Moritz Leitner beim BVB: Grüezi und auf Wiedersehen?

Für Leitner wird es wohl die letzte Sommervorbereitung beim BVB sein. Zu enttäuschend verlief seine Entwicklung in den letzten Jahren. Findet er einen neuen Verein, darf er gehen.

In diesen Tagen schuftet Moritz Leitner wie alle anderen Profis von Borussia Dortmund im schweizerischen Bad Ragaz für die anstehende Saison. Ob er dann allerdings das schwarz-gelbe Trikot tragen wird? Zweifel sind durchaus angebracht, denn der BVB soll ihm bereits mitgeteilt haben, dass ihm keine Steine in den Weg gelegt würden, sollte er für sich einen neuen Verein finden.

Mit anderen Worten: Thomas Tuchel und Michael Zorc haben ihm nahegelegt, sich umzusehen. Nicht umsonst war er im Test gegen den VfL Bochum der einzige Feldspieler, der keine Einsatzminuten sammelte. Gegen den FC Luzern durfte er am Dienstagabend wenigstens 45 Minuten auflaufen und erzielte dabei gar den vierten Treffer des Tages beim 4:1-Sieg.

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Für Leitner, der zuletzt zwei Jahre an den VfB Stuttgart ausgeliehen war, sicherlich keine einfache Situation. Fraglos könnte er vom Talent ein gestandener Bundesligaspieler werden. Allerdings fehlt es ihm bisweilen am nötigen Biss. Deshalb will er sich jetzt erst recht beim neuen Trainer beweisen. Die Flucht ergreifen? Nicht mit ihm - vor allem nicht wieder auf Zeit.

Tipico

"Ich möchte mich auf keinen Fall noch einmal ausleihen lassen", stellte Leitner gegenüber dem kicker vor einigen Tagen klar. Dafür muss der Deutsch-Österreicher aber richtig Gas geben, schließlich verpasste er die Asienreise und somit auch die ersten intensiven Trainingswochen unter Tuchel aufgrund der U21-Europameisterschaft.

Schwache Leistungen in der Liga

Zu allem Überfluss verlief das Turnier nicht nach den Vorstellungen des DFB und schon gar nicht nach denen Leitners. Eine schwache Leistung im Auftaktspiel brachte ihn in eine schlechte Ausgangslage für die gesamte Europameisterschaft – wie schon in der Saison beim VfB. Er kam nur 19 Mal zum Einsatz, im Saisonendspurt, als es um den Klassenerhalt ging, gar nicht mehr. Für ein Spiel wurde er sogar zur zweiten Mannschaft verbannt.

"Im Team hat es schlicht an Balance gefehlt. Und damit meine ich nicht nur das Gleichgewicht auf dem Platz. Da geht es mir mehr um die Egoismen im Kader. Die Spieler haben viel zu lange an sich selbst gedacht", erklärte Huub Stevens nach dem Saisonende gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Besonders in der Kritik: Leitner: "Moritz Leitner oder Oriol Romeu konnten sich nie auf den Kampf gegen den Abstieg einstellen".


Moritz Leitner machte bei der U21-EM nicht immer eine gute Figur

Auch die VfB-Legende Buffy Ettmeyer kritisierte Leitner in einer Kolumne in für die Sport Bild scharf: "Einige Spieler sind mehr mit ihrem Haarbändchen beschäftigt als mit dem Spiel. Der Leitner ist ein junger Schnösel, der nach der Saison zum BVB zurück geht. Der kapiert gar nicht, was um ihn herum passiert. Der würde bei mir im Leben nicht spielen. Für den VfB hat er noch nichts erreicht."

Aussagen wie diese richten sich deutlich gegen den Charakter des deutschen U21-Junioren, der aufgrund von Fehlverhalten in den vergangenen Jahren mehrmals bei Trainern aneckte. Bei der Nationalmannschaft wurde er 2013 suspendiert, weil er mit Mitspielern aneinandergeraten sein soll. Das Verhältnis zu Horst Hrubesch war damals angekratzt. Inzwischen ist er wieder Teil des Teams. In Stuttgart gab es ebenfalls Probleme.

Im Wintertrainingslager in Portugal wurde Leitner morgens um sechs Uhr zum Training zitiert, weil er sich in einem Trainingsspiel zu sehr über eine Schiedsrichterentscheidung echauffierte. "Immer diese Klappe", schrie ihn Stevens damals an.

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Kaum Spielpraxis

Wahrlich war die Zeit in Stuttgart nicht so rosig, wie sich das der Spieler und vermutlich der BVB vorgestellt hatten. "Da ist es nicht so einfach für einen jungen Spieler, der einfach nur kicken will. Für mich war es wichtig, Spielpraxis zu bekommen. Deshalb habe ich den Schritt zum VfB gemacht", sagte er im Oktober 2013 gegenüber den Ruhrnachrichten. Spielpraxis hat er bekommen, aber längst nicht so viel, wie er sich das gewünscht hatte.

Denn im Jahr 2013 ist er aus den gleichen Gründen von Dortmund weggegangen, die ihm nun wieder zum Verhängnis werden könnten. "Die Chance, in Dortmund in die Startelf zu kommen, war zuletzt nicht so groß für mich. Gerade auf meiner Position ist der BVB sehr gut aufgestellt." Im aktuellen Kader stehen gleich sechs Spieler, die ebenfalls auf Leitners Position, also der Sechs, auflaufen können. Sven Bender, Julian Weigl - der eine starke Vorbereitung spielt -, Oliver Kirch, Gonzalo Castro, Ilkay Gündogan und der verletzte Nuri Sahin.

Dabei würde Leitner so gerne spielen. "Ich spiele beim geilsten Klub, den ich mir vorstellen kann. Wer einmal die Südtribüne im Rücken hatte, ist von Schwarz-Gelb infiziert", erklärte er einst der Bild. Gut möglich, dass er die Südtribüne in der kommenden Saison zwar im Rücken haben wird - dann aber in einem anderen Trikot.

Für Tuchel wird es nicht reichen, was Jürgen Klopp ihm damals mit auf den Weg gegeben hat: "Ich solle so spielen, wie ich aussehe - rotzfrech." Dafür sind die Abläufe beim neuen Trainer zu komplex.

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