Nuri Sahin: Das große Fragezeichen beim BVB

Die Verletzung von Sahin wirft Fragen auf. Seit inzwischen gut fünf Monaten fehlt der wichtige Stratege im BVB-Mittelfeld. In Bad Ragaz arbeitet er weiter am Comeback.

Als am Sonntagvormittag die Maschine den heimischen Flughafen verließ, die die Mannschaft von Borussia Dortmund ins Trainingslager in die Schweiz brachte, war Nuri Sahin an Board. Der Mittelfeldstratege absolvierte am 28. Februar sein letztes Spiel - seitdem fehlt er verletzt. Und auch in Bad Ragaz soll er nur an seiner Reha arbeiten. Ein Einsatz im Mannschaftstraining ist weiter nicht in Sicht.

Damals, zu Beginn des Jahres, war Sahin einer der überragenden Akteure im Derby gegen den FC Schalke 04. 3:0 gewannen die Dortmunder, Sahin verletzte sich jedoch. "Nicht so gravierend", nannte Jürgen Klopp die Verletzung. Ein kleiner Muskelfaserriss im Oberschenkel zwang den türkischen Nationalspieler zu einer Pause. Für ein paar Wochen, dachte man, immerhin war es eine "normale" Blessur.

Tipico

Inzwischen sind mehrere Monate vergangen und aus der Verletzung im Oberschenkel ist ein langfristiges Problem in den Adduktoren geworden. Sahin wird die Sommervorbereitung verpassen. Nicht zum ersten Mal seit der Rückkehr von einem unglücklich Gastspiel bei Real Madrid inklusive Zwischenstation in Liverpool.

Nur neun Spiele in der Saison

Im vergangenen Sommer reiste Sahin mit einem gereizten Knie aus dem Trainingslager in Bad Ragaz ab. Schnell stellte sich heraus, dass sich die Sehne entzündet hatte. Der Heilungsverlauf nach einer Knie-OP verlief schleppend. Erst Anfang Dezember im Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht wirkte er wieder mit. Die Rückrunden-Vorbereitung war für ihn dann ein voller Erfolg.

Zusammen mit Ilkay Gündogan diktierte er in sechs Begegnungen das Geschehen - bis zum Duell mit Schalke. Bis heute kann keine seriöse Aussage darüber gemacht werden, wann er wieder ins Training einsteigen darf. Für den 26-Jährigen eine Katastrophe. Seit seinem Abschied vom BVB im Jahr 2011 ist er geplagt von Verletzungen. Immer wieder fiel er für mehrere Monate aus - die Zeit in Madrid war am Ende ein großes Missverständnis.


Ein seltenes Bild: Nur Sahin in einem seiner nur neun Saisoneinsätze gegen Juventus Turin

"Ich habe die Erfahrungen gemacht, die ich machen wollte", so Sahin 2013 gegenüber der Bild. "Ich habe gemerkt, dass ich nur hier sein will." Hier, also in Dortmund, wird es dennoch immer schwieriger für ihn, wieder ein Bein auf den Boden zu bekommen. Neu-Trainer Thomas Tuchel hat nämlich zahlreiche Alternativen für die Position von Sahin.

Überangebot im Zentrum

Sven Bender, Gonzalo Castro, Julian Weigl und Ilkay Gündogan können auf der Sechs auflaufen. Aber wie es bisher in der Vorbereitung aussieht, vertraut Tuchel seiner Mannschaft ein neues System an, mit dem er überwiegend agieren will. Mit einer 4-1-4-1-Anordnung soll nur ein klassischer "Abräumer" auf dem Feld stehen. Sven Bender nahm die Position im Test gegen den VfL Bochum für 60 Minuten ein, Julian Weigl für 30. Und der Neuzugang vom TSV 1860 München wusste erneut zu überzeugen - wie bereits in den Testspielen auf der Asienreise. Gut möglich, dass der erst 19-Jährige eine große Rolle unter Tuchel spielen wird.

Sahin ist jedenfalls schon jetzt der große Verlierer dieser Vorbereitung. Unter Tuchel wollte er sich beweisen und für einen Stammplatz empfehlen. Stattdessen muss er in Bad Ragaz seinen Teamkollegen zusehen, wie sie fleißig die akribischen Korrekturhinweise des Coaches umsetzen und somit an dem "neuen" Borussia Dortmund arbeiten.

Und Sahin muss sich Gerüchte gefallen lassen, er würde vielleicht in absehbarer Zeit gar kein Fußball mehr spielen.

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