet der gebürtige Hamburger als Fußballexperte für Sky, erwägt zudem einen Einstieg ins Trainergeschäft.

Für den Pay-TV-Sender besuchte der 47-Jährige alle 18 Bundesligisten, sprach mit Trainern, Verantwortlichen und Spielern. Im Rahmen einer Sky-Medienrunde schilderte "Effe" seine Einblicke und sprach über Bayerns größte Konkurrenten, Thomas Tuchel, Schalke-Neuzugang Johannes Geis und geldgeile Spieler.

Stefan Effenberg über …

… Titelambitionen: Ausgedrückt hat es kein Trainer oder Verantwortlicher. Alle sagen aber: Wenn die Bayern schwächeln, wollen und müssen wir da sein, das haben sie ausgesprochen. Dafür braucht man Konstanz. Es wird schwer, die Bayern zu stoppen, aber es wird mit Sicherheit interessanter als in den vergangenen Saisons. Die Bayern werden nicht noch einmal mit 25, 19 oder zehn Punkten Vorsprung Meister, das wird es nicht mehr geben. Es wird in vielerlei Hinsicht eine spannende Saison: Das Mittelfeld wird brutal eng werden, hinter den Top sechs gibt es ein, zwei Verfolger, Köln zum Beispiel kann eine sehr gute Rolle spielen. Der FC hat sich offensiv super verstärkt und kann die positive Überraschung der neuen Saison werden.

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… Bayerns Konkurrenten: Wolfsburg ist Bayern-Jäger Nummer eins. Aber auch die Dortmunder werden mit ranrücken, da bin ich mir sicher. Sie haben mit Thomas Tuchel einen ausgezeichneten Trainer, der eine andere Art und Weise spielen lassen möchte. Sie haben einen Riesen-Potenzial. Die Spieler sind aufgrund der schlechten abgelaufenen auch heiß auf die neue Saison. Sie wollen das Bild wieder gerade rücken und zeigen: Das war ein einmaliger Ausrutscher.

Tipico

… den VfL Wolfsburg und Kevin De Bruyne: Wenn De Bruyne gehen würde, wäre das nicht gut für den Verein. Dann wäre Wolfsburg nicht mehr Bayern-Jäger Nummer eins. Es wäre brutal schwierig, einen Ersatz zu finden. Wenn er aber im Winter sagt, im kommenden Jahr will ich gehen, hat der Verein die Möglichkeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

... De Bruynes Zukunft: Ich bin mir ziemlich sicher, dass er bleibt. Das wird ihm auch guttun, weil er das Vertrauen vom ganzen Verein spürt. Nach ein, zwei Jahren kann er immer noch wechseln. Das sollte er sich reiflich überlegen. 

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… Schalke und Gladbach: Bei Schalke und Gladbach muss man abwarten. Bei Gladbach, wie sie die Champions League verkraften. Das ist ein anderes Niveau als die Europa League, in der man in der Gruppenphase mal rotieren kann. Das geht in der Königsklasse nicht - von daher wird die Belastung größer sein. Dennoch wird Gladbach oben bleiben.

… Johannes Geis: Auf Geis bin ich gespannt. Er ist ein junger Bursche, der für viel Geld nach Schalke gewechselt ist. Die Erwartungen sind riesengroß. Er spielt die zentrale Rolle. Aber er hat das Vertrauen von Andre Breitenreiter, das ist enorm wichtig für so einen jungen Spieler - und es ist wichtig, um gut in die Saison zu starten.

… den HSV und die Rucksack-Affäre: Das ist schon seltsam und wirft ein ziemlich schlechtes Licht auf den HSV. Sportlich hat man ohnehin große Probleme und dann kommt sowas noch dazu. Dass der HSV im DFB-Pokal ausgeschieden ist, hat mich nicht groß überrascht. Hamburg hat mit van der Vaart und Westermann zwei Gesichter verloren, auch wenn beide zuletzt nicht ihre Leistung gebracht haben. Gleichzeitig ist nicht viel dazugekommen. Ich denke, es wird wieder gegen den Abstieg gehen. Die Frage ist, ob Kühne Fluch oder Segen ist. Er hilft dem Verein finanziell zwar über die Runden, wenn man aber die Einkäufe und Abgänge betrachtet, würde ich mir als HSV-Fan Sorgen machen. Labbadia ist definitiv der richtige Trainer, er hat aber nicht die Mannschaft um ins Mittelfeld zu rutschen. Die Fans sind weltklasse und waren dafür verantwortlich, dass der Klub immer noch in der ersten Liga spielt, das sollten sie wissen

… Hannover 96: Das Traurige im Fußball ist, dass viele die Realität komplett aus den Augen verlieren. In Hannover zum Beispiel peilt Kind Platz acht mit Blick nach vorne an. Das ist Optimismus pur, Wahnsinn!

