FC Ingolstadt: Die neue Bundesliga-Festung?

Die Vorfreude bei den Schanzern ist groß, die Erwartungen sind realistisch. In der Donaustadt wird hervorragende Arbeit geleistet, Vorwürfe prallen wie an einer Festung ab.

Retortenklub, keine Tradition, keine Anhänger - dem FC Ingolstadt weht seit einiger Zeit ein rauer Wind aus der Fanwelt entgegen, denn mit dem Erfolg kommen die Neider. Dabei zeigt ein Blick hinter die vermeintliche Audi-Blase, dass die Oberbayern viel mehr drauf haben, als sich nur beschenken zu lassen.

"Der HSV oder der FCB hatten zehn Jahre nach ihrer Gründung auch keine Tradition", erklärte Comedian und Ingolstadt-Fan Günther Grünwald auf der Webseite des Vereins kürzlich und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Elf Jahre ist es nun her, da fusionierten der MTV Ingolstadt und der ESV Ingolstadt zum heutigen Verein.

Was danach folgte, klingt nahezu wie im Märchen - ist aber knallharte Realität. Aufstiege im Zwei-Jahres-Rhythmus gipfelten schließlich zur erstmaligen Teilnahme an der 2. Bundesliga in der Saison 2008/09. Doch erst zu diesem Zeitpunkt wurde der regional ansässige Automobilhersteller wirklich auf den Verein aufmerksam und stieg als Sponsor ein. Böse Zungen könnten also gar behaupten, Audi hätte sich ins gemachte Nest gesetzt.

"Andere Vereine haben mehr Investoren"

Und dennoch wirkt es so, als müsse sich der Verein für den Erfolg und das Audi-Sponsoring entschuldigen und rechtfertigen. Dabei heißt der Spiritus Rector beim FCI Peter Jackwerth - Selfmade-Millionär, finanzieller Unterstützer und heutiger Präsident. Dem 59-Jährigen verdankt der Klub das Fundament, wobei man sich heute keineswegs als Werksklub sieht. "Andere Vereine haben mehr Investoren und mehr Anteile abgegeben, als wir", so Jackwerth in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland.

Dies belegen auch die Zahlen, wonach Audi gerade mal mit 19,94 Prozent an der FC Ingolstadt Fußball GmbH beteiligt ist. Zwar übernahm das Unternehmen mit den vier Ringen 2013 die kompletten Anteile an der Stadionbetreiber GmbH von Jackwerth und ist somit Eigentümer des Trainingszentrums sowie des Stadions, geschenkt bekommt der FCI deswegen trotzdem nichts - jährlich werden rund 3,5 Millionen Euro Miete für die Nutzung der Sport- und Büroflächen fällig.


Ralph Hasenhüttl ist ein Erfolgsgarant des FC Ingolstadt

"Das Geld von Audi fließt bei uns vorrangig in infrastrukturelle Dinge, in die Nachwuchsabteilung und unser Jugendhaus", erklärte Trainer Ralph Hasenhüttl - das Nachwuchsleistungszentrum wurde vom DFB erst mit bestmöglichen drei Sternen ausgezeichnet. Diese Aspekte dienen wiederum als Basis für einen nachhaltigen Erfolg, den sich der Klub letztendlich aber selbst erarbeitet hat. Geld ist nicht automatisch mit Siegen und Titeln verbunden, was vielmehr beweist, welch hervorragende Arbeit man seit Jahren in Ingolstadt leistet.

Etat von 8,5 Millionen Euro

Heutige Stammspieler und Eckpfeiler der Mannschaft wie Danilo Soares, Alfredo Morales, Stefan Lex, Lukas Hinterseer, Benjamin Hübner, Danny da Costa oder Pascal Groß kamen über die letzten drei Jahre allesamt ablösefrei in die Donaustadt, der Etat lag in der abgelaufenen Spielzeit gerade mal bei 8,5 Millionen Euro. "Ingolstadt hat mit einem Zweitliga-Kader, der nicht zu den teuersten gehört und keine Bundesliga-Stars hat, einfach eine fantastische Mannschaftsleistung gezeigt", kommentierte Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder den Aufstieg in die Bundesliga.