… den VfB Stuttgart: Stuttgart wird schönen Power-Fußball spielen. Die Frage ist, was passiert, wenn sie mal zwei, drei Klatschen bekommen. 

… den FC Augsburg: Die Augsburger werden nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Sie werden aber auch nicht die Leistungen der vergangenen Saison wiederholen. Die Reisen durch Europa sind nicht nur eine physische, sondern auch eine mentale Belastung, das ist brutal. Augsburg wird gute und schlechte Phasen haben und im Mittelfeld landen.

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… Borussia Dortmund: Nach sieben so erfolgreichen Jahren mit Klopp wird man, gerade bei der Art und Weise, wie Dortmund Fußball gespielt hat, müde. Nicht nur in den Beinen, auch im Kopf. Tuchel bringt ein neues System rein - mit mehr Ballbesitz. Das wird ein anderer BVB und das ist auch gut so. Aber auch Tuchel ist abhängig von seinen zwei, drei Superstars. Er muss hoffen, dass Aubameyang, Reus oder auch Gündogan fit bleiben. Dann werden sie eine sehr gute Rolle spielen.

… Henrikh Mkhitaryan: Bei ihm hat man immer die Ansätze gesehen. Er hat teilweise unfassbare Fehler gemacht, selbst an sich gezweifelt. Dann hatte er aber auch immer wieder geniale Momente, die man selten in der Bundesliga sieht. Das hat Tuchel erkannt. Er gibt ihm das Vertrauen, redet ihn stark - und Mkhitaryan ruft sein Potenzial ab. Es gibt eben auch Spieler, die eine gewisse Zeit brauchen, wie auch Lewandowski in Dortmund. 

… Thomas Tuchel: Tuchel ist akribisch, er ist aber auch im Umgang - auch, wenn ich viele Medienvertreter kenne, die Probleme mit ihm haben - total angenehm und entspannt. Ich hätte gerne unter ihm trainiert. Er hat einen genauen Plan, den die Spieler umsetzen müssen. Nun muss er sich bei Dortmund beweisen. Er hat das erste Mal in seiner Trainerkarriere Druck, die Erwartungen sind hoch, die Medienlandschaft ist eine andere - damit muss er umgehen. Das ist ihm aber bewusst. 

… über seine persönliche Zukunft: Es muss das Richtige kommen. Ich hatte zwei Verträge von interessanten Vereinen auf dem Tisch liegen, habe mich aber dagegen entschieden, weil ich nicht der totalen Überzeugung war, dass das erfolgreich enden kann. Diese Vereine sind so dermaßen abgeschmiert, dass ich mit meinem Bauchgefühl Recht hatte. Ich werde weiterhin geduldig bleiben, Gespräche führen und mich weiterentwickeln. Dann schauen wir mal, was da kommt, ich bin da total entspannt. 

… geldgeile Spieler: Shaqiris Wechsel zu Stoke City verstehe ich überhaupt nicht. Wenn man dorthin geht, ist man dermaßen schlecht beraten. Du musst dich als Sportler doch fragen: Wo kann ich meine sportlichen Ziele erreichen? Das ist doch die Herausforderung. Schalke 04 wäre zum Beispiel genial für Shaqiri gewesen. Scheiß auf eine oder zwei Millionen. Wenn ich dort drei verdiene und bei Stoke sechs, entscheide ich mich für Schalke. Dann spiele ich in der Bundesliga, in einem geilen Stadion, bin wieder in Deutschland, bei einem geilen Klub, den ich wieder nach oben bringen kann. Aber Stoke City? Mein Gott, da verstehe ich den Spieler nicht, den Berater nicht, die Eltern und den Bruder nicht. Ich finde es schade und traurig. Nur weil die mit dem Geld wedeln? Da muss ich die Spieler auch mal hinterfragen: Ist Geld denn für Euch alles?

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