Tipico

Als Vater des Erfolgs gilt dabei Coach Hasenhüttl, der ein Team geformt und im beschaulichen 132.000-Einwohner-Städtchen große Begeisterung entfacht hat. "Es war sehr angenehm, dass wir lange Zeit ein bisschen unter dem Radar geflogen sind. Man merkt aber, dass wir jetzt an Euphorie zugelegt haben. Im Winter haben wir fast doppelt so viele Dauerkarten verkauft wie noch im Sommer", erklärte der Österreicher bei Spox.

Diese Zahlen dürften mit dem Antritt im deutschen Oberhaus nochmals nach oben steigen, wobei viele fürchten, dass der Hauptsponsor durch die jüngsten Errungenschaften noch mehr an Einfluss gewinnen wird. Dem widerspricht Jackwerth allerdings vehement: "Es gibt eine klare Absprache im Vorstand: Wir werden keine Mehrheitsanteile verkaufen. Ich weiß nicht, was nach mir kommt, und wie lange ich das noch mache. Aber Fakt ist: In meiner Zeit wird es das nicht geben."

In den kommenden Wochen wird es vor allem darum gehen, den Kader punktuell zu verstärken. Die Stützen der Mannschaft sollen gehalten werden, wichtige Verträge wurden bereits verlängert. Mit Roman Bregerie kommt ein torgefährlicher Innenverteidiger aus Darmstadt, der Deal mit dem österreichischen Linksverteidiger Markus Suttner ist ebenfalls in trockenen Tüchern und auch Elias Kachunga vom SC Paderborn wird die Mannschaft verstärken.

Media Markt neuer Trikotsponsor

Die finanziellen Lasten wird ab der kommenden Saison auch das Unternehmen Media Markt mittragen, das als neuer Haupt- und Trikotsponsor beim Verein einsteigt und ebenfalls aus Ingolstadt stammt. Dennoch bleiben die Schanzer, deren Spitzname sich auf Ingolstadt als bayerische Landesfestung aus dem 16. Jahrhundert bezieht und dann doch noch mit einer langen regionalen Verbundenheit und Tradition behaftet ist, bescheiden: "Wir fangen auch jetzt nicht an zu klotzen, drinzubleiben wird die Rolle spielen. Es werden keine Wunderschlösser gebaut", so Jackwerth demütig. Dennoch könnte der Etat mit den zusätzlichen TV-Einnahmen auf rund 20 Millionen Euro ansteigen.

Ob die Hasenhüttl-Truppe ihr gewohnt intensives Spiel und frühes Anlaufen in der höheren Spielklasse auch so konsequent durchziehen zu vermag, wird sich zeigen - dennoch wird man in Ingolstadt das Konzept der letzten Jahre nicht komplett über den Haufen werfen. Man verfolgt eine klare Spielidee und gepaart mit der Standardstärke kann das eine echte Waffe werden.

Der FC Augsburg hat es vorgemacht, wie man mit einer eingeschworenen Truppe und einem leidenschaftlichen Trainer zunächst auch ohne die großen Namen in der Bundesliga erfolgreich sein kann, wobei man in Ingolstadt alles daran setzen wird, die ohnehin schon gute Arbeit weiter zu perfektionieren und es dem großen Bruder aus der Fuggerstadt gleich zu tun.

"Für uns alle ging in diesem Jahr ein Traum in Erfüllung. Entsprechend ist die Vorfreude auf das, was auf uns zukommt, riesig, und ich möchte dazu beitragen, dass sich der FC Ingolstadt 04 in der ersten Liga etabliert", so Hasenhüttl. Durch den Seitenwind aus verschiedensten Richtungen lässt man sich beim FCI jedenfalls nicht vom Kurs abbringen, wobei der Coach es treffend formulierte: "Ich persönlich lasse mich in erster Linie von gutem Fußball elektrisieren, weil ich diesen Sport liebe. Welches Trikot die Mannschaften dann anhaben oder von welchem Sponsor sie bezahlt werden, das ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal."

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